Flüchtlingselend in Griechenland

Die Balkanroute ist praktisch zu, in Griechenland wird der Rückstau an Flüchtlingen immer grösser. Die Regierung bittet um Sachspenden, um die Not der Migranten zu lindern. Derweil bieten Schlepper bereits Alternativrouten Richtung Westeuropa an. Auch die Schweiz könnte so zum Transitland werden.

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Flüchtlinge protestieren gegen Grenzschliessungen

1:03 min, aus Tagesschau vom 27.2.2016

In Griechenland wird die Lage für Flüchtlinge immer verzweifelter. Obwohl die Balkanroute Richtung Westeuropa so gut wie dicht ist, kamen auch in den vergangenen Tagen wieder Tausende Migranten in Piräus an. In den Parkanlagen und auf den Plätzen Athens harren viele von ihnen im Freien aus.

Flüchtlinge sitzen am Boden

Bildlegende: Auf dem Viktoria-Platz im Zentrum Athens harren die Flüchtlinge im Freien aus. Reuters

Angesichts der dramatischen Entwicklung baut Griechenland im Schnellverfahren neue Auffanglager und versucht, den Flüchtlingszustrom von den Inseln zum Festland zu drosseln. «Wir müssen den Zustrom wegen des Rückstaus auf dem Festland verlangsamen», sagte der für die Küstenwache zuständige griechische Minister Thodoris Dritsas dem Nachrichtensender Skai.

Um die Inseln nicht zu überlasten, sollten die registrierten Migranten vorerst auf drei grossen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben. Auch rief das Finanzministerium zur Spende von Artikeln wie Schuhe, Dosenmilch, Babywindeln oder haltbaren Lebensmitteln auf.

Tausende auf dem Weg zur mazedonischen Grenze

Tausende versuchen trotz der abgeriegelten Grenzen weiterhin, nach Mazedonien zu gelangen. Auf dem Festland sind nach neuesten Schätzungen der Polizei mehr als 25'000 Menschen auf dem Weg zur griechisch-mazedonischen Grenze.

Flüchtlinge hinter einer Absperrung

Bildlegende: Nur noch vereinzelt dürfen Syrer und Iraker ihre Reise an der Grenze bei Idomeni in Richtung Mazedonien fortsetzen. Reuters

Dort ist für die meisten Flüchtlinge jedoch Schluss: Nur noch vereinzelt dürfen Syrer und Iraker die Reise fortsetzen: 350 Personen durften heute die Grenze passieren und dann per Zug in Richtung Serbien reisen. Andere Flüchtlinge werden gar nicht mehr durchgelassen. Mittlerweile sitzen gegen 6000 Menschen an der Grenze bei Idomeni fest.

Viele von ihnen forderten wieder lautstark, die Grenze zu öffnen. «Letzte Nacht sah ich Familien, die ohne Zelte und ohne Essen bei Regen im Freien übernachten mussten», sagt der irakische Flüchtling Mohammed Kamel. «Wie können die europäischen Staaten das dulden?»

Schlepper bieten die Adria-Route an

So dramatisch die Lage inzwischen für Griechenland und die Flüchtlinge selbst ist, so flexibel zeigen sich die Schlepper. Auf dem Viktoria-Platz im Zentrum von Athen bieten sie angeblich bereits eine neue Route nach Westeuropa an, entweder über Albanien oder über die Adria und Italien. Flüchtlinge berichteten Reportern, dass der Preis dafür zwischen 2500 und 3000 Euro pro Person liege.

Sollte sich der Flüchtlingsstrom aufgrund der geschlossenen Grenzen auf der Balkan-Route verlagern, könnte das auch die Schweiz betreffen. Versuchen vermehrt Menschen über Italien nach Westeuropa zu gelangen, würde die Schweiz automatisch zumindest zu einem Transitland. Laut dem griechischen Staatsradio wurden bisher jedoch noch keine nennenswerten Flüchtlingsbewegungen Richtung Albanien registriert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Griechenland empört über Balkanpolitik

    Aus Tagesschau vom 25.2.2016

    Der griechische Premierminister Alexis Tsipras zeigt kein Verständnis für die restriktive Flüchtlingspolitik der Balkanstaaten. Er droht, die Entscheide der EU künftig zu blockieren.

  • Chaotische Zustände an der mazedonischen Grenze

    Aus Tagesschau vom 23.2.2016

    Seit Mazedonien die Einreisebedingungen für Flüchtlinge verschärft hat, bleiben viele in Griechenland stecken. Die Balkanroute entwickelt sich immer mehr zum Nadelöhr. SRF-Korrespondent Werner van Gent sagt, in Griechenland drohe die humanitäre Katastrophe.