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Bericht von Human Rights Watch Fördert der UNHCR den Exodus afghanischer Flüchtlinge?

Legende: Audio Hunderttausende afghanische Flüchtlinge fliehen aus Pakistan abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
01:02 min, aus HeuteMorgen vom 13.02.2017.
  • Pakistan verschärft den Umgang mit afghanischen Flüchtlingen.
  • Die UNHCR bezahlt diesen höhere Beträge an Rückkehrhilfe.
  • Human Rights Watch kritisiert: Beide Aspekte motivieren die afghanische Flüchtlinge, in ihre keineswegs sichere Heimat zurückzukehren.

Letztes Jahr sind in Afghanistan so viele Zivilisten verletzt oder getötet worden wie noch nie, und dennoch sind knapp 400'000 registrierte afghanische Flüchtlinge von Pakistan aus zurückgekehrt. So viele wie noch nie seit 10 Jahren.

Grund ist eine schärfere Gangart von Pakistan im Umgang mit den afghanischen Flüchtlingen und eine Erhöhung der Rückkehrhilfe der UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR, sagt ein heute veröffentlichter Bericht von Human Rights Watch. Er kritisiert die pakistanische Regierung sowie die UNO-Behörde.

Pakistan hatte letzten Sommer verkündet, dass das Aufenthaltsrecht afghanischer Flüchtlinge auf Ende 2016 auslaufe. Mittlerweile wurde die Frist bis Ende 2017 verlängert. Dennoch, die Unsicherheit habe einen Massenexodus kreiert sagt Gerry Simpson von Human Rights Watch.

50 Mal mehr Rückkehrer

Während in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres lediglich etwa 8000 Flüchtlinge von Pakistan aus zurückkehrten, schnellte die Zahl in der zweiten Hälfte auf knapp 400'000. Pakistan sagt, alle seien freiwillig zurückgekehrt.

Das aber dementiert der Human-Rights-Watch-Bericht. In über 100 Befragungen durch die Menschenrechtsorganisation sagten Rückkehrer, dass Druck auf sie ausgeübt wurde: Hausdurchsuchungen, Polizeigewalt und Deportationsdrohungen.

Könnte nach seiner Rückkehr nach Afghanistan vom Regen in die Traufe kommen: Flüchtlingsmädchen.
Legende: Könnte nach seiner Rückkehr nach Afghanistan vom Regen in die Traufe kommen: Flüchtlingsmädchen. Keystone

Heikle finanzielle Anreize

Auch mit dem UNHCR geht die Menschenrechtsorganisation hart ins Gericht. Denn ebenfalls im Sommer hat die UNO-Flüchtlingsbehörde die Rückkehrhilfe für afghanische Flüchtlinge in Pakistan von 200 auf 400 Dollar pro Person erhöht. Damit schaffe sie Anreize für die Rückkehr in ein vom Krieg zerrüttetes Land, so die NGO.

Ariane Rummery vom UNHCR dementiert: Die Zwangsmassnahmen seitens Pakistans seien laut eigenen Befragungen viel häufiger als Grund für die Rückkehr genannt worden als die Unterstützung des UNHCR, so die Sprecherin.

Dennoch: Angesichts der härteren Gangart der pakistanischen Regierung dürfte der finanzielle Zustupf für viele Afghanen sicher auch ein Grund sein, frühzeitig die Koffer zu packen anstatt Ende Jahr womöglich ausgeschafft zu werden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Falsches Mass, falsche Einheit ? Human rights watch, dann müsste es sich auch eine human duties watch geben oder werden da private NGOs mit den Vereinten Nationen gleichgestellt?
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Erstaunlich, wie die Privatorganisation des globalisierten Geldadels "Human Rights Watch" schon die UNO und das UNHCR angreifen kann. Die Globalisierung nimmt offenbar enorm Fahrt auf und löst staatliche und internationale Strukturen weiter auf. "No Border - No Nation" eben. Das heisst dann allerdings auch "No United Nations".
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Das UNHCR hat offensichtlich Geld um "Anreize" zu schaffen, dass die Pakistaner die Afgahnen zurück-führen?,-drängen? oder -schaffen. Andererseits hat die UNO aber kein Geld, Millionen Flüchtlinge in Lagern ausreichend zu ernähren? Das passt nicht zusammen, es sei denn, es gibt "Kräfte" in der UNO, die ziemlich gezielt wieder grosse Mengen von Flüchtlingen in Bewegung setzen wollen...
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