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International Frieren auf New Yorks Strassen: Rekordzahl an Obdachlosen

In New York haben rund 50'000 Bewohner keinen festen Wohnsitz. So viele wie noch nie. Seit der Finanzkrise steigt die Zahl der Obdachlosen. Schuld trägt auch die Stadt New York, die armen Familien keine subventionierten Mietwohnungen mehr bietet.

Legende: Video Obdachlose in New York trotzen der Kälte abspielen. Laufzeit 05:15 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.03.2013.

Nur wenige Meter entfernt vom schillernden Times Square, dem Nabel des New Yorker Nachtlebens, steht ein Mann mit einem grossen Schild und bittet um Hilfe für Obdachlose. Menschenmassen ziehen am 42jährigen Marc Mitchell vorbei, in ihren Augen einer von unzähligen Bettlern in der Metropole. «Du wirst angesehen, als wärst du gar kein Mensch mehr», sagt der arbeitslose Kranführer im «10v10»-Interview. «Dabei kann jeder hier obdachlos werden».

Rund 20'000 Kinder in Notschlafstellen

Tatsächlich können Arbeitslose wie Mitchell angesichts der tiefen Sozialleistungen schnell durch die Maschen fallen. Nach anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit bekomme er noch 500 Dollar im Monat. Damit könne er sich keine Wohnung leisten, mit seiner Frau lebe er jetzt in einer Notschlafstelle.

Viele arme Familien mussten 2011 ihre staatlich vergünstigten Wohnungen ebenfalls mit dem Obdachlosenheim tauschen: Die Stadtbehörden haben ein Mietsubventionsprogramm gestoppt, nachdem der Staat New York den Löwenanteil des 140 Millionen Dollar Budgets gestrichen hat. Rund 20'000 Kinder seien darum obdachlos, kritisieren Nichtregierungsorganisationen den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg.

Bei Minustemperaturen «frei sein» auf der Strasse

Nirgendwo in den USA ist der Unterschied zwischen arm und reich grösser als in New York. Die Reichsten verdienen im Schnitt 200'000 Dollar jährlich. Gleichzeitig leben auf New Yorks Strassen 3000 Obdachlose. Allerdings scheint das in vielen Fällen selbst gewählt zu sein, denn die Stadt New York ist gesetzlich verpflichtet, allen Einwohnern ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Der arbeitslose Bauarbeiter Sammy Macmillan liegt bei minus 3 Grad unter einem Deckenberg vor einer Kirche. Er liebe seine Freiheit und wolle darum nicht in die Notschlafstelle, sagt er zu «10vor10». Der Mittfünfziger ist laut eigenen Angaben schizophren. Tatsächlich leidet rund jeder dritte Obdachlose, der auf der Strasse lebt unter psychischen Problemen. Und rund die Hälfte der New Yorker Obdachlosen ist schwarz. 

Durchschnittliche Wohnungsmiete: 3200 Dollar

Viele Obdachlose, die «10vor10» während einer Nacht in der Winterkälte und in Notschlafstellen trifft, erzählen, dass sie aus anderen Städten zugewandert seien auf der Suche nach Jobs und einem besseren Leben. Die seit drei Jahren konstant hohe Arbeitslosigkeit hat ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und so haust jeder 165. New Yorker in der Notschlafstelle statt in einer Wohnung, die in Manhattan im Schnitt 3200 Dollar kostet.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Der Kapitalismus schafft immer mehr Reichtum und Armut, bis nichts mehr geht bzw. bis ein nächster Krieg vom Zaun gerissen werden muss. In den USA sind 50 Mio Menschen von Lebensmittelmarken abhängig. Und es werden mehr sein bzw. Menschen werden verhungern, wenn der Staat hier die Sparschraube ansetzt. Was der Staat ausgeben muss fürs Überleben von Menschen und um die Wirtschaft vor dem Abtauchen zu bewahren, ist, was die Reichsten u. Unternehmen sparen ohne zu investieren.
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  • Kommentar von josef, Zürich
    bei und wird das auch bald der Fall sein, dank der Personenfreizügigkeit.
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    1. Antwort von S Kunz, Thurgau
      Das musst du mir jetzt doch ein wenig genauer erläutern wie das ablaufen soll... Ich befürworte die Personenfreizügigkeit auch nicht einfach ohne sie zu hinterfragen, aber mir schon doch, dass in NY die ungenügenden Sozialleistungen und ein recht grosser Unterschied zwischen Arm und Reich der Fall ist. Ok, wo du Recht hast: Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird bei einer Verstädterung automatisch zu/besser sichtbar da nur schon die Mietpreise höher sind. Deshalb bleibe ich auf dem La...
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    2. Antwort von Josef Term, Zürich
      ob Du in einem Loch wohnen musst, oder Du ziehst es vor auf der Strasse zu leben spielt keine Rolle. Diese Leute wurden auch entsorgt haben den Job verloren meistens Altersbedingt und wurden durch Jüngere ersetzt, das selbe passiert hier in der CH , nur werden hier diese Exarbeitnehmer durch Ausländer ersetzt . In den USA hat der Ami immer noch den Vorrang wenn es um einen Job geht.
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  • Kommentar von Rolf Becker, Uster
    Wieso geht ihr nach New York, wenn ihr zeigen wollt, wie arme Leute leben? Ihr dürft gerne bei mir in Uster filmen.
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