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International Gegendemonstranten attackieren Hongkonger Aktivisten

Auf politischer Ebene zeichnet sich in Hongkong leichte Entspannung ab. Demonstranten und Regierung wollen offenbar schon bald miteinander reden. Inzwischen aber formiert sich auch eine Gegenbewegung zu den Demonstranten. Es kam zu Handgreiflichkeiten.

Legende: Video «Hoffnung auf Gespräche in Hongkong» abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.10.2014.

Seit Tagen steht Hongkong Kopf, weil Tausende Demonstranten auf den Strassen der von China verwalteten Millionenmetropole mehr Demokratie fordern. Nach Zusammenstössen mit der Polizei spüren die vornehmlich jungen Leute nun auch von anderer Seite Widerstand.

Demonstranten (links) und Gegendemonstranten in Hongkong
Legende: Demonstranten (links) und Gegendemonstranten in Hongkong: «Geht nach Hause! Geht nach Hause!» Reuters

Handgreiflichkeiten in Mong Kok

Am Freitag kam es im Stadtteil Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon zu Handgreiflichkeiten zwischen etwa 200 Demonstranten und einer grösseren Gruppe von Gegnern. Es kam zu chaotischen Szenen.

Meist ältere, aufgebrachte Gegner riefen: «Geht nach Hause! Geht nach Hause!» Augenzeugen berichten, einige hätten die Demonstranten auch tätlich angegriffen.

Auch im Stadtteil Causeway Bay gab es Auseinandersetzungen zwischen rund 25 Demonstranten und etwa doppelt so vielen Gegnern.

Wer sind die Gegendemonstranten?

Unklar ist, wer die Gegner sind. Möglicherweise handelt es sich um Geschäftsleute, die verärgert sind über den Stillstand in der Stadt. Einige Demonstranten mutmassten aber, es könne sich auch um angeheuerte Einsatzkräfte handeln, die Unruhe stiften sollten.

Auf politischer Ebene hatte sich zuvor leichte Entspannung abgezeichnet. Obwohl Regierungschef Leung Chun-Ying nicht auf ein Rücktrittsultimatum eingegangen war, blieb es in der Nacht auf Freitag friedlich.

«Offener Dialog»

Die Demonstranten erklärten sich sogar zu Gesprächen mit der Regierung bereit. Die Demonstranten äusserten die Hoffnung auf einen «offenen Dialog». An einem aber wollen sie festhalten: Sie fordern auch weiterhin Leungs Rücktritt.

Die Proteste in Hongkong hatten sich an Beschlüssen des Pekinger Volkskongresses entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber trotzdem eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern.

Führung in Peking bleibt hart

Seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert. Chinas Führung will ungeachtet der Proteste nicht nachgeben. «In grundsätzlichen Fragen gibt es keinen Raum für Kompromisse», schrieb das kommunistische Parteiorgan «Volkszeitung». Wenn die Wahlvorschläge nicht angenommen würden, bleibe es beim alten Verfahren. Danach hatte bisher ein loyal zu Peking stehendes Wahlkomitee den Regierungschef bestimmt.

«Hongkong untersteht direkt der Zentralregierung, ist eine lokal verwaltete Region und nicht ein Land oder eine unabhängige politische Einheit», betonte das Parteiblatt. Es gebe einige Leute, denen das richtige Verständnis dafür fehle. Der Kommentar auf der Titelseite beschrieb die Proteste in Hongkong weiter als «illegale Versammlungen», die die soziale Ordnung unterminierten.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann, Fuqing
    Es ist nur schade, dass BL(Barbara Lüthi) nicht die Gewohnheit hat den "normalen chinesischen Buerger" nach seiner Meinung zu fragen, ihre Berichte koennten damit bedeutend glaubwuerdiger werden. Auch wuerde es bald einmal klar werden WARUM sich die chinesische Wirtschaft derzeit auf der "fast lane" bewegen kann ...
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  • Kommentar von Paul Soltermann, Fuqing
    @ Mike Schacher: Immerhin schafft es China, auch gegen den Argwohn der halben Welt, in China fuer stabile Verhaeltnisse zu schaffen, ohne gleich Bomben einsetzen zu muessen. Ich weiss nicht, ob Sie das mitbekommen haben: In China herrscht eine Aufbruchstimmung, davon koennen westliche Regierungen nur traeumen ... und ich selbst habe mich noch niergens freier gefuehlt als in Fuqing, China dh ich wohne in China und ich bin froh, dass die Regierung ihren Job so gut macht.
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    1. Antwort von Mike Schacher, 6000 Luzern
      Aber die Kehrseite der Medallie ist, dass es Umerziehungslager gibt. - Die könnten Sie natürlich auch kennen lernen, wenn sie einmal nicht die Einheitsmeinung nachplappern würden oder auf den Gedanken kämen sich auf den Platz des himmlischen Friedens zu stellen. Viel Spass bei Ihren korrupten Geschäften mit der Chinesischen Regierung weiterhin. Sie sind wahrlich eine Schande für unsere Schweizer Grundwerte.
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  • Kommentar von Paul Soltermann, Fuqing
    Kaum zu lesen und noch schwieriger zu glauben was da über China kommentiert wird. Es war doch zu erwarten und auch höchste Zeit, dass friedliebende Bürger diese an Hooligans erinnernde Studenten in ihre Schranken weist. Anstatt ihre Studienzeit mit lernen zu nutzen, will man, ohne jegliche Erfahrung, ein recht erfolgreiches System durch ein Chaos ersetzen. Klar, dass man da bei BL und der westlichen Presse auf offene Ohren stösst, was gäbe es fuer diese schon schöneres als ein Chaos in China?
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    1. Antwort von Mike Schacher, 6000 Luzern
      Mit einem erfolgreichen System können Sie jedenfalls nicht die chinesische Einparteiendiktatur meinen. Hongkong liegt auf dem Korruptionsindex auf Platz 15, Mainland-China auf Platz 80 in der Nähe von Drittweltländern wie Tobogo und Trinidad. Mit Ihrer demokratischen Bildung scheint es ja auch nicht gerade zum Besten zu stehen, wenn sie vom warmen europäischen Sessel aus Kulturrelativismus betreiben wollen und Diktaturen verteidigen, die nur ihr unbedarftes Volksgesundheitsdenken zulassen.
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