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International G8-Gipfel in Nordirland: Zumindest die Kulisse ist idyllisch

Hinter den Mauern eines Luxus-Golfresorts führen acht Regierungsspitzen und die EU Gespräche zu den dringlichsten Themen der Weltpolitik: Syrien, Steuerflucht, Handel. Die malerische Gegend bei Enniskillen wird vorab in eine Festung verwandelt.

Legende: Video G8-Gipfel in Nordirland abspielen. Laufzeit 03:57 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.06.2013.
Karte Enniskillen
Legende: Enniskillen liegt eine Stunde von Belfast entfernt in der Nähe des Lough Erne Sees. google maps

Lastwagen karren Polizeischlauchboote heran, Sicherheitskräfte bringen Wasserwerfer in Stellung und ziehen Absperrungen hoch: Das edle Golfresort am See Lough Erne in Nordirland verwandelt sich in eine Festung. Am Montag startet der G8-Gipfel.

Flugverbotszone auch für Modellflieger

Geschützt wird die Gegend unweit des Städtchens Enniskillen von 8000 Beamten der nordirischen Polizei. Auch eine Flugverbotszone ist geplant. Nicht einmal Modellflieger dürfen dann noch in die Luft.

Die britische G8-Präsidentschaft will mit dem Gipfel punkten. Premierminister David Cameron braucht dringend Erfolgserlebnisse. Er wurde von EU-Gegnern in der eigenen Partei in den vergangenen Wochen geradezu vorgeführt und steht in Europa wegen seines Zick-Zack-Kurses nahe der Isolation.

Kinder in Kriegsgebieten

«Wie jeder Gastgeber erhofft sich Cameron vom Gipfel eine innenpolitische Stärkung», sagt SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger. Ein erfolgreicher Gipfel verleihe dem Politiker Prestige im eigenen Land. Überdies erhofft sich die britische Regierung aber auch, im Syrien-Konflikt voranzukommen.

Ebenfalls auf die Agenda gesetzt hat Cameron das Thema von Kindern in Kriegsgebieten, beispielsweise in Kongo, Mali oder Syrien. Dabei geht es um Kindersoldaten und Massenvergewaltigungen, aber auch um getötete Kinder. «Damit kann die Regierung auch emotional Punkte gewinnen», sagt Fredy Gsteiger.

Cameron wird zudem versuchen, den globalen Kampf gegen Steuerflucht voranzutreiben. Dazu trifft er sich am Samstag in London mit den Vertretern von zehn britischen Offshore-Finanzzentren. Ob er damit den Vorwurf von Lippenbekenntnissen entkräften kann, bleibt ungewiss.

Internationale Konzerne im Fokus

Um Steuerbetrügern das Handwerk zu legen, fasst man am Gipfel einen gemeinsamen Standard für einen möglichst umfassenden internationalen Informationsaustausch zwischen den nationalen Steuerbehörden ins Auge. Dazu möchte man möglichst viele Steueroasen ins Boot holen.

Auch gegen die legale Steuerflucht, insbesondere von internationalen Konzernen, wollen einige Länder vorgehen. Viele Firmen können ihre Steuerlast drastisch senken, indem sie Gewinne in Länder verschieben, in denen darauf kaum oder gar keine Steuern erhoben werden.

Neben Steuerflucht sind Handel und Transparenz die Gipfel-Schwerpunkte. Im Bereich Transparenz geht es darum, die Pflichten von Unternehmen auszuweiten: Vor allem Geschäfte mit Bodenschätzen aus Entwicklungs- und Schwellenländern sollen sie künftig offenlegen müssen.

USA und Russland sprechen über Syrien

Geplante Gespräche zur Lage der Weltwirtschaft enthalten besonders viel Zündstoff. Ein Beispiel ist die äusserst lockere Geldpolitik der Notenbanken, die derzeit die Märkte rund um den Globus verunsichert.

Mit Spannung wird erwartet, ob die EU und die USA den Beginn von Freihandelsgesprächen feiern können. Damit sollen Zölle und andere Hemmnisse wegfallen.

