Frauen im rechtsextremen Milieu auf dem Vormarsch

Frauen sind Anhängsel rechtsextremer Männer. Das dachten viele, bis klar wurde, dass Beate Zschäpe im NSU-Trio eine entscheidende Rolle gespielt hat. Sie ist nicht die einzige Frau, die im rechtsextremen Milieu viel Einfluss hat.

Demonstration Rechstradikaler mit eine Frau im Bild.

Bildlegende: Mitläuferin oder Überzeugte? Frauen sind auch in der rechten Szene aktiv. Keystone/Archiv

Bis anhin spielten Frauen bei rechtsextremer Gewalt in der öffentlichen Wahrnehmung immer eine Nebenrolle. «Das hat sich mit Beate Zschäpe geändert», sagt Soziologe Andreas Speit. Er ist Mitautor des Buchs «Europas radikale Rechte».  

«Am Anfang wollten die Medien nicht wahrhaben, dass Beate Zschäpe so sehr politisch überzeugt ist, dass sie bei Waffenübergaben, Geldbeschaffungsmassnahmen bis hin auch mit Tatwissen involviert ist.» Frauen werde oft unterstellt, nur Anhängsel rechtsextremer Männer zu sein. Man sei der Meinung, sie hätten sich unglücklich verliebt und seien hängen geblieben.

Die perfekte Deckung

Zschäpe hat diese Vorstellungen erschüttert: «Es wird immer deutlicher, dass Zschäpe eine ganz zentrale Rolle beim Untergrundleben dieser drei gehabt hat.» Sie war diejenige, die Kontakte mit den Nachbarn gepflegt hat. Sie hat sogar einen kleinen Freundeskreis aufgebaut. Damit war die Deckung perfekt. Niemand habe angenommen, dass diese drei ein Mord-Trio seien, sagt Speit.

Das Machtnetz der Marine Le Pen

Auch bei anderen rechtspopulistischen und rechtsextremen Organisationen sind Frauen daran, sich Einfluss zu erarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür sei der Front National in Frankreich.

«Marine Le Pen hat sich dort durchgesetzt», sagt Speit. Sie habe über Jahre hinweg in der Partei ein eigenes Machtnetz aufgebaut, um sich bei einer Kampfabstimmung politisch durchzusetzen.

Mit Marine Le Pen werde die Partei in Frankreich viel moderater, viel wohlwollender wahrgenommen, stellt Spiet fest: Man sieht das auch daran, dass sie sehr oft am Fernsehen präsent ist und geschickt, moderat ihre radikalen Thesen präsentiert.

Frauenfeindlich sind die anderen

Rechtsradikale oder Rechtspopulisten bieten Frauen einen doppelten Boden, sagt Speit. «Oft wird mit dem Gestus der Frauenfeindlichkeit des Islams geworben. Gleichzeitig wird das traditionalistische Frau- und Rollenverständnis, das die Gruppe selbst hat, nicht thematisiert.»

Nicht nur Männer, auch Frauen schliessen sich aus rechtsextremen, rassistischen Grundmotiven dieser Szene an. Manchmal können sie auch den Wahlkampf gestalten. Der Soziologe fasst zusammen: «Wenn Frauen für die rechtsextreme Szene auftreten, erreichen sie mehr gesellschaftlichen Zuspruch als Männer.»