Fünf Tote: Gewalt zwischen Juden und Arabern verschärft sich

Nach blutigen Scharmützeln zwischen Israelis und Palästinensern in Jerusalem zeigen sich auf beiden Seiten immer mehr Menschen zur Gewalt bereit. Auch der Radius des Konflikts weitet sich aus: Nahe der Stadt Gaza haben israelische Truppen fünf Palästinenser getötet.

Männer tragen Verletzten weg.

Bildlegende: Die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern hat mehrere Opfer gefordert. Reuters

Israelische Streitkräfte haben nach Krankenhausangaben fünf Palästinenser erschossen. 35 weitere Palästinenser seien beim Zusammenstoss von Zivilisten und Sicherheitskräften verletzt worden. Zum Zwischenfall kam es am Freitag an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel.

Gemäss Augenzeugen haben Dutzende junge Männer am Grenzzaun im Osten der Stadt Gaza Steine auf israelische Grenzposten geworfen und brennende Pneus vor sich hergerollt. Die Israelis sollen mit Tränengas und scharfer Munition reagiert haben.

Kurz zuvor hatte Hamas-Führer Ismail Hanija Öl ins Feuer gegossen und die neue Welle von Gewalt in Israel und den besetzten Gebieten als «Intifada» (Volksaufstand) bezeichnet. «Gaza steht voll und ganz hinter der Schlacht um Jerusalem (...) und hinter der gesegneten Intifada», erklärte Hanija während des Freitagsgebets in Gaza.

Tempelberg als Krisenherd

Der jüngste Zusammenstoss reiht sich ein in eine Folge von Zwischenfällen, die seit vergangener Woche vornehmlich Jerusalem – und nun offensichtlich auch das weitere Umland – in Atem halten. Um weiteren Attentaten vorzubeugen, hatten die israelischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen am Tempelberg verstärkt.

Bereits am Freitag Vormittag kam es dort zu verschiedenen Attentaten. So griff ein Israeli vier Menschen mit einem Messer an. Bei den Verletzten handelte es sich um vier Arbeiter arabischer Herkunft. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte diesen Vorfall «aufs Schärfste».

Messerattacken auf Polizisten

Weiterere Messerangriffe wurden im Verlauf des Tages gemeldet. In der Siedlung Kiriat Arba griff ein Palästinenser einen Polizisten an. Der Angreifer konnte festgenommen werden. In Afula versuchte eine Frau einen Polizisten niederzustechen. Dieser feuerte Schüsse auf die Angreiferin ab und verletzte sie dabei.

Ein dritter Zwischenfall ereignete sich im Zentrum von Jerusalem. Hier verletzte ein Palästinenser einen jüdisch-orthodoxen Jugendlichen mit Messerstichen leicht. Die Polizei nahm den Attentäter fest.

Nur Männer ab 45 Jahren dürfen Moschee betreten

Die israelische Polizei versuchte zunächst im Brennpunkt Jerusalem die Gewalt einzudämmen. Sie erliess Zugangsbeschränkungen für das Freitagsgebet der Muslime auf dem Plateau der heiligen Stätte.

Nur Männer im Alter von über 45 Jahren sowie Frauen jeden Alters dürfen den Bereich um die Al-Aksa-Moschee und den Felsendom betreten. Auch die Polizeipräsenz in der Altstadt von Jerusalem wurde verstärkt.

Beide Seiten beklagen Tote

Streitigkeiten um den Zugang zum Plateau des Tempelbergs, einer Juden wie Muslimen gleichermassen heiligen Stätte, hatten eine neue Welle palästinensischer Terrorattacken mit Schuss- und Stichwaffen ausgelöst.

Dabei wurden in den letzten anderthalb Wochen vier Israeli getötet und zahlreiche weitere verletzt. In der Nacht zum Freitag erschoss das Militär bei einer Durchsuchung in einem Flüchtlingslager bei Jerusalem einen jungen Palästinenser.