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Italienische Finanzkrise «Gefahr, dass EU-Gegner an die Macht kommen»

Die italienische Bankenkrise ist auch eine Krise der EU: SRF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp zu faulen Krediten in Italien.

Legende: Audio Italiens grösste Bank will sich refinanzieren abspielen. Laufzeit 1:34 Minuten.
1:34 min, aus HeuteMorgen vom 06.02.2017.

SRF News: Weshalb haben italienische Banken überdurchschnittlich viele faule Kredite?

Reto Lipp: Einer der wichtigsten Gründe: Italiens Wirtschaft stagniert seit Jahren. Das bedeutet, dass viele Firmen Probleme haben und ihre Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen können. Diese Kredite hängen nun wie Mühlsteine an den Bilanzen italienischer Banken und ziehen die ganze Bankwelt nach unten.

Was genau sind «faule Kredite»?

Das sind Kredite, die der Kreditnehmer nicht mehr bedienen kann. Das heisst, er kann keine Rückzahlung tätigen und manchmal sogar auch die Zinsen nicht mehr zahlen. Solche Kredite müssten eigentlich abgeschrieben werden. Nur könnte das Banken in den Ruin treiben, also werden die Kredite häufig mitgeschleppt und nicht abgeschrieben. Angeschlagene Banken sind aber schlecht für das Wirtschaftssystem, weil sie keine Kredite mehr geben können und so die Wirtschaft nicht mehr mit Geldleihen versorgen können. Das behindert das Wachstum.

Welche italienischen Banken sind von der Bankenkrise betroffen?

Es ist im einzelnen schwierig zu sagen, wie stark einzelne Banken betroffen sind, dazu müsste man die Bilanzen jeder Bank genau unter die Lupe nehmen. Ganz sicher ist die älteste Bank die Monti Paschi di Siena mit vielen Problemkrediten belastest. Die Bank braucht dringend frisches Kapital, das aber privat offensichtlich nicht aufzutreiben ist. Die Bank in Siena ist aber nur die Bank, die die grössten Probleme hat. Es gibt weitere Banken mit Schwierigkeiten.

Diese Kredite ziehen die ganze Bankwelt nach unten.

Was bedeutet die italienische Krise für die EU?

Italien ist ein wichtiges Land – wenn die Banksituation nicht besser wird, dann wird Italien nicht zu Wachstum zurückkehren. Die Zinsen sind derzeit sehr tief, die Idee ist, dass die Firmen Kredite zu tiefen Zinsen aufnehmen. Dieses Geld können sie investieren und so die Wirtschaft ankurbeln. Allerdings funktioniert dieser Mechanismus nicht, wenn die Banken am kranken sind. Das ist die grosse Gefahr: Dass Italien nicht mehr aus der Krise rauskommt und am Schluss auch hier politische Kräfte Oberhand gewinnen, die aus der Euro-Zone und später vielleicht auch aus der EU austreten wollen.

Das Gespräch führte Catherine Weyer

Reto Lipp

Reto Lipp

Reto Lipp studierte Ökonomie an der Universität Zürich. Bereits während des Studiums war er als freier Mitarbeiter bei Radio «Z» tätig. später wurde er dort Mitglied der Redaktionsleitung. Nach einem Wechsel zu den Printmedien, arbeitete Lipp als Vizedirektor bei der UBS im Bereich Wealth Management. Seit 2007 moderiert er die Sendung «ECO».

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37 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Es sind diejenigen die Gegner Europas zu bezeichnen, die z.Zt. an der Macht sind und nicht umgekehrt! Mit der EWG bestand bis 1993 untereinender Freihandel. Die EWG war zum Rest der Welt eine grosse Wirtschaftsmacht. Erst mit den fatalen Verträgen von Maastricht (Schuldenübernahme korrupter Staaten!), Schengen/Dublin(grenzenlose Völkerwanderung von arm zu reich!), EURO(gleiche Währung f. leistungsschwache Staaten!), kein Schutz an EU-Aussengrenzen, usw. Wir Europäer müssen uns dagegen wehren!!
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    1. Antwort von Edi Steinlin (stoni)
      Genau Herr Wach, man könnte es nicht besser beschreiben und trotzdem gibt es immer noch EU-Beführworter.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Gefahr, dass EU-Gegner an die Macht kommen...nun, DAS koennte sich als Gluecksfall erweisen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!..
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Das Problem des unfairen Abkassierens der Deutschen und Wachstum innerhalb der EU auf Kosten der südeuropäischen Länder, wird sich im März mit dem Brexit lösen. Spätestens dann dürfte Deutschland von den Südeuropäern (Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland etc) überstimmt werden.
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