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International Funktioniert #einearmlaenge auch mit kurzen Armen?

Nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln verärgerte Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit unbedarften Verhaltenstipps nicht nur die Twittergemeinde. Unter dem Hashtag #einearmlaenge ergoss sich Wut, Häme und Spott über die Stadtchefin – aber auch ein wenig Verständnis.

Merkel breitet Arme aus und fragt: Wie viel ist eine Armlänge?
Legende: Wie viel ist #einearmlänge? Twitter

Es geschah an der Pressekonferenz zu den gewalttätigen Vorfällen in der Silvesternacht: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde von einer Journalistin auf die angekündigten Präventionsmassnahmen auch im Hinblick auf den bald anstehenden Karneval angesprochen: «Wie kann man sich besser schützen als Frau, was sind die Tipps, die der Stadt vorschweben?»
Etwas unbeholfen sagte Reker: «Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten – die weiter als eine Armlänge beträgt.» Man solle in der Gruppe bleiben, nicht mit Fremden mitgehen.
Doch was auf Twitter Wut hervorgerufen hat, ist die Tatsache, dass vor allem Frauen mit Verhaltenstipps bedacht wurden – und nicht die Männer.

Es ist ein Phänomen, das immer wieder sichtbar wird, besonders im Bereich der sexuellen Übergriffe: Dass Frauen und Mädchen auf die eine oder andere Weise selbst schuld daran sein sollten – durch zu wenig Nähe oder zu aufreizende Kleidung. Der Begriff dafür ist #victimblaming, also die Opfer zu Tätern zu machen.

Unter #rapeculture versteht man eine Gesellschaft, in der solche Taten verharmlost, die Opfer (mit-)beschuldigt und auch die Betroffenen sexualisiert werden.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas meldete sich ebenfalls mit einem klaren Statement zu Wort:

Auf der Website der Stadt Köln steht nun auch: «Wir werden außerdem zur Prävention (...) deutlich klarstellen, wo auch im Karneval die Grenzen im zwischenmenschlichen Umgang sind. Das richtet sich in erster Linie an Männer jedweder Herkunft.»
Manche auf #twitter versuchten, Henriette Reker daraufhin ein wenig in Schutz zu nehmen – oder zumindest den Diskurs zu differenzieren.

Andere reagierten mit sarkastischem Witz auf die ursprüngliche Aussage:

Und wiederum andere #einearmlaenge-Tweets brachten ihre Haltung auf den Punkt:

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Jeder, der die Medien etwas verfolgt hat über die Jahre, weiss natürlich, wer hinter den Taten steckt. Wären die Täter Russen, Briten oder Japaner gewesen, hätte man das schon in der Headline am 1. Januar zu lesen bekommen. Es handelt sich allerdings, laut Auskunft des Polizisten der dem Express ein Interview gab, um das liebste Kind, muslimische Refugees. Da macht man dann halt schon mal einen auf die drei bekannten Affen.
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  • Kommentar von Peter Zurbuchen (drpesche)
    "It is NEVER the victims fault!" Tönt gut, gilt aber ja auch für Einbrüche. Trotzdem regt sich keiner darüber auf, dass die Polizei empfiehlt die Häuser besser zu sichern. Schon vor Jahren gab es den Spruch "Gelegenheit macht Diebe". Wo war da die Empörung über das #victimblaming? In vielen Bereichen fehlt uns heute einfach das Mass, nicht zuletzt bei der vergötterten Sexualität! Und wehe, die SUVA wirbt noch einmal mit "Kluge Köpfe schützen sich" fürs Tragen von Velohelmen!
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
      Wenn eine Frau nackt mit einem 100 Fr Schein auf der Stirn und dabei "Tritt im Morgenrot daher" singt, auf der Bahnhofstrasse läuft, hat niemand das recht Sie anzufassen zu belästigen gar zu vergewaltigen egal woher er kommt oder unter Alkohol/Drogen steht.
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    2. Antwort von Simon Suter (Simi)
      Wir haben aber eine Gesellschaft, die niemandem beibringt, dass Besitzer eines nicht abgeschlossenen Hauses eigentlich gerne Einbrüche haben. Aber schon den Knaben wird gesagt, dass Frauen, die kurze Röcke tragen, eigentlich eh nur Sex wollen, selbst wenn sie das Gegenteil sagen. Das sei dann nur, weil sie sich etwas zieren würden, um die Spannung zu erhöhen. Kurz: Rapeculture eben.
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    3. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Aber jeder hat das Recht eine nicht gesicherte Wohnung leer zu räumeln oder wie muss ich das verstehen, Herr Räumelt? Und einen Velofahrer, der keinen Helm trägt, darf man natürlich problemlos über den Haufen fahren, auch wenn er keine Hunderternote auf der Stirn hat? Man könnte sich durchaus auch fragen, ob die nackte Frau das Recht hat, die anderen Passanten durch das Singen einer merkwürdigen Variante des Schweizerpsalms zu belästigen. Nein, auch das berechtigt zu keiner Vergewaltigung!
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    4. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Doch Herr Räumelt, das wäre dann Erregung des öffentlichen Ärgernisses Und kann bestraft werden.......
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  • Kommentar von Wi fe (willigo)
    Auch habe ich im Netz gelesen, Polizistinnen einer Wache nahe dem Hauptbahnhof Köln, trauen sich nacht's nach Dienstschluss nicht mehr beim Bahnhof durchzulaufen, dies sei zu gefährlich. Dies sei bekannt. Trotzdem, diese Zustände, schon seit langem bekannt, ändert sich das nicht und wird geduldet in Köln! Wo sind wir? Rechtsfreie Räume mitten in der (Bananen) Republik? Deutschland, weit hast Du es gebracht, seit ich ausgewandert bin!
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