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International G20 – der Gipfel der Spannungen

Sie haben gänzlich andere Ansichten zum Syrien-Konflikt und finden sich doch unverhofft im gleichen Boot wieder: Wladimir Putin und Barack Obama. Während der russische Präsident für seine Assad-Treue Kritik erntet, stossen die Pläne des US-Präsidenten für einen Militärschlag auf heftigen Widerstand.

Obama und Putin reichen sich zur Begrüssung die Hand.
Legende: Blosse Geste und Zeichen der Annäherung? Putin und Obama bei der offiziellen Begrüssung in St. Petersburg. Keystone

Es waren Themen zur Banken-Kontrolle, dem Kampf gegen Steueroasen und zur Weltwirtschaftspolitik, die die ersten Stunden des G20-Gipfels bestimmten. Wichtige Fragen, doch sind sie bei diesem Gipfel allesamt nur Beiwerk und ein Warm-up für das eigentliche Thema: das möglicherweise kurz bevor stehende militärische Eingreifen der USA in Syrien.

Legende: Video Frostiger Auftakt des G20-Gipfels abspielen. Laufzeit 1:15 Minuten.
Vom 05.09.2013.

Möglicherweise wird US-Präsident Barack Obama seinen russischen Kollegen Wladimir Putin dabei zu einem informellen Gespräch treffen, sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen in St. Petersburg. Das Meeting wäre zumindest ein erster Schritt, herrscht doch zwischen Obama und Putin seit der Snowden-Affäre eine politische Eiszeit.

Bei der offiziellen Eröffnung des Gipfels am Nachmittag gaben sich die beiden Staatsmänner die Hand und lächelten kurz. Bei der eher kühlen Begrüssung wechselten sie nur ein paar Worte. Obama war mit der Botschaft angereist, das Blutvergiessen in Syrien könne «sehr viel schneller» beendet werden, wenn Moskau mehr Druck auf den Verbündeten Assad ausübe.

Dass das Thema Syrien doch noch auf die Traktandenliste gesetzt worden ist, wird schon als kleiner Erfolg gewertet. Beim Arbeitsessen am Abend soll darüber debattiert werden.

Putin findet US-Argumente «Unfug»

Der Kreml-Chef hatte am Mittwoch überraschend Zustimmung für eine Reaktion gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad im UNO-Sicherheitsrat nicht mehr ausgeschlossen. Allerdings nur, wenn «überzeugende Beweise» für dessen mutmasslichen Giftgasangriff vorgelegt würden.

Legende: Video Christof Franzen analysiert den 1. Gipfeltag abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Vom 05.09.2013.

Da Putin bislang alle entsprechenden Argumente der USA als «Unfug» abgetan hatte, wurde sein Schritt am Donnerstag in einigen Delegationen als taktisches Manöver gewertet.

Papst fordert friedliche Lösung für Syrien

Der italienische Ministerpräsident Enrico Letta beschreibt die dramatische Lage zum Auftakt eindringlich: «Dieser G20-Gipfel ist die letzte Möglichkeit, um politische Lösungen für Syrien zu finden.»

In Rom appellierte Papst Franziskus an die Staatenlenker, einen Militärschlag in Syrien zu vermeiden und stattdessen Friedensbemühungen eine Chance zu geben. Ein ungewöhnlicher Schritt, zumal die G20-Treffen üblicherweise zur Bekämpfung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise dienen und nicht der Aussenpolitik.

Die Europäer versuchen mit einer hektischen Krisendiplomatie, ihre eigenen Reihen so geschlossen wie möglich zu halten. Die Gespräche gehen hinter den Kulissen des Treffens der weltweit mächtigsten Wirtschaftsnationen (G20) weiter.

Putin mahnt Risiken durch Finanzmärkte an

Aber auch die Wirtschaft wurde am Anfang thematisiert. Zum Auftakt hatte Wladimir Putin erneut für eine grundlegende Strukturreform der Weltwirtschaft geworben. Nur so sei das Vertrauen in die Finanzmärkte nach der tiefen globalen Krise der vergangenen Jahre wieder herzustellen, sagte der russische Präsident.

Putin lobte die Antikrisenmassnahmen der G20. «Heute sind die dringendsten Probleme gelöst oder unter Kontrolle», sagte er. Es gebe aber nach wie vor zahlreiche Risiken.

Der Ausstieg der US-Notenbank Fed aus der ultralockeren Geldpolitik hat nach Einschätzung von Russland und China möglicherweise massive Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft.

Der chinesische Vize-Finanzminister Zhu Guangyao forderte deshalb die USA bereits vor dem Gipfel dazu auf, die Nebenwirkungen der Geldpolitik im Blick zu behalten und zur Stabilität der weltweiten Finanzmärkte beizutragen.

Der Club der G20

Der G20 ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Dabei sind 19 einzelne Staaten und die EU. Am G20-Gipfel sollen Fragen rund ums internationale Finanzsystem behandelt werden. Die Schweiz ist beim Treffen nicht dabei, obwohl das Land von der Grösse seiner Volkswirtschaft her zu den 20 wichtigsten Nationen zählt.

