Neuer Paukenschlag im Vatikan Franziskus greift durch – Hardliner Müller muss gehen

Nach der Beurlaubung des Finanzchefs verliert nun der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sein Amt.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Bildlegende: Überraschend trennt sich Papst Franziskus von Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Keystone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der ehemalige Vertraute von Papst Benedikt war als Chef der Glaubenskongregation so etwas wie der theologische Gralshüter katholischer Tradition.
  • Der 69-Jährige Deutsche verfolgte im Gegensatz zu Franziskus eine ausgesprochen konservative Linie und lehnte dessen Öffnung der Kirche weitgehend ab.
  • Die Ablösung des ehemaligen Regensburger Bischofs erfolgt ordentlich zum Ende seiner 5-jährigen Amtszeit, die Franziskus überraschend nicht verlängert.

Müller reagiert überrascht auf seine Ablösung: «Differenzen zwischen mir und Papst Franziskus gab es nicht», sagte Müller in der Mainzer «Allgemeinen Zeitung». Der Papst habe aber beschlossen, ab sofort nur noch Amtszeiten von fünf Jahren zuzulassen. Franziskus habe ihm die Entscheidung am Freitag persönlich mitgeteilt. Nachfolger wird der bisherige Sekretär der Kongregation, der spanische Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Er ist wie Papst Franziskus Jesuit.

Konservativer Hardliner und Papst-Kritiker

Freilich waren sich Franziskus und Müller, der 2012 von Papst Benedikt zum Leiter der Glaubenskongregation gemacht worden war, von Beginn an fremd. Als Gralshüter der katholischen Tradition stand Müller – wie Benedikt – für eine sehr konservative Linie. Die von Franziskus betriebene Öffnung der Kirche lehnte er weitgehend ab.

Der 69-Jährige gilt etwa als führender Kritiker des Schreibens über Familie und Liebe, «Amoris Laetitia», von Papst Franziskus. Darin hatte der Pontifex 2016 angeregt, dass es geschiedenen und wiederverheirateten Menschen unter gewissen Umständen erlaubt sein solle, an der Kommunion teilzunehmen.

Missbrauchsfälle waren für Müller Einzelfälle

Beim Thema sexueller Missbrauch durch Priester, für deren Aufklärung Müller zuständig war, sah der Deutsche die Verantwortung nicht bei der Kirche, sondern bei den Tätern und sprach von Einzelfällen. Seine Glaubenskongregation hatte im Februar den Vorwurf zurückgewiesen, systematischen Kindsmissbrauch in der katholischen Kirche zu vertuschen.

Erst am Donnerstag hatte der australische Kardinal Pell nach Missbrauchsvorwürfen sein Amt vorübergehend niedergelegt und sich beurlauben lassen.