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Präsidentenwahl in Frankreich François Fillon macht weiter

Legende: Video François Fillon gibt nicht auf abspielen. Laufzeit 1:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.03.2017.
  • Der Präsidentschaftskandidat der französischen Konservativen hält an seiner Kandidatur fest.
  • Gegen den früheren Ministerpräsidenten laufen Ermittlungen wegen Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau Penelope. Nun hat er für den 15. März eine Vorladung des Ermittlungsrichters erhalten.
Ich werde nicht aufgeben, ich werde nicht kapitulieren, ich werde nicht zurückziehen, ich werde bis zum Ende kämpfen.
Autor: François FillonPräsidentschaftskandidat der Französischen Konservativen

Die Justiz prüft den Verdacht einer Scheinbeschäftigung von Fillons Frau Penelope, sie ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Hinterziehung öffentlicher Mittel. Penelope Fillon war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann angestellt. Enthüllungen in der Zeitung «Le Canard Enchaîné» hatten aber die Frage aufgeworfen, ob sie tatsächlich Tätigkeiten ausgeführt hatte. Die Justiz prüft, wie weit sie tatsächlich für ihn tätig war.

François Fillon vor einem schwarzen Hintergrund
Legende: Seine Frau soll in acht Jahren rund 680'000 Euro an Staatsgeldern bekommen haben, ohne je gearbeitet zu haben. Reuters

Nach Fillons Angaben geht es um Steuergelder in Höhe von rund 680'000 Euro nach Abzug der Sozialbeiträge. Der Präsidentschaftskandidat hat den Vorwurf der Scheinbeschäftigung stets zurückgewiesen.

Wahlkampf schwer belastet

Fillon war bis Ende Januar klarer Favorit für die Nachfolge des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande. Fillons Umfragewerte fielen aber, nachdem die Behörden Ermittlungen gegen ihn aufgenommen hatten. Damit wachsen laut jüngsten Umfragen die Chancen des unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron, Präsident zu werden.

Einschätzung des Korrespondenten in Paris, Charles Liebherr

François Fillon hält sich für unschuldig und will sich nur dem Urteil der Wähler unterwerfen. Das ist sein Recht – im juristischen Sinn. An Fillon bleibt aber ein politisches Urteil haften. Jenes nämlich, dass er mit zwei Ellen misst. Ein Grossteil seiner Glaubwürdigkeit hat er bei den Wählern bereits verloren. Diese fällen ein politisches Urteil. Sie haben nicht über Recht oder Unrecht im juristischen Sinne zu entscheiden. Seit Wochen versucht Fillon, seine Kampagne neu zu starten und endlich sein Programm zur Debatte zu stellen. Seine heutigen Ausführungen vor der Presse, in denen Fillon die Unabhängigkeit der Justiz in Frage stellt, werden das weiterhin verunmöglichen. Fillon setzt auf einen offen ausgetragenen Machtkampf zwischen der Justiz und der Politik. Das ist in der Geschichte der französischen Republik einmalig – wie so viel in diesem Präsidentschaftswahlkampf.

Fillon bleibt also Kandidat. Damit bleibt er sich treu. Seit Wochen sagt er, dass er und die Partei Les Républicains keinen Plan B bräuchten, weil er Kandidat bleibe, um jeden Preis. Politisch riskieren der Kandidat Fillon und seine Partei. einen hohen politischen Preis zu bezahlen. Fillon und seine Partei galten seit November als die wahrscheinlichen Sieger der Präsidentschaftswahlen. 53 Tage vor dem ersten Wahlgang stehen wir vor einer neuen Realität: Sollte Fillon gewinnen, dann wäre das eine grosse Überraschung.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Sollte nicht noch etwas Spektakuläre hervorkommen . Dan haben wir eine Stichwahl zwischen Macron und Le Pen. In der Macron als klarer Gewinner hervorgehen wird. Kommt le Pen über 305 wäre das schon ein Mega Spitzenresultat. Diese Künstlich gehaltene Spannung ob es le Pen schafft ist einfach nur ein Witz und nicht ernst zu nehmen. Den egal wer in die Stichwahl kommt weder die linken noch die Mitte und schon gar nicht die Konservativen werden Le Pen wählen, eher hacken Sie sich die Hände ab.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Le Pen (FN) profitiert davon, dass sie beim 1. Wahlgang keine echte ideologische Konkurrenz hat. Fillon,(LR) hat viel von seinem Image und vor allem Souveränität verloren. Macron ist nun Hoffnungsträger vieler moderater Franzosen und Kräfte, auch der Wirtschaft. Hamon (PS) ist zu weit links, als dass er Macron all zu viele Stimmen kosten wird. Le Pen wird den 1. Wahlgang gewinnen, gefolgt von Macron und ? und ?. Im 2. Wahlgang hat dann Macron als vernünftiger Kompromiss die klarsten Chancen.
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  • Kommentar von Ch. Helfenstein (Ch. Helfenstein)
    Ich befürchte, mit seinem Verhalten hilft er M. Le Pen. Fillon ist unglaubwürdig, die linken will F wohl nicht mehr. Le Pen hat sich für neue Wählerkreise interessant gemacht. Austritt aus der EUI, Frankreich zuerst, dürften neben den Fremdenfeindlichen, auch die EU Gegner und die Nationalisten ansprechen. Dieses mal könnte es Le Pen reichen.
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