Flüchtlingsdebatte in den USA nimmt hysterische Züge an

Präsident Obama hat mit seinem Plan, 10'000 Syrer in den USA aufzunehmen, einen immer schwereren Stand. Nach den Anschlägen von Paris nimmt die Debatte hysterische Züge an. Zu gross ist die Angst, mit den Flüchtlingen könnten zugleich Terroristen ins Land geholt werden.

Ein Mann aus Syrien trägt ein kleines Kind auf dem Rücken und wandert über ein Bahngleis bei der ungarisch-serbischen Grenze..

Bildlegende: «Anscheinend fürchten sie sich davor, dass Witwen und Waisen in die USA kommen könnten», rügt Präsident Obama. Reuters

Über die Hälfte aller US-Gouverneure weigern sich, in ihren Bundesstaaten neue Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Auch in der Bevölkerung regt sich immer stärkerer Widerstand gegen Präsident Barack Obamas Plan, dass 10‘000 syrische Flüchtlinge in den USA eine neue Heimat finden.

Immer mehr Menschen befürchten, mit den Migranten könnten zugleich Terroristen ins Land geholt werden und sehen sich durch die Terroranschläge in Paris darin bestätigt. Immer wieder kommt ein Fall aus Kentucky zur Sprache, bei dem zwei Flüchtlinge aus dem Irak angeklagt wurden, weil sie Geld und Waffen an eine Al-Kaida-Gruppe in ihrer alten Heimat geschickt hatten. Vor allem die Bevölkerung auf dem Land ist skeptisch.

Nächstenliebe in Spartanburg

Viele Amerikaner befürchten auch, dass die Muslime aus Syrien die christliche Kultur unterwandern könnten. So auch in Spartanburg, South Carolina. Dort sollen 100 Flüchtlinge angesiedelt werden.

Reverend DJ Horton und seine Kirche setzen sich dafür ein, die Migranten aufzunehmen. Sie argumentieren mit Nächstenliebe: «In der Bibel steht nirgends geschrieben, dass wir Erdenbürger von uns aus entscheiden sollen, wem wir helfen und wem nicht. Wir sollten allen, die in Not sind, ein Glas Wasser, ein warmes Essen und eine Unterkunft im Namen des Herrn anbieten», sagt Baptisten-Prediger Horton.

Nicht alle Spartanburger denken so

Bei einer Veranstaltung in der Lokalbibliothek zeichnet Evan Mulch von der erzkonservativen John Birch Society dagegen ein düsteres Bild zum Thema Flüchtlinge. Es finde eine Verschwörung gegen die USA statt, behauptet er. «Was, wenn die Polizei diese Leute nicht mehr im Griff hat? Erleben wir dann in South Carolina Unruhen wie in Baltimore und Ferguson?», fragt er sein Publikum. Die 30 Frauen und Männer im Saal nicken. Mulch bestätigt, was sie schon lange denken.

«Es wäre ein Fehler, diese syrischen Flüchtlinge aufzunehmen», sagt eine ältere Dame nach der Veranstaltung. «Die vielen jungen Männer – warum hat es nicht mehr Frauen und Kinder?» Wer in Not sei, solle kommen, sagt ein anderer Besucher, «aber wir müssen sicher sein, dass uns diese Leute auch gut gesinnt sind».

Viel Lärm um nichts

Viele Leute hätten halt Angst, gibt Reverend DJ Horton zu bedenken. Die Welt verändere sich stark und sie glaubten, wenigstens ihre eigene Gemeinde vor den Veränderungen bewahren zu können. Horton hofft, dass sich diese Menschen noch umbesinnen.

Bis jetzt ist das viel Aufregung um nichts, denn noch sind keine syrischen Flüchtlinge nach Spartanburg gekommen, wie das US-Aussenministerium auf Anfrage von Radio SRF bestätigt. Wegen des grossen Widerstands sei der Plan bis auf weiteres auf Eis gelegt worden, teilte auch die Organisation mit, die für die Flüchtlinge vor Ort verantwortlich wäre.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Vereinigte Staaten fürchten sich vor Terror

    Aus Tagesschau vom 17.11.2015

    Einige Staaten der USA wollen nach den Pariser Anschlägen keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, aus Angst vor weiteren Terroristischen Attacken.

  • Nutzen islamistische Extremisten den Strom der Flüchtlinge, um unerkannt nach Europa zu gelangen?

    Gelangen Jihadisten im Schutz der Flüchtlingsströme zu uns?

    Aus Rendez-vous vom 16.11.2015

    Die Schweizer Behörden sehen eine Gefahr - und warnen gleichzeitig, ihre Mittel, mögliche Jihadisten zu erkennen, seien begrenzt.

    Dominik Meier