Führung des Iran will Vereinbarungen einhalten

Im Streit um die Atomanreicherung hat sich der Iran vorübergehend mit den westlichen Mächten arrangiert. Wie kommt das im Iran an? Reinhard Baumgarten ist Journalist und lebt derzeit im Iran. Er hat auch die Menschen auf der Strasse nach ihrer Meinung zu dem erreichten Kompromiss befragt.

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Einschätzungen von Ulrich Tilgner und Arthur Honegger

2:48 min, aus Tagesschau vom 25.11.2013

Eine Menschenmenge vor einem Plakat von Religionsführer Chameney.

Bildlegende: Irans Bevölkerung atmet auf: Die Kriegsgefahr ist vorerst gebannt. Keystone

Die Führung des Iran ist offenbar an einer Deeskalation interessiert: «Der oberste Chef des Landes, Ajatollah Ali Chameney, hat bereits am Samstag im Fernsehen einen Dankesbrief an Präsident Rohani verlesen lassen», sagt Reinhard Baumgarten, Journalist in Teheran. Chameney habe Rohani zur Vereinbarung von Genf gratuliert.

Bittere Sanktionen im Alltag spürbar

Die Zugeständnisse seien gar nicht so wichtig für die Bevölkerung, sagt Baumgarten. Er hat sich umgehört: «Die meisten der Befragten haben gesagt: Gut, wenn sie was erreicht haben, dann warten wir hier einfach, dass es hier auch besser wird. Dass die Preise nicht mehr so steigen. Dass unser Leben einfacher wird.»

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Israel verunsichert – Iran jubelt

2:04 min, aus Tagesschau vom 25.11.2013

Die Sanktionen der westlichen Welt würden wie ein ganz schwerer Bleimantel auf diesem Land lasten, sagt Baumgarten. «Jeder spürt die Sanktionen, die Preise sind extrem gestiegen und die Arbeitslosigkeit hat zugenommen.» Darüber hinaus schwächle die Wirtschaft. Die Menschen seien vor allem erleichtert, wenn durch diese sechsmonatige Atempause keine neuen Sanktionen kommen. «Und das Wichtigste: Dass die Kriegsgefahr, die doch sehr eminent war, nicht mehr besteht.»

«Es wird Torpedierungsversuche geben»

Rainer Baumgarten hält es für denkbar, dass die beteiligten Parteien die Vereinbarung nun auch einhalten. Aussenminister Scharif, Präsident Rohani und die Genfer Delegation hätten ihre Zusage ernst gemeint.

Andererseits müsse man berücksichtigen, dass im Iran unter der Ladentheke ein Computerspiel mit dem Namen «Anschlag auf Rohani» verkauft wird. Daran sei erkennbar, dass nicht alle gleicher Meinung sind, sagt Baumgarten. «Es wird natürlich Versuche geben, das Ganze zu torpedieren. Es gab ja schon einmal ein Abkommen.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Das Kernkraftwerk Bushehr, ausserhalb der südlichen Stadt Bushehr, Iran.

    «Rohani hat auf den ersten Blick das Versprechen eingelöst»

    Aus Echo der Zeit vom 25.11.2013

    Die Einigung zwischen Iran und den Uno-Vetomächten sowie Deutschland im Atomstreit wird von vielen als historischer Durchbruch interpretiert.

    Wie wird das Abkommen in Iran aufgenommen? Was hat Teheran zu einem Strategiewechsel bewogen? Einschätzungen von Ulrich Ladurner, Journalist und Auslandredaktor von der «Zeit».

    Peter Voegeli

  • Iran und sechs Weltmächte vereinbarten, dass Iran sein Atomprogramm begrenzt. Der iranische Hassan Rowhani während eines Mediengespräch in Teheran am 24. November 2013.

    «Die meisten Iraner hoffen nun auf Besserung der Lebensumstände»

    Aus Rendez-vous vom 25.11.2013

    Iran wird vorläufig am Bau einer Atombombe gehindert. Im Gegenzug werden die Sanktionen gegen das Land gelockert. Israel allerdings kritisiert diese Einigung als «historischen Fehler». US-Präsident Obama hat der israelischen Regierung umgehend Gespräche angeboten. Wie reagiert man im Iran?

    Gespräch mit ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten in Teheran.

    Ivana Pribakovic