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International Flug MH370: Die Verzweiflung wächst – die Ratlosigkeit auch

Sabotage, Entführung, ein Terrorakt oder Selbstmord eines der Piloten: Darauf konzentrieren sich die Ermittler im Fall der verschwundenen Maschine der Malaysia Airlines. Derweil steigert sich für zahllose Angehörige die Ungewissheit ins Unerträgliche.

Legende: Video Verschollen für immer? abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.03.2014.

Je länger die malaysischen Behörden mit offiziellen Informationen zum Rätselflug MH370 geizen, desto rascher verbreiten sich Gerüchte oder dringen Bruchstücke von Ermittlungsergebnissen via Medien an die Öffentlichkeit.

Neuen Kurs im Computer programmiert?

So soll die erste Kursänderung der Maschine mit 239 Menschen an Bord nach einem Bericht der «New York Times» gezielt in ein Computersystem des Flugzeugs eingegeben worden sein. Das Flugzeug habe die Richtungsänderung also nicht von Hand gesteuert vollzogen.

Heckflosse eines Flugszeugs der Malaysia Airlines mit dem Logo der Fluggesellschaft
Legende: Zum Verschwinden des Fluges MH370 gibt es immer mehr Fragen, doch die Ermittler geizen mit offiziellen Informationen. Keystone

Vielmehr habe diese sehr wahrscheinlich jemand im Cockpit programmiert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Flugrichtung sei über sieben oder acht Tastenanschläge in einen Computer zwischen dem Kapitän und dem Ersten Offizier eingestellt worden.

Richtungswechsel wirft neue Fragen auf

Der US-TV-Sender NBC berichtete, die Kursänderung sei bereits vor der Abmeldung der Piloten bei der malaysischen Flugsicherung und dem Ausfall der Radar- und übrigen Funksignale im Bordcomputer eingegeben worden.

Wahrscheinlich war es der Copilot Fariq Abdul Hamid, der sich um 01.19 Uhr mit «Alright, good night» aus dem Cockpit abmeldete. Die Kursänderung sei mindestens zwölf Minuten vorher im Bordcomputer gewesen, berichtete NBC. Um 01.07 Uhr erfolgte die letzte automatische Datenmeldung des Kommunikationssystems ACARS. Dann wäre die Kursänderung bei der Bodenkontrolle angekommen.

Das wirft zwei Fragen auf: Erstens, warum erwähnten die Piloten bei der Abmeldung den neuen Kurs nicht? Und zweitens, wieso hat die Bodenkontrolle die Kursänderung nicht registriert oder wenn doch, aus welchen Gründen verschweigen dies die Ermittler allenfalls? Malaysische Ermittler wischten solche Fragen am Mittwoch vom Tisch, in dem sie den Zeitungsbericht dementierten.

Allerdings haben die malaysischen Ermittler vergangene Woche schon mehrfach Medienberichte dementiert, die später bestätigt wurden. Und auch die Medien selbst trugen da und dort zur Verwirrung bei.

Ist die Crew darin verwickelt?

Zunächst hiess es nämlich in einer malaysischen Zeitung, im sichergestellten heimischen Flugsimulator des Piloten seien Landebahnen auf den Malediven, in Sri Lanka und Indien programmiert gewesen. Diese lägen auf einer der beiden Flugrouten, welche die Behörden als neue Flugrichtung der Maschine für möglich halten. Inzwischen klingt das anders.

Auf dem privaten Flugsimulator des Piloten seien vielmehr am 3. Februar Daten gelöscht worden. Das berichtete der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar in Kuala Lumpur. Das Gerät werde weiter analysiert und die Experten versuchten, die gelöschten Informationen zurückzuholen. Verkehrsminister Hishammuddin Hussein betonte: «Alle Crew-Mitglieder, einschliesslich der Piloten, sind unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.»

