Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Inhalt

International Gaddafi-Sohn in Libyen zum Tode verurteilt – und jetzt?

Mit dem Todesurteil gegen Saif al-Islam, einen der Söhne des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi, schliesst sich ein Kapitel in der jüngsten Geschichte Libyens. Politische Folgen werde das aber kaum haben, sagt ein Kenner des Landes.

SRF News: Einer von Gaddafis Söhnen, Saif al-Islam, ist von einem libyschen Gericht in Tripolis zum Tode verurteilt worden. War das zu erwarten?

Günter Meyer: Es war zu erwarten. Nur die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ob so ein Urteil überhaupt zur vollstrecken ist. Es gibt andere Beispiele, etwa der ehemalige Erziehungsminister, der schon 2013 zum Tode verurteilt worden ist. Das Urteil gegen ihn wurde immer noch nicht vollstreckt. Ausserdem gibt es Probleme dadurch, dass es die Sintan-Miliz ist, die Saif al-Islam unter ihrer Kontrolle hat. Doch die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es früher oder später zur Vollstreckung des Todesurteils gegen den Gaddafi-Sohn kommt.

Menschenrechtsorganisationen befürchteten, Saif al-Islam erhalte kein gerechtes Verfahren. War dies eine berechtigte Sorge?

Das war sicherlich eine berechtigte Angst, zumal Saif al-Islam nicht persönlich beim Gerichtsverfahren dabei gewesen ist. Ihm wurde aufgetragen, er solle sich selber darum kümmern, dass er Verteidiger habe. Das ist aus Menschenrechtsperspektive und aus Sicht der Rechtsstaatlichkeit zweifelhaft. Immerhin war es ein sehr umfangreiches Verfahren mit über 200 Zeugen – von dem her hat man sich Mühe gegeben, hier zumindest grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien zu erfüllen.

Welche politischen Folgen wird dieses Urteil für Libyen haben?

Ausserordentlich geringe Auswirkungen. Die Bevölkerung hat ganz andere Probleme, als sich mit dem Schicksal von Saif al-Islam zu beschäftigen. Das Land ist als gescheiterter Staat anzusehen. Wir haben zwei Regierungen: Eine international anerkannte im Osten des Landes und eine islamistisch dominierte Regierung im Westen, in Tripolis, wo auch die Verhandlungen gegen Saif al-Islam stattgefunden haben. Hinzu kommt eine Vielzahl von Milizen.

Und in diese Situation hinein ist der sogenannte Islamische Staat gestossen, der sich zunächst in Darna, im Osten des Landes, an der Küste festgesetzt hat. Dann hat er Auseinandersetzungen zwischen den beiden Regierungen genutzt, um Sirte zu erobern, die Heimatstadt von Gaddafi. Jetzt ist der IS weiter entlang der Küste bis nahe an die Grenze zu Tunesien vorgedrungen und hat immer mehr Anhänger bekommen. Unter ihnen sind Libyer wie auch Dschihadisten, die aus der ganzen Welt zunehmend nach Libyen kommen.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovitsch.

Günter Meyer

Porträt von Günter Meyer
Legende: Uni Mainz

Günter Meyer ist Professor an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Er leitet zudem das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt und ist Präsident der Europäischen und der Internationalen «Association for Middle Eastern Studies».

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Koller , Belp
    Die Beseitigung des Regimes Gadafi war richtig. Muhamar ar Gadafi hatte nur Visionen für sich, seine Familie und seine Günstlinge. Gafafi hatte die Schweiz aufs Übelste beleidigt und regte an, man solle die Schweiz unter den Nachbarländer aufteilen. Es besteht keine Garantie, dass nach der Beseitigung eines Unrechtsregimes sofort alles besser wird. Gut Ding will Weile haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von S. Wendelspiess , Rüschlikon
      achja? Hat er darum ein Süsswasserprojekt für Nordafrika auf die Beine gestellt, wollte dem ganzen Kontinent mit dem Gold-Dinar wirtschaftlich stabilisieren, nahm über 30% Flüchtlinge auf und gewährte seinem Volk kostenlose Sozialversicherungen günstig Wasser und Benzin?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A.Käser , Zürich
    DER TOD IST K E I N E STRAFE! Es braucht LANGE(sehr lange)um ein MENSCH (Gott?)zu werden. Wenn wir Menschen (göttlich?) sein und werden wollen,müssen wir unseren Mitmenschen ermöglichen,aus FREIEM Willen(Liebe),Menschen zu werden. Ergo sollte ein menschliches Wesen NUR aufgrund,unter Berücksichtigung,seines freien Willens und auf ausdrücklichen Wunsch hin,getötet werden oder ihm ein menschenwürdiger Tod ermöglicht werden.Der Mensch lebt EWIG. In seinem Geist.Was Du Deinem Nächsten angetan...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andreas Joos , Zofingen
    Ist Libyen nicht das zerbombte Land ohne Souveränität über sein Staatsgebiet, das im Moment zwei verschieden legitimierte Parlamente hat? Wer stellt unter diesen Bedingungen die Regierungsführung und die Rechtsprechung sicher? War dies ein fairer Prozess, der sogar etwas zur Lösung der Konflikte in Nordafrika und in der Sahel-Zone beitragen wird?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen