Zum Inhalt springen
Inhalt

International Flüchtlinge von Frachter in italienisches Aufnahmelager gebracht

Für hunderte Flüchtlinge auf dem Frachter «Ezadeen» hatte die Reise über das Mittelmeer ein gutes Ende: Sie wurden von der Küstenwache in Italien sicher an Land gebracht, nachdem Schleuser sie auf dem offenen Meer ihrem Schicksal überlassen hatten.

Legende: Video Bilder aus dem Innern des Frachters zeigen die Skrupellosigkeit abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.01.2015.

Hunderte Migranten sind nach ihrer Rettung durch die italienische Küstenwache von einem führerlosen Frachter in Italien an Land gegangen. Die etwa 360 Flüchtlinge, unter ihnen viele Kinder und schwangere Frauen, stammen überwiegend aus Syrien. Sie konnten am frühen Samstagmorgen im kalabrischen Corigliano Calabro den Frachter «Ezadeen» verlassen.

Die Flüchtlinge wurden medizinisch betreut und danach in Aufnahmelager gebracht. Sie waren bei der Fahrt über das Meer von Schleusern auf dem Frachter ohne Besatzung ihrem Schicksal überlassen worden.

«Triton» erfüllt Erwartungen nicht

Der zweite Vorfall dieser Art binnen weniger Tage hat Diskussionen über diese neue Methode der Menschenschmuggler-Banden ausgelöst. Seit September sei ein Trend zum Einsatz von Frachtschiffen zu beobachten, um «die Zahl der Flüchtlinge auf den Booten zu erhöhen», sagte Carlotta Sami, die Sprecherin der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR für Südeuropa, der Zeitung «La Repubblica». Mit dem Ende des italienischen Rettungseinsatzes «Mare Nostrum» wachse der Druck auf Länder wie die Türkei und Griechenland.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, nannte es einen grossen Fehler, dass «Mare Nostrum» vom Einsatz «Triton» abgelöst wurde, der von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordiniert wird. Nun werde den gut organisierten Schleusern das ganze Mittelmeer überlassen, und nur in Küstennähe wird Europa aktiv, sagte Wendt dem «Handelsblatt».

«Die Europäische Union wäre gut beraten, in den (Mittelmeer-)Anrainerstaaten mit Verhandlungen, Anreizen und Beratung dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge möglichst gar nicht erst diese Schrottkähne besteigen können. Asylbegehren könnten ausserhalb der EU vorgeprüft werden», sagte Wendt.

Legende: Video Die Auswirkungen auf die Schweiz abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.01.2015.

Dramatische Rettung

Italiens Küstenwache hatte den fast 50 Jahre alte Viehtransporter «Ezadeen», der unter der Flagge Sierra Leones fuhr, am Donnerstagabend entdeckt. Mit hunderten Migranten an Bord trieb das Schiff manövrierunfähig vor der italienischen Küste. Der Treibstoff war ausgegangen und die Besatzung hatte den Frachter verlassen.

In einer dramatischen Rettungsaktion seilten sich die Einsatzkräfte von einem Helikopter auf das Schiff ab. Anschliessend wurde es zur Küste geschleppt.
«Die Frachter müssten eigentlich sicherer sein als die kleinen Boote», erklärte Sami. «Aber es handelt sich um alte Schiffe ohne elektronische Ausrüstung oder Radar. Das erhöht das Risiko von Tragödien.»

Auch die Küstenwache warnte vor der Gefahr führerloser Frachter auf Autopilot für andere Schiffe. Bereits am Mittwoch hatten die italienischen Behörden den Frachter «Blue Sky M» mit knapp 800 Menschen an Bord auf hoher See gestoppt und die Menschen gerettet.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

117 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Es stellt sich noch die Frage, ob der IS über den Flüchtlingsstrom nicht auch Schläfer nach Europa einschleust. Kann man sich verlassen, dass die Geheimdienste, die alle Mails mitlesen, sich auch da zuverlässig interessieren? Die Menschen flüchten aus den Ländern des vom linken Westen unterstützten arabischen Frühlings. Aus dem diktatorischen Jordanien flüchtet keiner. Auch aus dem vom linken guten Westmenschen verhassten Israel flüchtet niemand, weder Araber noch Juden. Merkwürdige Welt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Kein Wunder, befürchtete die CH Wirtschaft nach einer eventuellen Annahme der Eccopop Initiative einen zukünftigen Mangel an ausländischen Fachkräften. Denn das in dieser Initiative vorgegebene Kontingent wäre nur schon durch die Flüchtlingsströme, die jetzt sogar fast täglich zu Hunderten per Frachter zu uns geschleppt werden, mehr als erfüllt gewesen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Erst in primitiven Booten, jetzt in Riesenfrachtern.....Wo führt das noch hin? Wo soll Nordwesteuropa all diese Flüchtlinge, welche nicht alle diesen Status verdienen, unterbringen? Natürlich i dä Schwiiz !!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen