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International Frühling in der Ukraine: «Die Ruhe vor dem Sturm»

Die USA schicken Trainingseinheiten in den Westen des Landes, Russland rüstet Separatisten mit modernen Waffen aus und zieht seine Truppen an der Grenze zusammen. Der Winter ist in dieser Region vorbei – und bei besserem Wetter lässt sich besser Krieg führen, sagt Ukraine-Experte Moritz Gathmann.

Frau auf zerstörten Strasse
Legende: Brüchige Waffenruhe: Eine Frau auf einer zerstörten Strasse des Dorfes Oktjabrski in der Nähe des Flughafens Donezk. Keystone

In der Ostukraine besteht seit Mitte Februar das Minsker Abkommen. Es ist jedoch eine brüchige Waffenruhe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten Separatisten. Immer wieder finden vereinzelte Kämpfe statt.

Die USA entsenden 300 Fallschirm-Soldaten, um die ukrainische Armee auszubilden. Der russische Präsident Wladimir Putin kritisiert, dass dies die Region destabilisiere. Nein, sagt das US-Verteidigungsministerium: Die Trainings fänden im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze statt.
Die Amerikaner hingegen werfen Russland vor, Separatisten nebst Training mit modernen Waffensystemen auszurüsten – und zudem an der Grenze so viele Truppen zusammenzuziehen wie seit vergangenem Herbst nicht mehr.

Interview: «Brenzlige Lage trotz Ruhe»

Ist die vermeintliche Ruhe in der Ostukraine möglicherweise eine Ruhe vor dem Sturm? Moritz Gathmann glaubt dies. Er ist Journalist und Ukraine-Kenner und hat mit SRF News gesprochen.

SRF News: Moritz Gathmann, Sie sind überzeugt, dass Russland die pro-russischen Separatisten militärisch tatsächlich auf Vordermann bringt.

Moritz Gathmann: Offiziell gibt es laut Putin in der Ukraine keine russischen Soldaten. In der Wirklichkeit ist es so, dass unter russischer Führung die Separatisten zentralisiert und professionalisiert wurden. Ich erinnere mich noch genau an den letzten Sommer, es gab chaotisch zusammengewürfelte Bataillone, die keine richtigen Abzeichen trugen. Jetzt hingegen gibt es in weiten Teilen der Separatistengebiete eine veritable Armee.

Andererseits rüstet aber auch Kiew auf, die Ukrainer haben vor kurzem von den USA 230 Militärfahrzeuge des Typs Humvee bekommen. Wer die Ausstattung der Ukrainer kennt, weiss, dass 230 Humvees für sie schon ein bedeutender Fortschritt sind.

Beide Seiten rüsten also punkto Material und Ausbildung mit ausländischer Hilfe auf. Heisst das, man rechnet mit einer neuen militärischen Konfrontation? Ist das Vertrauen in das Minsker Abkommen gering?

Soldaten stehen
Legende: US-amerikanische und ukrainische Soldaten bei der Trainingszusammenarbeit im Westen der Ukraine. Keystone

Das grosse Problem des Minsker Abkommens ist, dass es viele Punkte enthält, die wirklich schwer umzusetzen sind. Was wir über die letzten Wochen beobachten: Die Waffenruhe wird weitgehend eingehalten, es werden auch weitgehend die schweren Waffen aus dieser Zone abgezogen.

Aber zu den schwer umzusetzenden Punkten gehört unter anderem, dass die Ukrainer die Kontrolle über die Grenzen zurückerhalten und dass in den Separatistengebieten Wahlen nach ukrainischem Recht stattfinden sollen. Das sind Punkte, die dort reingeschrieben wurden, um eine der beiden Seiten zufriedenzustellen, die so aber nicht umzusetzen sind.

Was die Lage so bedrohlich macht, sind meiner Meinung nach zwei Dinge: Der Status Quo ist für die Separatisten momentan eigentlich nicht akzeptabel, weil sie wegen der ukrainischen Wirtschaftsblockade nicht überlebensfähig sind. Deswegen besteht die Gefahr, dass diese versuchen, ihre Lage auf militärischem Wege wieder zu verbessern. Andererseits glauben aber auch die Ukrainer, dass sie diesen Konflikt militärisch lösen können.

Kiew und die Separatisten erachten das Minsker Abkommen nur als Verschnaufpause, um die eigenen Streitkräfte wieder auf Vordermann zu bringen?

So ist es in der Tat. Nach den schweren Kämpfen in Debalzewe und Donezk bis zum Februar hatten beide Seiten eine Kampfpause dringend nötig. Meine Meinung ist, dass es nur deshalb überhaupt zu Minsk II gekommen ist.

Was muss denn passieren, damit das Minsker Abkommen in einen permanenten Frieden, eine Lösung übergehen könnte?

Ich denke, dass es ein neues Abkommen geben muss, das realistischere Punkte enthält. Das wird für die Ukraine natürlich sehr schwer zu schlucken sein, aber es müsste enthalten, dass sie nicht die Kontrolle über diese Gebiete zurückerlangt – weil diese Forderung einfach unrealistisch ist. Wann es allerdings zu diesem Abkommen kommt, ist sehr fraglich. Denn innenpolitisch ist es für Kiew momentan überhaupt nicht tragbar, dass sie diese Gebiete aufgeben könnten.

Bewaffneter Separatist geht durch Trümmer
Legende: Ein bewaffneter, pro-russischer Separatist geht durch die Trümmer des Flughafens Donezk, Anfang April. Keystone

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, man habe Truppen im Konfliktgebiet und destabilisiere so die Lage: Würden Sie denn sagen, die Lage ist tatsächlich brenzliger geworden in den letzten Tagen?

