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International Gefährliche Entwicklung auf arabischer Halbinsel

Im Konflikt in Jemen mischen auch Nachbarländer mit – allen voran Saudi-Arabien. Die Saudis erklärten, sie wollten mit ihren Luftangriffen die Regierung Jemens schützen. Für Ariela Gross von der Friedrich-Ebert-Stiftung macht die Begründung keinen Sinn.

Ein Jemenite sitzt auf einem Steinhaufen vor verbeulten Autowracks.
Legende: In Jemen bekämpfen sich seit Monaten die sunnitische Regierung und schiitische Huthi-Rebellen. Keystone

SRF News: Die Spannungen in der Golfregion haben mit den Luftangriffen auf Huthi-Rebellen nochmals zugenommen. Saudi-Arabien gibt an, die legitime Regierung von Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi schützen zu wollen. Macht das Sinn?

Ariela Gross: Nein. Präsident Hadi verfügt über keine Legitimität mehr. Wenn die Saudis also sagen, sie möchten die legitime Regierung Jemens schützen: Eine solche gibt es aus verfassungsrechtlicher Sicht noch, aber nicht mehr aus der Sicht der Bevölkerung. Wenn diese Luftschläge irgendeine Unterstützungswelle erzeugen, dann eher eine für die Huthis. Viele Jemeniten sagen jetzt, sie sind lieber auf der Seite der Rebellen als auf der des Präsidenten Hadi.

Geht es den Saudis vielleicht einfach darum, Stabilität in die Region zu bringen?

Das sunnitische Saudi-Arabien fühlt sich bedroht durch den iranischen Einfluss in Jemen. Iran unterstützt die Huthis. Diese Unterstützung ist zwar bei weitem nicht so ausgeprägt, wie sie zum Beispiel im Falle der libanesischen Hisbollah ist. Man kann auch nicht sagen, dass die Huthis in Jemen von Schiiten in Teheran direkt gesteuert würden. Es ist jedoch klar, dass Iran einen Einfluss auf die Huthis ausübt. Diese Tatsache erzeugt in Saudi-Arabien natürlich grosse Besorgnis. Saudi-Arabien grenzt direkt an Jemen. Die Tatsache, dass iranischer Einfluss dort auf dem Vormarsch ist, trägt dazu bei, dass die Saudis jetzt in dieser Art und Weise reagieren.

Hat man in Jemen die Reaktion der Saudis und anderer Staaten nicht kommen sehen?

Doch, das hat man kommen sehen. Es herrschte innerhalb der Bevölkerung eine sehr grosse Angst vor einer solchen Reaktion. Seitens der Huthis – vor allem seitens der bewaffneten Huthi-Milizen – glaube ich, dass es keinen Schritt zurück gab. Es gab für sie keine andere Wahl, als in den Süden, Richtung Aden, vorzudringen. Alles andere wäre als ein Zugeständnis an den Präsidenten Hadi gewertet worden.

Die Huthis sehen den Angriff als Kriegserklärung, drohen mit einem Regionalkrieg. Was ist von dieser Drohung zu halten?

Man sollte zuerst einmal abwarten, wie sich die Situation in den nächsten Stunden und Tagen entwickelt, und ob Saudi-Arabien die Luftschläge fortsetzt. Auf alle Fälle kann man sagen, dass es eine äusserst gefährliche Entwicklung ist. Es gilt nun, zu verhindern, dass sich das Ganze zu einem grösseren, regionalen Konflikt entwickelt. Das könnte durchaus passieren, sollten die militärischen Angriffe Saudi-Arabiens und der anderen Golfstaaten fortgesetzt werden. Und das verringert eben auch die Chance, dass sich die jemenitischen Konfliktparteien doch noch an den Verhandlungstisch zusammensetzen könnten.

Das Gespräch führte Rino Curti.

Zur Person

Ariela Gross leitet das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Jemen. Ziel der deutschen Organisation ist unter anderem die Integration von Ländern in regionale und internationale Beratungs-, Diskussions- und Verhandlungsprozesse.

«Äusserst heikles Vorgehen»

«Äusserst heikles Vorgehen»

«Es geht um die Vorherrschaft auf der arabischen Halbinsel in der Golfregion», sagt Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die Saudis riskierten mit ihrer militärischen Einmischung in Jemen eine Eskalation. Sie wollten damit den iranischen Einfluss zurückdrängen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Tamer Aboalenin, Bern
    Ich finde die Analyse von Fr Gross nicht Korrekt. Es ist schade, wenn solche "Experten" allein das Wort zum Thema haben, lieber eine 2.Stimme das Wort zu geben, damit die Analyse neutral und fair kommt, Das Komische ist, dass solche "Experten" "die Integration von Ländern in regionale und internationale Beratungs-, Diskussions- und Verhandlungsprozesse" leiten sollen und wahrscheinlich deshalb scheitert es nicht nur in Jemen, übrigens und wahrscheinlich deshalb scheitert es nicht nur in Jemen.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Jemen ist nicht Teil des Golf-Kooperationsrats. Daher ist es wohl aus der Sicht anderer Kulturen nur Konsequent sich Jemen auf irgend eine Art und Weise einzuverleiben. Welcher Staat wird nach Jemen der nächste sein? Und was passiert wenn eines Tages der ganze nahen Osten einverleibt wurde? Barack Hussein Obama wird da wohl kaum einschreiten.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Da kommt mir ein Kellner aus Jemen, der auf einem Dampfschiff arbeitete, in den Sinn. Er war ein liebenswürdiger Kerl, der immer Freude hatte, wenn ich auf "sein" Schiff kam. und prüfte mich jedes Mal, ob ich seinen Namen noch wisse. Ja, er heisst Alman Aznar oder so. Er sagte mir, dass er nicht mehr in seine Heimat reisen dürfe, weil es dort zu gefährlich war. Das war vor etwa drei Jahren. Er arbeitet nicht mehr auf den Schiff. Wo er sich heute befindet, weiss ich nicht.
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