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International Gabor Hirsch: Überleben in Auschwitz – und ein Leben danach?

Im Sommer 1944 wurde der ungarische Jude Gabor Hirsch 14-jährig ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dorthin, wo mehr als eine Million Menschen ermordet wurden. Hirsch überstand das Vernichtungslager dank Glück und List. Er schildert, wie aus Schweigen Erinnern wurde.

Legende: Video FOKUS: Ein Überlebender kehrt zurück abspielen. Laufzeit 4:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.01.2015.

«Es ist eine Zeit, auf die ich kaum mehr zurückblicken kann», sagt Gabor Hirsch über sein knappes halbes Jahr in Auschwitz-Birkenau. Zu geschwächt sei er gewesen, abgemagert bis auf die Knochen, dem polnischen Winter schutzlos ausgesetzt.

Eine Erinnerung aus den Tagen der Befreiung blieb ihm jedoch. In mehreren Etappen brachte sich das Lagerpersonal vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit. Zurück blieben diejenigen Insassen, die zu entkräftet für den Todesmarsch Richtung Westen waren. Darunter Gabor Hirsch, der im Spitallager wartete, ob auf Rettung oder Tod, war ungewiss.

Der Tod kommt zurück ins verlassene KZ

Nach ein paar Tagen kamen Angehörige der SS-Totenkopfverbände zurück. Ihr Auftrag: die Spuren der eigenen Mordmaschinerie beseitigen: «Sie sprengten die Gaskammern, die Krematorien und liessen tags darauf die verbliebenen Lagerinsassen ein letztes Mal antreten», erinnert sich Hirsch.

Zu einem Häuflein Mensch geworden, rettete sich der 14-Jährige mit einer List. Er versteckte sich, nach drei Tagen kamen die Rotarmisten, und mit ihnen die Rettung.

Deportation kurz vor Kriegsende

Hirschs Erinnerung an damals ist zwar verblasst. Mit sich trägt er aber nach wie vor seine Häftlingsnummer: B14781 ist auf dem Unterarm des heute 85-Jährigen tätowiert. Sinnbildlich für die blindwütige Vernichtungsmaschinerie, die nicht Individuen, sondern Nummern auslöschte – und ein Mahnmal dessen, was Menschen Menschen antun können.

Hirsch war einer ungarischen Juden, die lange vom industriellen Morden der Nazis verschont geblieben waren. In den letzten Zügen des Dritten Reiches wurden sie doch noch deportiert, zu Hunderttausenden. Im Frühling marschierte die Wehrmacht in Ungarn ein. Wenige Wochen später fuhren die ersten Züge in die Vernichtungslager.

Der Sinn des Erinnerns ist, dass so etwas nicht wieder geschieht.

Der jugendliche Gabor wurde mit seiner Mutter und seiner Grossmutter, zwei Tanten und drei Cousins nach Auschwitz deportiert, zusammen mit 80 anderen Menschen, eingepfercht in Viehwagen. Mit ihnen wurden 3000 weitere Juden aus ihrer Heimat Békéscsaba, südöstlich von Budapest, verschleppt.

Unter Todgeweihten

Einmal angekommen, wurde er von seiner Familie separiert. «Männer und Frauen wurden getrennt, die deutschen Offiziere selektierten die Arbeitsfähigen, darunter auch mich.» Das rettete ihn vor dem sofortigen Tod in der Gaskammer. Seine Mutter starb wenige Wochen später im KZ Stuffhof. Todesursache unbekannt. Gabor blieb währenddessen in Auschwitz.

Zwei Mal wurde er als nicht arbeitsfähig eingestuft, was gleichbedeutend mit dem sicheren Tod war. Lagerarzt Mengele, später einer der meistgesuchten Nazi-Verbrecher, stellte eine Latte von 1.50 Meter Höhe auf. Unter den 600 Todgeweihten, allesamt zu kleingewachsen, war auch Hirsch. Er wurde aber, wie 21 andere, wieder entlassen. Später erreichte sein Cousin, Laufbursche in einem anderen Block, eine lebensrettende Block-Verlegung für Gabor.

Das Schweigen und das Erinnern

Auf die Befreiung folgte der absurde Gang zurück in die Normalität des Alltags. Alle, auch die nicht-jüdische Bevölkerung in Ungarn, habe unter dem Krieg gelitten, blickt Hirsch zurück. «Am Anfang war es schwer, ich bin oft in Tränen ausgebrochen. Man sprach kaum über die Erlebnisse. Es musste irgendwie weitergehen. Ich ging in die Schule, holte das Verpasste nach.»

