Frankreich nimmt Abschied von getöteten Polizisten

Nach den Terroranschlägen von Paris nimmt Frankreich Abschied von den erschossenen Polizisten. Die Opfer werden posthum in die französische Ehrenlegion aufgenommen. In Israel kondolierte die französische Ministerin Ségolène Royal den jüdischen Opfern.

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Frankreich nimmt Abschied von getöteten Polizisten

1:40 min, aus Tagesschau vom 13.1.2015

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat bei einer Trauerfeier der drei bei den islamistischen Anschlägen getöteten Polizisten gedacht.

Bei der Trauerzeremonie im Innenhof der Polizeipräfektur in Paris nahm Hollande die zwei Männer und eine Frau posthum als Ritter in die französische Ehrenlegion auf. Die Orden befestigte er an den aufgebahrten Särgen der Polizisten.

Die Aufnahme als «Chevaliers de l’ordre national de la Légion d’honneur» und die Verleihung des Verdienstordens der Ehrenlegion ist die höchste Ehrenauszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat.

Der Orden wurde ursprünglich von Napoléon Bonaparte gestiftet, um militärische und zivile Verdienste, ausgezeichnete Talente und grosse Tugenden zu belohnen.

An der Zeremonie nahmen auch Premierminister Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve teil.

Beim Angriff auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» am Mittwoch hatten die zwei Attentäter zunächst einen zum Schutz des Karikaturisten «Charb» abgestellten Polizisten erschossen. Auf der Flucht töteten sie einen weiteren, zum Anschlagsort eilenden Polizeibeamten. Ein dritter Islamist erschoss am Donnerstag in Montrouge südlich von Paris eine unbewaffnete Polizistin.

Für die insgesamt 17 Opfer der Anschläge und Geiselnahmen ist in dieser Woche eine zentrale Trauerfeier im Invalidendom von Paris vorgesehen. Dafür ist noch kein Termin festgelegt.

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Trauerfeier in Israel

2:40 min, vom 13.1.2015

Trauerfeier in Israel

Auch in Jerusalem haben Tausende Menschen an einer emotionalen Trauerfeier für die vier jüdischen Opfer des Terrorangriffs in Paris teilgenommen. Auf einem Friedhof in Jerusalem wurden die Leichen aufgebahrt. Neben Staatspräsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie religiösen Repräsentanten nahm auch die französische Umweltministerin Ségolène Royal als offizielle Vertreterin Frankreichs an der Trauerfeier teil.

Israels Staatspräsident Rivlin sagte, Europa müsse härter im Kampf gegen Terror vorgehen, damit jüdische Bürger sich wieder sicher fühlen könnten. Der Terror könne zwar jeden treffen. «Aber er verfolgt vor allem das jüdische Volk», sagte Rivlin. «Es kann nicht sein, dass Juden im Jahre 2015 Angst haben, mit einer Kippa auf die Strasse zu gehen.»

Zukunft der jüdischen Gemeinde?

Die jüdischen Opfer des Anschlags in Frankreich waren keine israelischen Staatsbürger. Dass die Opfer in Israel und nicht in Frankreich beigesetzt werden, sei zum einen Ausdruck einer starken Verbundenheit zu Israel, sagte die Journalistin Gisela Dachs in Tel Aviv im «Rendez-vous».

«Aber es ist auch Ausdruck von Angst. Eines der Argumente ist, dass wenigstens die Gräber in Zukunft nicht geschändet werden können, wenn sich diese in Israel befinden. Damit verbunden ist auch die Frage nach der Zukunft der jüdischen Gemeinde in Frankreich. Dies ist mit einem grossen Fragezeichen verbunden.»

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor die französischen Juden zum Umzug nach Israel aufgefordert. Doch diese sagten, dass es auch eine starke Diaspora brauche, so Dachs. Zudem: Wenn man einwandere, solle man dies tun, weil man es gerne möchte und nicht weil man aus Frankreich flüchten müsse.

Zivilcourage bewiesen

Neben den bewegenden Trauerfeiern beschäftigt sich Frankreich in den letzten Tagen mit der heldenhaften Geschichte dreier Männer: Durch schnelles Handeln oder Zivilcourage wurden diese zu wertvollen Helfern der Polizei und Rettern von Geiseln. Zeitungen und soziale Medien feiern sie als «Helden von Paris».

Die «Helden von Paris»

Im Supermarkt Als der Geiselnehmer Amedy Coulibaly in den koscheren Supermarkt am Stadtrand von Paris eindringt, flüchten einige Kunden im hinteren Bereich des Geschäfts in den Keller. Dort treffen sie auf den jungen Angestellten Lassana Bathily, der als Flüchtling aus Mali nach Frankreich gekommen ist. Der praktizierende Muslim soll dort gerade gebetet haben. Als er Schüsse hört, versteckt Bathily die Gruppe im Kühlraum des Ladens und kümmert sich um sie. Die Idee, über einen Lastenaufzug zu fliehen, wird wegen der Geräusche und der Gefahr, entdeckt zu werden, verworfen. Bathily selbst entkommt über die Feuerleiter und soll der Polizei mit Planskizzen des Supermarktes geholfen haben.
In der DruckereiMichel Catalano, der Betreiber einer kleinen Druckerei in Dammartin-en-Goële, nordöstlich von Paris, hat nach eigenen Angaben die zwei auf das Gelände stürmenden Terroristen Chérif und Saïd Kouachi nicht erkannt. Aber er sieht, dass sie Waffen tragen. Seinen Angestellten Lilian Lepère fordert er auf, sich zu verstecken. Der junge Mann versteckt sich in der Kantine im zweiten Stock unter einer Spüle. Von dort soll er der Polizei wichtige Hinweise gegeben haben. Seinen Chef Michel Catalano nehmen die Islamisten als Geisel, den versteckten Angestellten finden sie nicht.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Trauerfeier in Paris

    Aus Tagesschau vom 13.1.2015

    Frankreich gedenkt der bei den Anschlägen getöteten Polizisten. Hunderte nehmen derzeit in Paris Abschied. Auch Präsident François Hollande ehrt die Verstorbenen. Einschätzungen von SRF-Sonderkorrespondentin Alexandra Gubser

  • Der israelische Premier Netanyahu beim Besuch des koscheren Supermarktes, in dem vier Personen jüdischen Glaubens ums Leben gekommen sind,

    Israel und die jüdischen Opfer von Paris

    Aus Rendez-vous vom 13.1.2015

    In einer Synagoge bei Tel Aviv wird zurzeit der jüdischen Opfer gedacht, die in einem koscheren Supermarkt in Paris ermordert wurden. Danach werden sie in Jerusalem beigesetzt. Die Attentate von Paris sorgen auch in Israel für politische Diskussionen.

    Gisela Dachs

  • Der französische Innenminister Cazeneuve begrüsst Polizeikräfte im jüdischen Quartier in Paris. Die massiven Sicherheitsvorkehrungen im Kampf gegen den Terror lassen auch Prominente um die Freiheit fürchten, die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger.

    Debatten um «Patriot Act» für Frankreich

    Aus Rendez-vous vom 13.1.2015

    Präsident François Hollande ehrt in einer Zeremonie die bei den Anschlägen ermordeten Polizisten. Derweil debattiert ganz Frankreich über die sicherheitspolitischen Konsequenzen nach den Attentaten. Prominente Stimmen warnen vor Überreaktionen.

    Ruedi Mäder