G7: Ist die weitverbreitete Kritik gerechtfertigt?

130 Millionen Euro soll der G7-Gipfel auf Schloss Elmau gekostet haben. Viel Geld für einen Grossanlass, der von vielen heftig kritisiert wird. Zu elitär, zu sehr auf Inszenierung bedacht, zu substanzarm, lauten die verbreiteten Einwände. Stimmt das?

Angela Merkel spricht am Rednerpult des G7-Gipfels auf Schloss Elmau.

Bildlegende: Angela Merkel habe ihre Aufgabe als Gastgeberin des G7-Gipfels gut gemeistert, finden Gipfel-Beobachter. Keystone

G7-Gipfel seien besser als ihr Ruf. Zu diesem Schluss kommt Professor John Kirton von der Universität Toronto, der die Spitzentreffen der Mächtigen seit Jahren analysiert. Die 16 wichtigsten Versprechungen des letztjährigen Gipfels seien zu 63 Prozent erfüllt worden, so Kirton. Vom Gipfel in Nordirland 2013 sei immerhin die Hälfte der Versprechen eingelöst worden. Auch dieses G7-Treffen im oberbayerischen Elmau könne man als erfolgreich bezeichnen. Eine ausgeglichene Agenda und mit Angela Merkel eine erfahrene Gastgeberin hätten zum Erfolg beigetragen.

Musterschüler Deutschland und Grossbritannien

Die Recherchen Kirtons und seines zehnköpfigen Teams zeigen: Wenn die G7 konkret Gelder zusagen, fliessen diese grösstenteils. Am meisten Gipfelversprechen würden generell durch Deutschland, Grossbritannien und die EU, oft auch durch die USA eingelöst. Mässig pflichtgetreu sei meist Italien. Neuerdings halte sich auch Japan schlechter an Vereinbarungen. Das Schlusslicht in Sachen Erfüllen von Gipfelverpflichtungen sei Russland, das nicht mehr dabei ist.

Die verbreitete Gipfelkritik rühre daher, erklärt John Kirton, dass Medien, NGOs und die Öffentlichkeit stark auf umstrittene Themen fokussierten, wo Einigungen mühsam und Beschlüsse schwer durchzusetzen seien. Bei vielen anderen, unauffälligeren, aber deswegen nicht weniger wichtigen Anliegen seien die G7 durchaus erfolgreich, zum Beispiel im Kampf gegen die Kindersterblichkeit, bei der Bekämpfung von Seuchen und wenn es um Vorkehrungen gegen Naturkatastrophen gehe.

G7 erfolgreicher als G20

Wichtig für den Erfolg der G7 sei eine breite Agenda, glaubt John Kirton. Seiner Meinung nach wäre es falsch, sich nur auf ein oder zwei Konfliktthemen zu konzentrieren. Eine Stärke des G7-Gipfels sei auch, dass im Vergleich zum G20-Gipfel die Interessen im kleinen Kreis naturgemäss besser überein stimmen würden. Der G20-Kreis habe sich beim Ausbruch der Finanzkrise für kurze Zeit bewährt. Sonst sei die Gruppe, zu der auch Diktaturen gehören, zu heterogen.