Er wisse wenig darüber, wie sein Vater, der im militärischen Arbeitsdienst der Nazis war, diese Zeiten überlebt habe. Viele Mitbürger schwiegen. Bis heute haben viele Ungaren, die auch mit den Nazis kollaborierten, ein ungeklärtes Verhältnis zur eigenen Kriegsschuld.

Der Sinn des Erinnerns

Das Schweigen erfasste auch Hirsch selbst. «Das erste Mal habe ich mich mit dem Geschehenen auseinandergesetzt, als wir 1990, gemeinsam mit unserem älteren Sohn, nach Polen gereist sind. Kurz vor Auschwitz fragte man mich, ob ich über meine Vergangenheit sprechen kann. Es war sehr emotional, als ich zum ersten Mal über meine Mutter sprach.»

Die Erinnerung an die Schrecken von damals ist für Hirsch mehr als persönliche Trauma-Bewältigung: «Der Sinn des Erinnerns ist, dass so etwas nicht wieder geschieht. Wenn ich sehe, was in der Ukraine, Ruanda oder Syrien passiert, befürchte ich, dass die Menschheit nie wirklich dazu lernen wird.»

Das Leben nach Auschwitz

Nach dem Einmarsch der Sowjets 1956 flüchtete Hirsch aus Ungarn in die Schweiz, schloss an der ETH sein Studium ab und heiratete. Vor 20 Jahren gründete er die Kontaktstelle für Holocaust-Überlebende. Im Gespräch mit Historikern, Leidensgenossen, der Arbeit in Archiven und Vorträgen an Schulen arbeitete er seine Vergangenheit neu auf.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von G. Niedermann, Zürich
    Wenn ich lese oder sehe, zu was die IS fähig ist, habe ich Mühe, Sätze 'sowas darf nie mehr vorkommen' zu verstehen. Ehrlich, wir stehen doch schon mitten im gleichen Sumpf. Vertreibung, Zerstörung Andersgläubiger, Krieg, etc.
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  • Kommentar von Hans Hartmann, Rep.Dom
    Hitler & Nazis ! Das Deutsche Volk hat den Hitler an die Macht gebracht.Da giebt es keine entschuldigungen.Meine Familie - wo sind Sie. Ich meine damit : Onkel Econ Tante Hellen mein Cousin Simon ! Alle Levi -Hartmann haben sie in den Ofen geworfen. Ich verzeihe ,aber ich kann es nicht vergessen.Mein Vater ( Elsaesser ) hat in der Schweiz Asyl bekommen.Sonst koennte ich diesen Kommentar nicht schreiben.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Herr Hartmann, eine traurige Geschichte, die Sie persönlich getroffen hat. Ich fühle mit Ihnen. Aber bedenken Sie, das deutsche Volk hat den Adolf gewählt, weil dieser anfänglich dem Volk Gutes tat. Erst später bekam er den berüchtigten Hirnschaden und begann seine furchtbare Todesmaschinerie zu starten. Wären doch dieser Massenmörder und die Sadisten von heute nie auf die Welt gekommen! Ich wünsche Ihnen alles Gute. LG M. Zelger
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    2. Antwort von Gerhard Schweizer, Bern
      @Zelger, ihre absolut erschreckenden Kommentare dürfen nicht unwidersprochen bleiben! WAS HAT HITLER ANFANGS GUTES GETAN??? Die NSDAP, deren Vorsitzender Hitler ab 1921 war, war von Anfang an von radikalem Antisemitismus und Nationalismus geprägt!! Ihre Aussage erinnert stark an die der vielen Hitler-Versteher, die es in gewissen Kreisen leider immer noch gibt, die da sagen: "Ach, unter Hitler war ja nicht alles schlecht..." Verschonen sie uns bitte mit ihren Halb- und Unwahrheiten!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    1976 verbrachten wir einige Tage in Prag und besuchten auch die Eltern einer in die Schweiz geflüchteten und in Stans wohnhaften Frau. U. a. besuchten wir gemeinsam das KZ Theresienstadt. Dort bekamen wir eine leise Ahnung über die grauenvollen Zustände in einem KZ. Wir sahen die Zellen, die zwar nicht mal diese Bezeichnung verdienten. Wir sahen auch die Öfen, in denen die Opfer vergast wurden. Bei der Mauer, an der die Juden erschossen wurden, roch man sogar noch das Blut.
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