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Keine Kanzlerkandidatur «Gabriel hätte keine Chance gegen Angela Merkel gehabt»

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wird nicht Kanzlerkandidat. Drei Fragen an SRF-Korrespondent Adrian Arnold, wie es zu dieser Entscheidung kam.

Legende: Video Gabriel verzichtet – Schulz übernimmt abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.01.2017.

Sigmar Gabriel wird nicht für die Sozialdemokraten ins Rennen um die Kanzlerschaft steigen. Stattdessen schlägt der SPD-Chef den früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Spitzenkandidat vor. Ein nachvollziehbarer Entscheid, sagt Deutschland-Korrespondent Adrian Arnold.

SRF News: Weshalb tritt SPD-Parteichef Sigmar Gabriel nicht als Kanzler-Kandidat an?

Adrian Arnold: Offiziell hat sich Sigmar Gabriel noch nicht zu den Gründen geäussert. Was man vermuten kann: Er hat erkannt, dass er in den Umfragewerten nicht nur weit hinter Angela Merkel zurückliegt, sondern auch hinter mehreren anderen Spitzenpolitikern – unter anderem Martin Schulz. Die SPD liegt klar hinter der Union, und seine Person wird daran nichts ändern können. Es ist eine späte Einsicht, aber immerhin ist es eine Einsicht.

Warum ist Sigmar Gabriel denn so unbeliebt?

Gabriel muss seit vier Jahren einen Zickzack-Kurs fahren. Das Amt des Wirtschaftsministers ist in vielen Punkten nicht vereinbar mit dem des SPD-Chefs, der für «einfache Arbeiten» und Gewerkschaften einsteht.

Gabriel empfiehlt nun Martin Schulz als Kanzler-Kandidaten. Hat dieser eine Chance?

Das ist schwierig zu sagen. Schulz geniesst in Deutschland eine grosse Akzeptanz, weil er einer der wenigen war, der sich bei der Türkei-Frage klar geäussert und Recep Erdogan in die Schranken gewiesen hat.

Gabriel muss seit vier Jahren einen Zickzack-Kurs fahren.
Autor: Adrian ArnoldDeutschland-Korrespondent SRF

Andererseits war Schulz in den vergangenen Jahren in Brüssel und damit weit weg von der deutschen Innenpolitik. Was man allerdings klar sagen kann: Sigmar Gabriel hätte sicher keine Chance gegen Angela Merkel gehabt.

Das Gespräch führte Catherine Weyer

SPD-Präsidium nominiert Schulz

Das SPD-Präsidium hat den früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz einstimmig als Kanzlerkandidaten und Nachfolger von Sigmar Gabriel an der Spitze der Partei nominiert. Offiziell soll Schulz am Sonntag vom Parteivorstand als Kanzlerkandidat nominiert werden. Anfang März werde die SPD einen ausserordentlichen Bundesparteitag abhalten, auf dem Schulz zum Parteichef gewählt werden solle, sagte Gabriel.

Adrian Arnold

Adrian Arnold

Adrian Arnold ist Deutschland-Korrespondent von SRF in Berlin. Bis 2014 war er Korrespondent im Bundeshaus, zuvor SRF-Korrespondent in Paris.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die notleidende SPD scheint langsam wieder auf die Beine zu kommen. Entscheidend muss sein, welche innen- und aussenpolitischen Schwerpunkte M. Schulz verwirklichen will. Da muss man genau hinsehen. Bisher verkündet er nur die Fortsetzung der bisherigen Europa-Politik, und daher wird er für viele nicht der gewünschte Kandidat sein. Und wenn die SPD innenpolitisch nicht wieder ein ernsthafter Sachwalter für den normalen Arbeiter wird, dann wird es ganz schnell heissen: SPD, und Tschüss!
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Gabriel ist einer der undemokratischsten Politiker, den man sich nur vorstellen kann. Die Beteiligung des Bürgers an politischen Entscheiden lehmt er vehement ab. Gleichzeitig fördert er die neoliberalen Programme Merkels. Es ist besser für die "gute westliche Demokratrie", wenn Leute wie Gabriel nicht zu mächtig werden.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Könnte ich wählen, wäre Sarah Wagenknecht meine Kandidatin. Angela Merkel hat Deutschland umbaut. Mal konservativ, mal christlich-sozial, mal liberal: Merkel lässt sich nicht festlegen. Sie betreibt nicht Sachpolitik, sondern Machtpolitik. Werte-Abstinenz macht sie überlegen. Merkel wildert bei SPD und Grünen, sie enteignet Themen aus allen Lagern und schleift so die Vielfalt der Parteien. Die Kanzlerin lähmt den demokratischen Wettbewerb.
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