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International Für die Menschlichkeit: Türkei will Syrern weiter Obdach bieten

Über 40 Prozent der Syrer sind auf der Flucht, rund 2,5 Millionen von ihnen suchen bislang Schutz in den Nachbarländern. Eines davon ist die Türkei – hier nähert sich die Zahl der Millionenmarke an. Und trotzdem: Die Grenzen werden offen bleiben.

Das Flüchtlingselend in Syrien ist riesig: Insgesamt ist die Hälfte der syrischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. 6,5 Millionen Syrer sind Vertriebene im Innern des vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes. Hinzu kommen rund 2,5 Millionen Syrer, die in Nachbarstaaten flüchteten. Eines der Nachbarländer, in dem besonders viele Syrer Zuflucht suchen, ist die Türkei.

Sollen wir unseren Brüdern den Rücken zukehren?
Autor: Recep Tayyip ErdoganMinisterpräsident der Türkei

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge sei auf fast eine Million gestiegen, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Erdogan verteidigte gleichzeitig die Politik seiner Regierung, die Grenzen zum benachbarten Bürgerkriegsland offen zu halten. Dies verlange die Menschlichkeit. «Sollen wir unseren Brüdern den Rücken zukehren?», fragte er.

Mehrere hunderttausend Flüchtlinge aus Syrien sind in türkischen Auffanglagern entlang der 900 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Nachbarstaaten untergebracht. Viele Syrer leben zudem ausserhalb der Lager bei Verwandten oder schlagen sich in den grossen Städten wie Istanbul als Bettler durch.

Libanon: Jeder vierte Einwohner stammt aus Syrien

Die Türkei hat nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nach dem Libanon die meisten Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufgenommen. UNHCR geht von gut 715'000 syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen in der Türkei aus. Dabei handelt es sich aber nur um die von der UNO offiziell registrierten Flüchtlinge.

Für den Libanon gibt das Hilfswerk 1,02 Millionen Flüchtlinge an – das entspricht rund einem Viertel der Bevölkerung im Land. UNHCR hält fest: In den letzten Jahrzehnten gab es keine vergleichbare Konzentration von Flüchtlingen in einem einzigen Land. Für Jordanien weist das Flüchtlingshilfswerk 590'000 syrische Flüchtlinge aus.

Da die Chancen für eine politische Lösung des seit mehr als drei Jahren andauernden Konfliktes momentan schlecht stehen, ist nach Einschätzung von Beobachtern mittelfristig nicht mit einem Rückgang der Flüchtlingszahlen zu rechnen.

CH-Kontingent: 500 Flüchtlinge

Die Schweiz sieht vor, innert drei Jahren insgesamt rund 500 Personen aus Syrien aufzunehmen. Zu wenig, findet Caritas: Das Hilfswerk fordert, das Kontingent bis 2016 auf 5000 Personen zu erhöhen.

Der Bund will zudem 30 Mio. Fr. für humanitäre Hilfe zur Verfügung stellen. Seit Ausbruch der Syrien-Krise 2011 wurden bereits 55 Mio. Fr. aufgewendet.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Es ist richtig, dass die Flüchtlinge in den Ländern aufgenommen werden, wo ihre Kultur ebenfalls zu Hause ist. Wir, die Schweiz, müssen ihnen aber kräftig unter die Arme greifen mit Hilfsgütern + hier vor allem Geld. Die Leistungen können diese Länder selber erbringen.Egal wofür den Flüchtlingen geholfen wird, Wohnen, Ausbildung, Schulen, usw. das darf uns nicht kümmern. Wir haben sehr viel Geld und das darf dafür ausgegeben werden. Besser als unser Land so anzufüllen, dass Unfriede entsteht.
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