Furcht vor Ebola in Westafrika wächst

Die Epidemie breitet sich weiter in Westafrika aus. Liberia ergreift nun verschärfte Massnahmen, um die Krankheit einzudämmen. Auch Sierra Leone zieht mit.

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Quarantäne in Sierra Leone

1:39 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.7.2014

Im Kampf gegen die tödliche Viruskrankheit Ebola haben mehrere westafrikanische Staaten verschärfte Massnahmen beschlossen. Liberia schliesst alle Schulen des Landes. Die Regierung erwägt zudem, mehrere Ortschaften unter Quarantäne zu stellen.

Mehrere Massnahmen ergriffen

«Wir müssen handeln, um die Ausbreitung zu stoppen», sagte Gesundheitsminister Lewis Brown. Mit der Durchsetzung der Massnahmen wurden die Sicherheitskräfte beauftragt. Alle Behördenmitarbeiter, die nicht unbedingt nötig sind, werden einen Monat lang in den Zwangsurlaub geschickt.

Ferner erklärte die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf den Freitag zum arbeitsfreien Tag. Dann sollen alle öffentlichen Einrichtungen desinfiziert werden. Zuvor hatte Sirleaf bereits die Schliessung nahezu aller Grenzen zu den Nachbarstaaten angekündigt.

Ein Mann desinfiziert seine Hände.

Bildlegende: In Liberia versuchen sich die Menschen gegen die tödliche Krankheit zu wappnen. Keystone

Notstand in Sierra Leone

Auch Sierra Leone hat den Gesundheits-Notstand ausgerufen. Sicherheitskräfte seien angewiesen, die besonders betroffenen Regionen unter Quarantäne zu stellen, ordnete Präsident Ernest Bai Koroma am Mittwochabend an. Alle Massnahmen sollten zunächst für 60 bis 90 Tage gelten. Koroma sagte zugleich seine Teilnahme an einem USA-Afrika-Gipfel in der kommenden Woche ab.

Polizei und Militär würden die Ein- und Ausreise in die stark betroffenen Regionen beschränken, die als Ausgangspunkt der Seuche vermutet werden, sagte Koroma in einer Rede. In den Gebieten würden die Häuser durchsucht, um Ebola-Infizierte zu finden und zu isolieren. Zugleich sollten sie dafür sorgen, dass Gesundheitsbeamte und Hilfsorganisationen ungehindert ihrer Arbeit nachgehen könnten.

USA zieht Helfer ab

Das US-Friedenscorps zieht wegen der Ebola-Epidemie Hunderte Helfer aus Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Man wolle die Lage gemeinsam mit Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC sowie des Aussenministeriums in Washington beobachten, teilte das Peace Corps auf seiner Webseite mit.

Die französische Regierung rief zu erhöhter Wachsamkeit auch in Frankreich auf. Derzeit sei zwar «das Risiko einer Einschleppung des Virus nach Europa und Frankreich gering», sagte die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine der Zeitung «Le Parisien». Dennoch sei äusserste Wachsamkeit geboten.

Das medizinische Personal sei alarmiert worden, um im Falle von Ebola-Symptomen bei Rückkehrern sofort reagieren zu können. Die Ministerin versicherte, dass in Frankreich alle medizinischen Möglichkeiten zur Behandlung zur Verfügung stünden, falls ein Krankheitsfall auftreten sollte.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bei dem Ausbruch in Liberia, Guinea und Sierra Leone 672 Menschen ums Leben gekommen. Knapp ein Fünftel der Todesopfer sind in Liberia gezählt worden. Informationsminister Brown rief die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung auf. «Wir brauchen dringend jede Hilfe, die wir erhalten können.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Hygiene- und Putzequipen stoppen letztlich Ebola, nicht die Mediziner.

    Ebola - heldenhafte Hilfe vor Ort

    Aus Echo der Zeit vom 30.7.2014

    In den Behandlungszentren von Médecins sans Frontières müssen Ebola-PatientInnen isoliert auf den Tod warten, unter ihnen viele Kinder. Den schlimmsten Job haben die sogenannten «Hygieniker», die für die Reinigung und Desinfektion der Sterbenden und Toten sorgen.

    Reportage aus dem Nordosten von Sierra Leone.

    Monika Oettli

  • Junge Freiwillige aus der Region rund um Kailahun im Nordosten von Sierra Leone werden von einem Arzt von Medecins sans Frontières instruiert.

    Ebola in Sierra Leone - Kampf gegen alte Traditionen

    Aus Rendez-vous vom 28.7.2014

    Über 1000 Menschen in mindestens drei Ländern sind seit Ende März an der hochansteckenden Viruskrankheit Ebola erkrankt, gegen 700 sind gestorben.

    Mit ein Grund für die Ausbreitung der Seuche ist die Skepsis gegen neue Verhaltensregeln: Abstand halten, die Pflege der Kranken fremden Menschen überlassen. Das widerspricht fundamental den jahrhundertelang gepflegten Traditionen. Reportage und ein Gespräch aus Sierra Leone.

    Monika Oettli

  • Bergen einer Toten in Liberia

    Kranker Ebola-Arzt beunruhigt die Experten

    Aus Echo der Zeit vom 27.7.2014

    Ebola, die hochansteckende und meist tödliche Krankheit, breitet sich aus in Westafrika. Nach über 600 Toten in Guinea, Liberia und Sierra Leone hat das Virus am Freitag auch ein Opfer in Nigeria gefordert. In Sierra Leone ist ein bekannter Arzt erkrankt. Die Angst in der Region steigt.

    Monika Oettli

  • Medecins sans Frontières im Einsatz für Ebola-Kranke in Guinea.

    Ebola - die WHO schlägt Alarm

    Aus Echo der Zeit vom 2.7.2014

    Gegen 500 Menschen sind seit Anfang Jahr in Westafrika am Ebola-Virus gestorben, die Zahl der Toten steigt an. Betroffen sind Liberia, Sierra Leone und Guinea. In Ghana findet derzeit eine Krisensitzung zum Thema statt.

    Stephan Becker hat Viren zum Beruf gemacht; er ist Direktor am Robert-Koch-Institut der Universität Marburg.

    Simone Fatzer

  • Mitarbeiter der Organisation «Ärzte ohne Grenzen» im Einsatz gegen das Ebola-Virus in Gueckedou, Guinea.

    Ebola-Virus in Westafrika ausser Kontrolle

    Aus Rendez-vous vom 26.6.2014

    Das tödliche Ebola-Fieber wütet derzeit besonders in Guinea. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist seit drei Monaten mit hunderten von Helferinnen vor Helfern vor Ort. Trotzdem breitet sich die Epidemie weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht bereits von 350 Toten.

    Gespräch mit Anja Wolz von Ärzte ohne Grenzen in Guinea.

    Ivana Pribakovic