Am Rande des Gipfels werden sich US-Präsident und der russische Staatschef Wladimir Putin zu bilateralen Gesprächen treffen. «Die Atmosphäre ist schlecht zwischen Washington und Moskau», sagt SRF-Korrespondent Gsteiger. Der grösste Problem Fall sei Syrien. Die Positionen der Parteien im Konflikt könnten unterschiedlicher nicht sein. «Obama, der Westen und die arabischen Länder sagen: Präsident Assad muss weg. Putin hingegen unterstützt die syrische Regierung politisch und militärisch.»

Getrübt wird die Stimmung allerdings von einem drohenden Handelskrieg zwischen der EU und China. Nachdem die EU-Kommission Anfang Juni Strafzölle für  chinesische Solarmodule angekündigt hat, drohte China daraufhin mit Strafzöllen auf europäische Weine. Auch die Autobranche fürchtet Sanktionen auf dem lukrativen chinesischen Markt. Einen Ausweg wird man am Gipfel aber nicht finden. Die neue Wirtschaftsgrossmacht China ist in Lough Erne nicht eingeladen.

«Kaminfeuergespräche» sind wichtig

Welche Ergebnisse wird der Gipfel wirklich liefern? «Das ist immer extrem schwierig vorauszusagen», sagt Fredy Gsteiger. «In der Vergangenheit entwickelte jeder G8-Gipfel seine eigene Dynamik – manchmal traten dabei Themen in den Vordergrund, die ursprünglich nicht im Vordergrund waren.»

Zudem gehe es immer auch um Vertrauensbildung und – wie zu früheren Zeiten – auch um «Kaminfeuergespräche». Man hege jedoch die grosse Hoffnung, Putin von seiner totalen Unterstützung für das syrische Regime abzubringen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Enniskillen

Das malerische Idyll war lange blutiger Schauplatz für Glaubenskriege. 1987 kamen bei einem Anschlag der pro-irischen IRA in Enniskillen 11 Menschen ums Leben. Bei einem Anschlag 1997 gab es über 40 Verletzte.

Der Gipfel soll nun Touristen ins Gebiet locken. Laut einer Studie wird das Treffen rund 40 Millionen Pfund einbringen.

Wer ist am G8?

Neben den USA, Russland und Japan sind auch Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und die EU am jährlichen Treffen vertreten. Die G8 repräsentieren knapp 13 Prozent der Weltbevölkerung und die Hälfte der internationalen Wirtschaftsleistung (Stand 2011). Die Treffen gehen auf die erste Ölkrise 1975 zurück.

32 Festnahmen bei Protesten

32 Festnahmen bei Protesten

Bereits am Dienstag gerieten Anti-Kapitalismus-Demonstranten und die Polizei in London aneinander. Mindestens 32 Menschen wurden dabei festgenommen. Der Protest richtete sich auch gegen Ölkonzerne wie BP. Drahtzieher ist die Gruppe «StopG8».

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3 Kommentare

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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    ob die Engländer wohl wieder ihre Spionageakteure in Bewegung gesetzt haben ? Als Teilnehmer hätte ich ein schlechtes Gefühl.
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  • Kommentar von Rolf Larsson, Baden
    Kein Wort von den aufgeklebten Fototapeten in Nordirland, welcheflorierende Länden vortäuschen soll wo kein sind. Aufwachen!
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  • Kommentar von JP.Simon / Nietzscheaner, Bern
    Gemütliche und idyllische Orte müssen es sein. Und wo kann der Plan einer 'Neuen Weltordnung' nicht am besten ausgestaltet werden, als beim Kaminfeuer. Man übt sich ein, dereinst Afrika frei zu schlagen von allem Gesinde, um im Besitztum weiter Ländereien Kaminfeuer-Gespräche zu pflegen. Schliesslich will man es genau wissen, wie es in der Arbeitsfabrik Europa mit dichtes Wohnen zu und her geht. Das Idyll darf nicht gestört werden, wenn Produktionslücken und Freiräume die Einkünfte schmälern.
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