Frankreich schafft Platz für Flüchtlinge

Wilde Flüchtlings-Camps in Calais oder an der ligurischen Küste im Grenzort Ventimiglia stören nicht nur Anwohner oder die Touristen, auch Frankreichs Regierung sind diese illegalen Siedlungen ein Dorn im Auge. Nun reagiert Paris.

Flüchtlinge campieren am Strand von Ventimiglia.

Bildlegende: Ungebetene Badegäste an den Stränden der ligurischen Küste. Keystone

Zur Vermeidung wilder Lager will Frankreich zusätzliche Plätze für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern schaffen. Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte nach der Sitzung der Regierung zusätzlich insgesamt 10'500 Plätze an.

Davon sollen 4000 Plätze für Asylbewerber zur Verfügung stehen. Zudem sind 5000 Plätze für Flüchtlinge geplant. Mit 1500 Notunterkünften will die Regierung auf immer wieder entstehende wilde Flüchtlingscamps reagieren.

Das Ausmass der Flüchtlingskrise erfordere schnelle Reaktionen, sagte Cazeneuve. Gleichzeitig kündigte er weiter konsequentes Vorgehen gegen illegale Einwanderung an.

Transit-Camp in Calais

Frankreich hatte in den vergangenen Tagen zahlreiche Flüchtlinge an der französisch-italienischen Grenze zurückgewiesen und die Einreise blockiert. In der Hafenstadt Calais kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen hunderten Flüchtlingen und der Polizei.

500 bis 600 Flüchtlinge hätten versucht, auf der Zufahrtsstrasse zum Hafen in Lastwagen auf dem Weg nach Grossbritannien zu klettern, sagte ein Vertreter einer Polizeigewerkschaft.

Einige Migranten hätten zunächst Säcke mit Steinen und andere Hindernisse auf die Strasse geworfen, um die Lastwagen zum Bremsen oder Anhalten zu zwingen. «Dann sind hunderte Flüchtlinge auf die Lastwagen zugestürmt.» Polizisten versuchten, die Migranten von den Lastwagen fernzuhalten oder sie aus den Anhängern zu ziehen.

Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wie Flüchtlinge in grossen Gruppen in Lkw-Anhänger stiegen und teilweise auf die Dächer der Fahrzeuge. «Das war apokalyptisch», sagte der Gewerkschaftsvertreter. Ein Polizist sprach von einer «Stadtguerilla».

In Calais befinden sich rund 3000 Flüchtlinge unter anderem aus Afrika und dem Bürgerkriegsland Syrien. Viele von ihnen leben in einem selbst errichten Lager nahe des Hafens. Ihr Ziel ist Grossbritannien, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

Die Flüchtlinge versuchen regelmässig, auf Lastwagen zu gelangen, die dann mit Fähren über den Ärmelkanal nach Grossbritannien gebracht werden. Mit der Polizei liefern sie sich ein wahres Katz-und-Maus-Spiel.

Zaun statt Kontingente

Gegen die illegale Einwanderung setzt Ungarn auf ein anderes Rezept. Mit einem vier Meter hohen Zaun an der Grenze zu Serbien will Budapest die illegale Einwanderung eindämmen. Den ungarischen Behörden zufolge sind in diesem Jahr etwa 57'000 Menschen illegal eingereist, eine deutliche Steigerung gegenüber 43'000 im Gesamtjahr 2014.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Zeltstadt am Hafen von Calais

    Aus Tagesschau vom 16.6.2015

    Während Brüssel über neue Verteilschlüssel debattiert, wird das Flüchtlingsproblem an den Grenzen immer akuter. Frankreich-Korrespondent Michael Gerber berichtet aus Calais, wo immer mehr Flüchtlinge auf die Überfahrt nach Grossbritannien warten.

  • Hunderte Flüchtlinge wollen nach Frankreich

    Aus Tagesschau vom 13.6.2015

    Zwischen Italien und Frankreich, in der Nähe der Stadt Ventimiglia, stecken seit drei Tagen rund 100 Flüchtlinge fest. Mit einem Streik machen sie Druck auf die Polizei. Mit Einschätzungen von Beat Schuler, Leiter der Rechtsabteilung des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.