Gleicher Art war der Lebenszyklus einer weiteren vermeintlichen Spur. Auch hier beeilte sich der malaysische Verkehrsminister mit einem Dementi. Eine in der Zeitung «Haveeru» kolportierte Beobachtung von maledivischen Fischern könne nicht bestätigt werden, sagte der Minister. Die Fischer hätten eine tieffliegende Passagiermaschine gesehen, berichtete die Zeitung. Weiss mit roten Streifen bemalt – wie häufig auch die Flugzeuge der Malaysia Airlines.

Ein Suchgebiet so gross wie Australien

Diese offensichtliche Ratlosigkeit und Desinformation ist für die Angehörigen der Verschollenen am schwersten. Immer lauter wird darum ihr Protest am Vorgehen der zuständigen Behörden. So versuchten chinesische Angehörige und Freunde der Insassen laut protestierend, das Briefing in Kuala Lumpur zu stürmen. Sie verlangten Informationen, eine Betroffene trat öffentlich in den Hungerstreik. Ordner drängten sie ab und brauchten sie in einen geschützten Raum.

Während an der Informationsfront die Meldungen wie aus der Kanone schiessen, herrscht für die Suchtrupps auf dem Meer gähnende Leere. Bis zur Stunde haben die Australier mit ihren Seeaufklärern keine Spur der verschwundenen Boeing gefunden. Schiffe in der Region hätten ebenfalls Ausschau gehalten und kein verdächtiges Material gesichtet, berichtete die Behörde für Seesicherheit. Auch aus dem anderen Suchkorridor nordwestlich von Malaysia wurde keine Sichtung gemeldet.

Entschädigungsgelder fliessen bereits

Einzig die Versicherer der Malaysia Airlines scheinen mit dem Geschehen Schritt zu halten. Der Versicherungskonzern Allianz begann nämlich mit der Auszahlung einer Millionensumme für das vermisste Flugzeug aus Malaysia. Ausser der Fluggesellschaft Malaysia Airlines erhielten auch die Angehörigen der vermissten Passagiere eine finanzielle Entschädigung. Das Geld liegt vorderhand auf einem Treuhand-Konto.

China protestiert

China wirft den malaysischen Ermittlern Inkompetenz vor. Wegen mangelnder Transparenz seien intensive Bemühungen verpufft und viele Gerüchte aufgekommen. Dadurch sei wertvolle Zeit verloren gegangen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von J. Knüchel, St. Gallen
    Sehr, sehr unstimmig diese ganze Geschichte.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    2) Der Transponder und später die Kommunikation wurden durch das Feuer zerstört, und da ist Shah als erfahrener Pilot der die Piste auf Pilau Lankawi kannte, direkt auf diesen Kurs geschwenkt, eine aussichtslose Situation, und so hat Kapitän Shah die Maschine auf den alten in den indischen Ozean führende Kurs auf dem FMS mit George geführt, in der Hoffnung bei leichterer Maschine nach Treibstoffverbrauch eine spätere Notlandung auf dem Wasser ausführen zu können was auch den Tiefflug erklärt
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    1. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Ein Flugzeug das 40 Minuten nach dem Star brennt, so dass es die Piloten bemerken würden, ist wohl kaum 6 Stunden in der Luft. Das Flugzeug hätte so auch nie die Malediven überflogen. Vor allem nicht wenn das Feuer bei den Pneus entsteht, wo auf Grund des Fahrwindes das Feuer sehr schnell auflodert und sich in die Maschine frisst. SR 111 stürzte nach der Entdeckung des Brandes 20 Minuten später ab. Zudem erfolgte die abrupte Kursänderung von MH 370 bereits vor dem letzten Funkspruch.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    1) Nun alle Details können beim Szenario " Feuer " erklärt werden, der Steigfug auf 13'600 m um das Feuer zu löschen der Sinkflug auf 7500 m um wieder genügend Sauerstoff in die Maschine zu bekommen, der Anflug auf Pulau Lankawi hat Shah abgebrochen wegen fehlender Kommunikation und das Flugzeug war zu schwer und Vollgetankt, aber ein Treibstoffablass bei Feuer ist nicht möglich es könnte die Maschine zerstören. Offensichtlich wollte er gemäss Kursdaten Port Blair ansteuern um dort zu landen
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