Wer die OSZE-Berichte liest, der kann sehen, dass es eigentlich keine massive Verstärkung der militärischen Aktivitäten gibt. Es gibt mal mehr, mal weniger Kämpfe an einzelnen Punkten, aber eine Verschärfung ist nicht zu erkennen.

Was die Lage jedoch gleichzeitig brenzlig macht, ist ein ganz einfacher Grund: Der Winter ist in dieser Region vorbei – und bei besserem Wetter lässt sich besser Krieg führen. Und beide Seiten haben auch immer wieder signalisiert, dass es eventuell im Frühling zu neuen militärischen Aktivitäten dort kommen könnte.

Seit dem Ausbruch des bewaffneten Konfliktes in der Ostukraine vor mehr als einem Jahr sind mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen.

68 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Schon irgendwie merkwürdig: Da gibt es den erfahrenen Experten Moritz Gathmann der hier aus dem Krisengebiet berichtet. Und 1000 andere Journalisten schreiben genauso. Und dann gibt es auf der anderen Seite noch die Sesselfurzer, die noch nicht mal Ukraine gerochen haben und das schiere Gegenteil von dem behaupten und alles besser wissen. Wer da den Sesselfurzern, KGB-Zersetzern und Putinocchio glaubt, ist selber schuld. Ich gehöre zu den 80 % der Deutschen, die Putin nicht mehr vertrauen.
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    1. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Herr Chauvet, das ist Ihre Meinung und Ihre Einstellung. Sie haben aber nicht das Recht andere Meinungen mit solchen Worten anzugreifen. Versuchen Sie es doch mal in der FAZ oder SZ. Ich glaube auch nicht, dass Ihre Wortwahl dort gut ankommt.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Haben Sie persönlich denn eine Umfrage in ganz Deutschland gemacht, weil Sie ja zu wissen glauben, dass 80% der Deutschen so denken wie Sie? Und haben Sie persönlich schon mal Ukraine gerochen? Aber auch Journalisten sind nur Menschen & lassen sich oft von ihren persönlichen Eindrücken leiten. Und durch das Beifügen oder Weglassen einzelner Wörter, können eben ganz unterschiedliche Wahrnehmungen erschaffen werden. "Er hat gepupst", oder: vermutlich hat er gepupst" tönt es schon unterschiedlich.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Wüstner: Sie haben eine merkwürdige Auffassung von Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit kann sich jedes Recht rausnehmen, natürlich nicht in Putins Reich, da riskiert man die Einweisung in ein sibirisches Arbeitslager. Im übrigen können Sie es sich ruhig abgewöhnen, sich für meine Person fremdzuschämen.
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    4. Antwort von Christa Wüstnet, Reinach
      Herr Chauvet, ich habe auch nicht Ihre Meonungsfreiheit kritisiert, sondern Ihre schon manchmal sehr ausfälligen Worte. Und versuchen Sie nicht, es in "Putins Reich" zu drängen. Dem gehöre ich nicht an. Auch gegen die anderen Meinungen, hat die Meinungsfreiheit nicht jedes Recht, wenn es in Beleidigungen ausartet.
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    5. Antwort von David Neuhaus, Winterthur
      Ich vermute bei @ Wüstner kommt weniger fremdschämen, wie sie es interpretieren, auf sondern eher Mitleid. Geht mir auch so Herr Chauvet.
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  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Klar, dass seit Verwandte vom US Vizepräsidenten die Ukrainische Gasgesellschaft übernommen haben, und Ruhrkohle die Kohlebergwerke will, auch der neue Besitz der USA mit Waffen verteidigt werden wird. Gut sind die Ukrainer keine Indianer und Kiew war in der Geschichte die Hauptstadt Russlands. Somit wird die US-Rechnung wird nicht aufgehen, Europa wird aber die Zeche zahlen müssen. Die gegenwärtige Destabilisier-ung Europas mit anderen Faktoren (Flüchtlingen, IS, Griechenland) scheint geplant.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Am schlimmsten für die Betroffenen ist die Zeit nach der US-Beglückung, genannt Freiheit und Demokratie. Ressourcen/Werte kontrollieren die "Guten", den Rest kann die "befreite" Volk geniessen. Sich bei all den "befreiten" Menschen erkundigen.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Sagen Sie das doch mal den "Beglückten" in Osteuropa, die 50 Jahre sowjetrussische Knute und Diktatur zu spüren bekamen. Durch die aggressiven Umgangsformen Putins werden sich die osteuropäischen Staaten, einschließlich der Ukraine so schnell nicht mehr mit dem Russen anfreunden können. Mit Putin hat der Russe wieder mal eine sehr nachhaltige historische Zäsur vollzogen.. So entzweit man Völker anstatt sie zu versöhnen. Er erreicht damit das Gegenteil, der Westen rückt immer näher zusammen.
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    2. Antwort von C. Szabo, Thal
      @M. Chauvet: UdSSR hat vieles falsch gemacht, menschlichen Freiheitswillen unterschätzt, soziales Leid angerichtet. Reagan, die 2 Bushs haben Millionen zu Opfern gemacht. RU etwas weniger. Die Liste ist sehr lang. RU knickte unter Gorbatschow wirtschaftlich ein, unter Jelzin (Alkoholiker) begann der Ausverkauf. Putin ist ein knallharter Stratege wie seine Gegenspieler im Westen/NATO. Es geht nicht um Menschen, sondern Ressourcen. Scheinheiligkeit USA 1 : RU 0. Ziemlich eindeutig.
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