G20 beschliessen Ende des «Währungskrieges»

Der «Währungskrieg» soll beendet werden: Dazu haben sich die G20-Staaten in Moskau verpflichtet. Wechselkurse sollen nicht mehr künstlich niedrig gehalten werden, um den Export anzukurbeln. Erstmals mit dabei war die Schweiz.

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Schweiz als Musterknabe am G20

2:32 min, aus Tagesschau vom 16.2.2013

Russland hatte die Schweiz vertreten von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erstmals zum Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs eingeladen. Nicht eingeladen war aber der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan. Dafür nahmen zwei SNB-Mitarbeiter teil.

Bisher war die Schweiz bei G20-Treffen stets aussen vorgeblieben, obwohl sie gemessen an der Wirtschaftskraft weltweit auf Rang 19 liegt.

Keine Wechselkursuntergrenzen

«Wir werden unsere Wechselkurse nicht zu Wettbewerbszwecken vorherbestimmen», hiess es in der Abschlusserklärung der G20. Es wurde aber festgehalten, dass die Währungspolitik «die wirtschaftliche Erholung unterstützen» solle.

Mit ihrer Erklärung lagen die G20 auf der Linie der sieben führenden Industriestaaten (G7), die dies bei ihrem Treffen zu Wochenbeginn gefordert hatten.

Die Währungsdebatte befeuert hatte zuletzt Japan mit einer expansiven Geld- und Währungspolitik zur Abwertung des Yen. Auch China war wiederholt vorgeworfen worden, seine Währung bewusst niedrig zu halten.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, begrüsste die G20-Beschlüsse. Sie nannte es «ermutigend», dass die G20 sich rascher auf stärker vom Markt bestimmte Wechselkurse zubewegen wolle.

Kein verstärkter Schuldenabbau

Beim Abbau von Staatsdefiziten konnten sich die G20-Länder dagegen nicht auf eine Verschärfung ihrer Ziele einigen. In der Erklärung hiess es zwar, die G-20-Staaten sähen die Notwendigkeit einer weiteren Reduktion ihrer Schulden. Die Konsolidierung der Haushalte wurde aber als mittelfristiges Ziel bezeichnet.

Zugleich bekräftigten die G20, dass sie an ihren 2010 im kanadischen Toronto vereinbarten Zielen festhalten wollen. Danach sollen die Staatsdefizite bis 2013 halbiert und der Schuldenstand stabilisiert werden.

Finanz- und Notenbankchefs der G20

Bildlegende: Seit Gründung der G20 erstmals mit dabei ist die Schweiz, vertreten durch Bundesrätin Widmer-Schlumpf (roter Kreis). Keystone

Allerdings haben nur Deutschland und die Euro-Zone insgesamt die Defizitvorgaben eingehalten – im Gegensatz zu den USA, Grossbritannien oder Japan. Vor dem Treffen war befürchtet worden, dass die USA die Ziele von Toronto aufweichen wollten.

Neben Deutschland und Russland drang auch die Schweiz vergeblich auf einen verstärkten Schuldenabbau. Gemäss Teilnehmern des Treffens ist ein Beschluss dazu frühestens im September zu erwarten.

Wegen Steuervermeidung der Grosskonzerne

Laut der Mitteilung der G20 wollen diese künftig gemeinsam gegen legale Strukturen zur Umgehung von Steuern durch internationale Grosskonzerne vorzugehen. Dazu soll die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis Juli Pläne vorlegen.

Die G20 möchten die Praxis multinationaler Konzerne beenden, Gewinne für Geschäfte ausserhalb ihrer Heimat mehrfach über Staatsgrenzen zu verschieben, bis kaum noch etwas an Steuern abgeführt werden muss.

Schutz des Schweizer Frankens

Im September 2011 legte die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken fest. Mit Milliardeneinsätzen verteidigt die SNB diesen Mindestkurs seitdem. Die SNB will damit vermeiden, dass der Schweizer Export unter dem starken Franken leidet.