11 Kommentare

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  • Kommentar von A.Stahel, Kt. Zürich
    Obama müsste ja inzwischen bald eintreffen. Hoffentlich hat er das Mäppli mit den Beweisen für Assads Giftgasangriff mit dabei. Dann sind nämlich die Differenzen bzgl. Syrien vom Tisch und man kann gemeinsam das weitere Vorgehen planen. Internationale Politik war noch nie so einfach, Herr Obama. Einfach die eindeutigen Beweise vorlegen und gut ist ;)
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      A. Stahel. Selbst wenn es so wäre, dass die USA Beweise vorlegen könnten wäre es nicht gut, wenn man eine unschuldige Bevölkerung bombadiert und erst noch das Risiko eingeht C-Waffenlager zu treffen. Wer wird dann zur Rechenschaft gezogen? Wer immer noch glaubt, es gehe um Frieden,Freiheit od. Demokratie für die Bevölkerung muss echt blind sein. Es geht ledliglich um die Macht über die begrenzten Ressourcen. Jetzt kann man sie noch aussaugen. Was nachher ist, interessiert diese Aussauger nicht.
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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 tenniken
    Das traurige an den meisten Schreiberlingen auf dieser Seite ist die Tatsache, dass sie weder ein Gespür für Ironie noch Sarkasmus haben. Darum laufen wir Schweizer in jedes rhetorische Fettnäpfchen, das uns das böse Ausland hinstellt. Schönen Nachmittag wünsche ich Euch. Ich muss jetzt an die Arbeit!
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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 tenniken
    Beunruhigend, wenn die zwei mächtigsten Männer auf der Welt Meinungsdifferenzen haben. Aber das geht uns gar nichts an; wir sind nicht in der EU. Zudem haben wir Ueli als Verteidigungsminister und Christoph als Säckelmeister aller strammen Schweizerknaben ....und -Mädchen. Damit sind wir gegen jede Form des Weltuntergangs gewappnet; oder ?!
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    1. Antwort von A. Betschart, Zürich
      @Hunziker: Natürlich, schön, dass dies sogar Sie begriffen haben!
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    2. Antwort von M. Tisserand, Schweiz
      @M.Hunziger: Vermutlich! Leider schützt es uns nicht vor "Geplapper"....
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    3. Antwort von Walter Kathriner, Sarnen
      @ M. Hunziker, so ist es, endlich einer der uns wieder Aufmuntert, es leben die Säckelmeister......betreff Krieg: Ich meine Obama, John Kerry und Putin, Sergej Lawrow haben schon einen schönen Teil ihrer Taktik zum Ziel erreicht. "Vielleicht sogar mit Einbezug von Assad" Wenn man den Fortschritt unserer Opportunistenplauderis und Kriegsgurgeln unter unseren Schreiberlingen in Medien und Unis und wo sonst die alle hocken, sieht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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    4. Antwort von Fadri Pitsch, 8004 Zürich
      @michael Hunziker,so einfach ist das ja nicht. Der Säckelmeister wurde aus dem Amt geschossen.Ueli mit seiner besten Armee wird vom nahen Ausland nicht ernst genommen. Seine Aussagen sind oft ein Knieschuss. Ihr Schlusssatz ist dem Vokabular der Nazi Zeit ganz nahe.Bitte um Vorsicht bei solchen Vergleichen. Sie denken ja nicht im Ernst ,dass wir bei einem Krieg wieder verschont bleiben. Bin kein Freund der EU, aber mit Geld wird es uns diesmal nicht gelingen.Sarkasmus ist bei diesem Thema tabu.
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    5. Antwort von A.Käser, Zürich
      @M.Hunziker/Untergehen tut jeder von uns.Früher oder später.Einzig massgebend in unserem Dasein ist,wie wir unser Bewusstsein weiterentwickeln konnten(in Richtung Liebe)und ob wir das was wir getan haben,vor unserem EIGENEN Gewissen verantworten können.Dies gilt auch für die beiden,oben erwähnten Herren.Im Zweifelsfall keine Gewalt,keine Provokation von neuem Elend.Mit"gutem Willen"gibt es immer andere Wege,die man vor dem EIGENEN Gewissen verantworten kann.
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    6. Antwort von Albert Planta, Chur
      A.Käser, Zürich Rührend, dass es noch solche Idealisten wie sie gibt. Ob sie allerdings begriffen haben was der Mensch ist und wie der Mensch handelt möchte ich doch ein grosses Fragezeichen dahinter setzen.
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    7. Antwort von A.Käser, Zürich
      @A.Planta/"Einige Menschen sehen die Dinge,wie sie sind,und fragen warum?Ich träume nie da gewesene Träume und frage:warum nicht?"(G.Bernhard Shaw)"Du hast in Dir den Himmel und die Erde."(Hildegard v.Bingen)"Die Zukunft gehört jenen,die an die Schönheit ihrer Träume glauben."(Eleanor Roosevelt)"Sehnsucht zum Licht ist des Lebens Gebot."(H.Ibsen)"Leben heisst für mich,mehr Träume in meiner Seele zu haben,als die Realität zerstören kann."(Unbek)Ich wünsche Ihnen unendlich viele wunderbare Träume.
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