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International «Für Rechtsextreme ist das wie Weihnachten»

Der Aufmarsch von Tausenden Hooligans und Rechtsextremen in Köln schockiert. Der Protest gegen Salafismus sei aber nur ein Deckmantel für gewöhnlichen Rassismus, sagt Szene-Kenner und Autor Johannes Radke. Mit radikalen Islamisten als Feindbild werde die Fremdenfeindlichkeit salonfähig.

Vermummte Demonstranten gestikulieren in Richtung des Fotografen.
Legende: Die rechtsextreme Gruppierung «pro NRW» mobilisierte bundesweit Hooligans und Rechtsextreme für den Protest in Köln. Reuters

SRF: Wieso war die Polizei überfordert? Der Aufmarsch war ja angekündigt?

Johannes Radke: Die Sicherheitsbehörden haben das Mobilisierungspotenzial unterschätzt. Experten haben vor einem Aufmarsch gewarnt. Die Polizei hat aber nicht geglaubt, dass tatsächlich 4000 Neonazis und Hooligans auftauchen.

So viele Rechtsextreme wie bei diesen Krawallen – das ist eine neue Dimension. Wie kam diese bundesweite Mobilisierung zustande?

Der Zusammenschluss der Hooligans läuft seit Anfang Jahr. Dieser Aufmarsch ist der vorläufige Höhepunkt dieses Aufmarsches gegen Salafismus. Die rechtsextreme Szene hofft jetzt auf Zulauf von bislang unpolitischen Hooligans. Das ist für die wie Weihnachten.

Sind da auch alte Neonazis aus Ostdeutschland dabei?

Ja, etwa Kategorie C. Der Sänger der Rechtsrock-Band, Hannes Ostendorf, wurde verurteilt, weil er 1991 auf einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt war. Aus Dortmund war Siegfried «SS Sigi» Borchardt anwesend, ein Urgestein der rechtsextremen Hooliganszene. Eine solche Machtdemonstration gibt der Szene Aufwind.

Es war eine Manifestation gegen Salafisten. Sind diese Randalierer nicht eher an der Gewalt interessiert, als an Politik?

Wenn man genau hinschaut, war es keine Manifestation gegen Salafisten, sondern eine ganz grundsätzlich rassistische Demonstration. Der Protest gegen Salafismus ist ein Deckmantel, mit dem man versucht, die gesellschaftliche Ächtung von Rassismus zu umgehen. Hätten sie sich unter dem Motto «Deutschland den Deutschen – Ausländer raus» getroffen, hätten alle gesagt: Das geht gar nicht. Aber gegen die bösen Salafisten zu sein, ist zu einem bestimmten Grad salonfähig. Mit dieser Strategie machen sie es der Zivilgesellschaft und der Politik schwerer, dagegen vorzugehen, denn niemand stellt sich schützend vor Salafisten.

Wird diese Strategie aufgehen?

Die nächste Demonstration ist für Mitte November in Hamburg angekündigt. Auf der Facebook-Seite gab es innerhalb von zehn Stunden rund 5000 Zusagen. Das ist ein massiver Schub, den die Szene momentan erlebt. Man freut sich auch über die Aufmerksamkeit der Medien. Auch über dieses Interview.

Wie weit reicht das allgemeine Unbehagen über islamistische Extremisten in die politische Mitte?

Es ist eine Entwicklung der letzten Jahre, dass rassistische Ressentiments in der Mitte der Gesellschaft wieder mehr akzeptiert werden. Dazu hat auch das Buch von Sarrazin beigetragen. Den rechtsextremen Hooligans wird gerade auch im Netz eine Anerkennung zu Teil, die sie befeuert.

Diese neue Szene der Nazi-Hooligans, kann sich die längerfristig etablieren?

