Geiseldrama: Bislang über 55 Tote in Algerien

Beim Geiseldrama in der algerischen Wüste sind mehr Menschen ums Leben gekommen als bislang angenommen. Das Militär ist bisher von 23 toten Geiseln ausgegangen. Spezialeinheiten sind in der Anlage auf mehr Tote gestossen. Damit dürfte die Opferzahl vermutlich auf über 55 Personen steigen.

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Algerien: Mehr Tote als angenommen

1:02 min, aus Tagesschau vom 20.1.2013

Das Geiseldrama auf dem Gasfeld von In Amenas forderte mehr Opfer als bisher angenommen. Es wurden 23 Geiseln und 32 Geiselnehmer getötet. Fünf Extremisten wurden lebend auf dem Gelände der Anlage gefasst. Drei Geiselnehmer sind offenbar noch auf der Flucht. 107 ausländische und 685 algerische Geiseln überlebten nach Angaben der algerischen Regierung.

Feuerwehrfahrzeuge, Kontrollposten in der Wüste

Bildlegende: Die Opferzahl nach der Beendigung des Geiseldramas ist gestiegen. Nun ist von 55 Toten die Rede. Keystone

Zum Überfall hat sich Medienberichten zufolge im Namen von Al-Kaida mittlerweile der Islamisten-Anführer Mokhtar Belmokhtar bekannt. Das gehe aus einem im Internet veröffentlichten Video hervor, meldete die mauretanische Nachrichten-Website Sahara Media. Die Informationen waren nicht überprüfbar, da das Video auf der Seite nicht gezeigt wurde.

Belmokhtar ist ein islamisch-fundamentalistischer Untergrundkämpfer. Er hatte schon gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan gekämpft. Nach seiner Rückkehr in der Sahara soll er seine eigene Gruppe gegründet haben.

Geiseln exekutiert

Die Extremisten hatten sich seit Mittwoch in der Gasförderanlage verschanzt. Sie forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen radikal-islamische Rebellen in Mali. Einen Tag später griff die algerische Armee ein. Doch erst am Samstag konnten sie die Geiselnehmer endgültig überwältigen.

Nach Berichten der amtlichen algerischen Nachrichtenagentur APS begannen die Soldaten ihren Entscheidungsschlag, weil die Extremisten sieben weitere ausländische Geiseln getötet hätten.

Ende des Mali-Einsatzes gefordert

Der norwegische Energiekonzern Statoil, der zusammen mit der britischen BP und Algeriens staatlicher Ölfirma Sonatrach die Anlage betreibt, vermisst noch fünf norwegische Mitarbeiter. Auch der Verbleib von japanischen und amerikanischen Arbeitern ist noch unklar. Ein Amerikaner sei sicher ums Leben gekommen, hiess es.

Die Armee habe 25 Leichen in der Anlage entdeckt. Bei den Toten handle es sich vermutlich um Geiseln. Das berichtete der private algerische TV-Sender Ennahar.

Unterstützung für Algerien

Frankreichs Präsident François Hollande hat die umstrittene Befreiungsaktion verteidigt. Es seien noch nicht alle Elemente bekannt, doch bei einem Geiseldrama mit so kaltblütigen Terroristen, die zum Töten bereit sind, habe ein Land wie Algerien keine andere Wahl gehabt, sagte Hollande nach dem blutigen Schlussangriff der algerischen Armee am Samstag.

Auch US-Präsident Barack Obama sicherte Algerien seine Unterstützung zu. Die USA seien bereit, jede denkbare Hilfe zu leisten, hiess es in einer Erklärung des Präsidialamtes. Schuld an der Tragödie hätten die Extremisten.

Seit langem vorbereitet

Nach Angaben des algerischen Kommunikationsministers Mohammed Said hatten die Extremisten sechs verschiedene Nationalitäten. Unter den 32 toten Islamisten sei vermutlich auch der Anführer, Abdul Rahman al-Nigeri. Er war ein Nigerianer, der Belmokhtar nahe stand. Algerische Behörden vermuten, dass die Geiselnehmer unter den Hunderten algerischen Arbeitern der Anlage Verbündete hatten.

Auch wenn die Extremisten die Verbindung zum französischen Militäreinsatz in Mali herstellten: Es gilt als wahrscheinlich, dass der Überfall auf die Gasförderanlage bereits vor der französischen Intervention geplant wurde.