Fracking: Umstritten in der EU - Boom in den USA

Die Gewinnung von Öl und Gas mittels Fracking stösst in Europa teils auf starken Widerstand. Während einige Europäische Staaten den Abbau von Schiefergas vorantreiben, ist die Methode in den anderen gesetzlich verboten. Die USA steigt derzeit dank Fracking zum grössten Ölförderer der Welt auf.

Ein Turm einer Fracking-Förderanlage.

Bildlegende: Die Fracking-Methode ist höchst umstritten. Anlage zur Erkundung von Schiefergasvorkommen in Grossbritannien. Keystone

Die Ausbeutung der Schiefergasvorkommen sorgt derzeit für Diskussionen in den Ländern Europas. Im Zentrum der Kontroverse steht die Methode des Fracking. In Frankreich wurde sie im Juli 2011 per Gerichtsbeschluss sogar verboten. Nun hat das französische Verfassungsgericht das Urteil nochmals bekräftigt, welches vom US-amerikanische Unternehmen Schuepbach als Verfassungswidrig angeprangert wurde. Auch Bulgarien hat der umstrittenen Methode per Gesetzesdekret einen Riegel vorgeschoben.

Währendessen wird die Technologie in Polen vorangetrieben. Es lockt die Selbstversorgung mit Gas.

USA bald die Nr. 1

In den USA hat die Methode bereits einen Boom erlebt. Nach Einschätzungen der Internationalen Energieagentur IEA dürften die USA dank Fracking im kommenden Jahr zum grössten Erdölförderer der Welt aufsteigen. Die Vereinigten Staaten würden damit Russland auf den zweiten Platz befördern. Die IEA geht davon aus, dass die USA 2014 im Schnitt elf Millionen Barrel Öl produzieren.

Das grösste Kontingent wird dabei aus Schiefergestein mittels Fracking gewonnen. Die Methode eignet sich sowohl zur Öl- wie auch Gasförderung.

Neue Methode bringt auch neue Risiken

Die Fördermethode ist in den USA schon seit den 1940er Jahren verbreitet. Damals beschränkte man sich aber auf Sand- und Kalksteinformationen. Mittels vertikalen Bohrungen wurden Löcher in das Gestein gebohrt und das darin eingeschlossene Gas oder Öl angezapft. Mit der neuen Technologie können die Rohstoffe nun auch aus Schiefergasformationen gelöst werden.

Dafür werden horizontale Schächte in die Schiefersteinformationen gebohrt. Dadurch kann Wasser mit Hochdruck in die Schächte gepumpt werden, wodurch Frakturen im Gestein entstehen und das darin eingeschlossenen Gas sich löst. Das Wasser wird mit Chemikalien angereichert, welche einerseits Mineralien lösen sollen und andererseits verhindern, dass Bakterien die Schächte verstopfen. Mittels Sand der zusätzlich in das Wasser gemischt wird, werden die Schächte aufgepresst.

Obwohl die Technologie Zugang zu immensen Ressourcen ermöglicht, birgt sie auch viele Risiken. Das Chemikalien-Wassergemisch kann zu Verunreinigungen des Grundwassers führen. Die Hohlräume die beim Prozess entstehen können zusammenbrechen und lokale Erdbeben auslösen. Zusätzlich werden Gase wie Methan und CO2 freigesetzt, welche das Klima schädigen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Angst-Thema «Fracking»

    Aus Kulturplatz vom 27.2.2013

    Hinter Yoko Ono haben sich renommierte US-Künstler in der Organisation «Artists against Fracking» geschart. Sie befürchten, ähnlich wie der Dokumentarfilm «Gasland» oder der von Matt Damon produzierte Spielfilm «Promised Land», von der Schiefergasförderung Naturzerstörung in massivem Ausmass. «Kulturplatz» fragt nach Risiken von Fracking - einer alten, jedoch erneuerten Fördermethode - und zeigt, wie komplex die Antwort auf die Frage nach der nachhaltigen Energiesuche für morgen ausfällt. In Europa und in der Schweiz ist die Debatte um diese Gasförderungstechnik erst in den Anfängen.

    Mehr zum Thema

  • Energiezukunft: Risiken und Chancen von "unkonventionellem" Gas

    Aus Einstein vom 13.12.2012

    Gas aus porösem Gestein kann heute mittels Fracking effizient gewonnen werden und deckt theoretisch den globalen Gasbedarf für 200 bis 300 Jahre. Sogar die Schweiz könnte unabhängiger werden von Importen. Doch die Gewinnung ist mit grossen Umweltrisiken verbunden. Wenn der Gasboom auf Kosten der erneuerbaren Energien geht, ist er sogar kontraproduktiv. Denn auch bei den optimistischsten Prognosen sind mit dem unkonventionellen Gas die Klimaziele nicht zu erreichen.