Ich glaube nicht, dass das eine langfristige Sache ist. Hooligans haben Spass an Alkohol, Gewalt und Fussball. Aber an echter politischer Arbeit sind die nicht interessiert. Die rechtsextreme Szene könnte es vielleicht schaffen, einige aus der Hooligan-Szene zu politisieren, aber das wird nicht für das gesamte Hooligan-Spektrum funktionieren. Wenn genügend Widerstand aus der Gesellschaft, Politik und von der Polizei kommt, könnte es sein, dass das ziemlich schnell wieder vorbei ist.

Was konkret können Zivilgesellschaft und Politik denn tun?

Man muss sich jetzt ganz klar positionieren. Man muss diesen Salafisten-Trick enttarnen und klar benennen, dass dahinter gewöhnlicher Rassismus steckt. Wenn jetzt in Hamburg auch 3000 Hooligans aufmarschieren und sich ihnen aber 20‘000 normale Bürger entgegenstellen, dann ist das ein klares Signal.

Das Gespräch führte Simone Fatzer.

Zur Person

Johannes Radke ist freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus und Jugendkultur. Er betreut seit 2009 den Anti-Nazi-Blog Störungsmelder. Radke ist Co-Gründer des Portals «Netz gegen Nazis» und Autor des Buchs «Neue Nazis».

20 Kommentare

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  • Kommentar von Ronald Denger, USA
    Auch das hat Europa den Muslimen zu verdanken. Die Hooligans und/oder rechte Szene, und deren starkes Auftreten, gibt es erst, seit der Staat nichts gegen die fundamentalen Muslime unternimmt, die in Deutschland anscheinend alles tun können was sie wollen.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    >>klar benennen, dass dahinter gewöhnlicher Rassismus steckt. Wenn jetzt in Hamburg auch 3000 Hooligans aufmarschieren und sich ihnen aber 20‘000 normale Bürger entgegenstellen, dann ist das ein klares Signal.<< Na, da möchte ich mal zusehen. Zudem, gemäss Statistik waren 40 Prozent der Deutschen vor 70 Jahren in der NS-Partei. Wenn's daher wirklich drauf ankommen würde, ich bin nicht gaz sicher, ob es dann Sieben zu Eins für die NORMALEN wäre, wie er sich ausdrückte... Warten wir einfach...
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  • Kommentar von Gerhard Schweizer, Bern
    Wie immer wartet man vergeblich auf eine deutliche Distanzierung vom Rechtsradikalismus durch unsere rechten Hofkommentatoren. Verharmlosung und sogar Verständnis zeigen sich da, oder ein plumper Themenwechsel auf den Linksradikalismus. Immer wieder entlarvend, immer wieder erschreckend. Frau Zelger heisst sogar den Rechtsradikalismus gut, wenn er gegen den IS helfen würde. Was soll man da noch sagen?
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    1. Antwort von B. Bedi, Alpnach
      @Gerhard Schweizer: Sie schlucken auch Alles, was Ihnen vorgesetzt wird! Googeln Sie mal nach "Tatjana Festerling journalistenwatch". Sie war Teilnehmerin. Machen Sie sich doch den Gefallen. Neutrale Information ist immer gut.
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    2. Antwort von M. Tisserand, Indonesien
      @Schweizer: Ui, jetzt haben Sie es uns aber gesagt! Wie lautet denn Ihre Lösung? Nur nach rechts Schimpfen löst ja keine Problem, gell!
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    3. Antwort von Peter Haus, Niedersachsen
      Herr Schweizer hat recht und seit wann soll journalistenwatch neutral sein? Außerdem tendieren ja einige Mitglieder der AfD seit längerem bedenklich gegen rechts! Es kann nicht sein, dass das Rechtsextremismus plötzlich ein legitimes Mittel zur Bekämpfung einer anderen extremistischen Gesinnung angesehen wird! Leider bestätigen viele Kommentare in diesem Forum, dass Rechtsextreme mit der Besetzung bestimmter Themen (Islamismus oder Pädofilie) sehr erfolgreich Sympathien gewinnen können!
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