Frauen in der Politik: Ban fordert eine 50:50-Quote

1995 erhob die UNO die Gleichstellung zur Priorität. Zwanzig Jahre danach sind die Frauen in der Politik zwar vorgerückt, aber noch längst nicht genug, wie UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon feststellt.

Die frühere US-Aussenministerin sitzt auf einem Podium neben dem UNO-Generalsekretär.

Bildlegende: Hillary Clinton und Ban Ki-Moon an der jährlichen Konferenz zur Stärkung der Rolle der Frau. Reuters

Angela Merkel, Hillary Clinton, Dilma Rousseff: Sie gehören unbestritten zur ersten Garde der Weltpolitik. 19 Frauen sind heute Staats- oder Regierungschefinnen und 715 bekleiden Ministerposten. Die Zahl der Frauen in den Parlamenten hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 11 auf 22 Prozent verdoppelt. Das zeigt eine Erhebung der UNO-Frauenorganisation und der Interparlamentarischen Union.

Frauenanteil wieder rückläufig

Mit dieser Quote ist UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon - zwanzig Jahre nachdem die Vereinten Nationen die Gleichstellung zur Priorität erklärt haben - nicht wirklich zufrieden. Die Fortschritte erfolgten zu langsam und sie seien ausserdem nicht unumkehrbar. Tatsächlich sank 2014 der Frauenanteil in der weltweiten Politik gar. In Ungarn etwa oder in Belgien gab es krasse Rückschritte. In Saudi-Arabien, Bosnien, Pakistan und weiteren Ländern sind die Regierungskabinette weiter reine Männerklubs.

Besser verläuft die Entwicklung in Lateinamerika und Afrika, während der Nahe Osten – mit Ausnahme Tunesiens und Algeriens – und viele Länder Süd- und Ostasiens hinterherhinken. Dafür glänzen bei Frauen in der Regierung Finnland, Schweden, die Kapverden oder Liechtenstein – bezüglich Frauen in Parlamenten sind es Bolivien oder Ruanda.

Hälfte der politischen Ämter für Frauen

Obschon in vielen Drittwelt- und Schwellenländern Frauen meist besser gebildet, qualifiziert und tüchtiger sind als Männer, teilen letztere die Macht unter sich auf. Und wenn Frauen in einer Regierung Einzug halten, dann oft in Ministerien für Soziales, Kultur oder Familien. Das sind nicht gerade die Bastionen der Macht.

UNO-Chef Ban fordert deshalb, dass bis zum Jahr 2030 Frauen weltweit fünfzig Prozent der Posten in den Legislativen und Exekutiven besetzen sollen. Es ist ein ehrgeiziges Ziel.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Deutschland führt Frauenquote ein

    Aus Tagesschau vom 6.3.2015

    Ab 2016 muss der Verwaltungsrat grosser Firmen in Deutschland einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen. Das entsprechende Gesetz hat der Bundestag heute beschlossen, mit grosser Mehrheit. Wie ist die Situation in der Schweiz?

  • Werden bald mehr Frauen die Stühle in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten besetzen?

    Bundesrat beschliesst Frauenquote von 30 Prozent

    Aus Echo der Zeit vom 28.11.2014

    In den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grossen Unternehmen sollen mindestens 30 Prozent Frauen sitzen. So will es der Bundesrat und zwar ab dem Jahr 2020. Nur: Wird die Quote nicht erreicht, passiert wenig.

    Philipp Burkhardt

  • Kaum Frauen in Chinas Politik

    Aus 10vor10 vom 13.3.2014

    China besitzt zwar mit rund 3000 Abgeordneten das grösste Parlament der Welt, aber viel zu sagen haben Chinas Parlamentarier nicht. Umso weniger, wenn sie weiblich sind. China-Korrespondent Pascal Nufer hat eine Frau begleitet, die es vom Fliessband einer Fabrik ins Zentrum der Macht geschafft hat.