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International Gericht beurteilt Fall des saudischen Bloggers neu

Der saudische Blogger Raif Badawi war wegen «Beleidigung des Islams» zu 1000 Stockschlägen verurteilt worden. Nun wurde die für heute geplante zweite Serie der Bestrafung verschoben – aus medizinischen Gründen. Der Fall wurde nun an das höchste Gericht überwiesen.

Menschen mit Protestplakaten.
Legende: Protest gegen die Peitschenhiebe regt sich auch in den Niederlanden. Keystone

In Saudi-Arabien wird der Fall des zu 1000 Stockschlägen verurteilten Bloggers möglicherweise neu aufgerollt. Das Büro des saudischen Königs Abdullah habe die Akte an das höchste Gericht verwiesen. Dies sagte die Frau des Internetaktivisten, Ensaf Haidar. Das sei schon vor einem Monat geschehen.

Islam beleidigt

Der erste Teil der Strafe war vor einer Woche in der saudischen Hafenstadt Dschidda mit 50 Stockschlägen vollstreckt worden. Die für diesen Freitag geplanten nächsten 50 Hibe wurden aus «medizinischen Gründen» verschoben. Dies teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit.

Badawi war im Mai zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Stockhieben verurteilt worden, weil er den Islam beleidigt haben soll.

Bestrafung verurteilt

Die Schweiz hatte zuvor Saudi-Arabien aufgerufen, die Auspeitschung Badawis zu stoppen. Sie verurteile seine Bestrafung durch insgesamt 1000 Peitschenhiebe, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Saudi-Arabien solle das Gerichtsurteil aufheben und den Fall neu prüfen, fordert die Schweiz. Die Strafe verstosse unter anderem gegen die Anti-Folter-Konvention, die das Land ratifiziert habe.

Die EU hatte die öffentliche Auspeitschung bereits am vergangenen Freitag scharf kritisiert. «Die Prügelstrafe ist inakzeptabel und (steht) im Gegensatz zur Menschenwürde», erklärte ein Sprecher der EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini in Brüssel. Saudi-Arabien solle eine Abschaffung von Auspeitschungen überdenken.

Der 30-Jährige Badawi ist Gründer der Internetseite Liberal Saudi Network und Träger des Preises Reporter ohne Grenzen 2014. Auf der Website kritisierte er vor allem die saudiarabische Religionspolizei. Im erzkonservativen Saudi-Arabien herrscht eine besonders strenge Auslegung des Islam – der Wahhabismus. Die Religionspolizei setzt die Scharia mit harter Hand durch.

Gläubige schauten schweigend zu

Nach der ersten Auspeitschung am vergangenen Freitag berichteten Augenzeugen, die Menge der Gläubigen habe schweigend zugeschaut, als Badawi nach dem Freitagsgebet 50 Hiebe erhalten habe.

Reporter ohne Grenzen protestierte gegen eine «inhumane, völkerrechtswidrige Verurteilung» und startete eine Petition an König Abdullah. Darin wird der Monarch aufgefordert, Badawi zu begnadigen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt Badawis Freilassung.

Aufruf von Amnesty

Amnesty International hat über den Fall berichtet und zu Protesten gegen die Bestrafung des Menschenrechtsaktivisten aufgerufen.

45 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Rund um die Uhr wird man gefüttert mit unsäglichsten Nachrichten.Dass diese in der Mehrheit der westl.Gesellschaft Angst+Abneigung auslöst,müsste doch eigentlich bei unsren Muslimen auf Verständnis stossen.Weshalb also wird nie ein Verbot des IZRS gefordert.Wieso legen sog.integrierte Muslime ihrer Jugend u.uns Ungläubigen zuliebe nicht endlich ihre integrationshemmenden Sitten ab?Es kann doch nicht so schwer sein,Rel'freiheit+Gleichstellung zu leben u.auf opt.Abgrenzungsdemo zu verzichten!?
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  • Kommentar von jean passant, thun
    Die Saudis werden ihn unbehelligt zu Tode prügeln können, denn dank ihrem Öl haben sie einen Freipass, sie können den Terror unterstützen, gegen jedes Abkommen verstossen es geschieht nie etwas. Saudi Arabien gehört zu den schlimmsten faschistischen Staaten überhaupt, aber die USA haben eine innige Freundschaft mit des Saudis. Daher sind Proteste richtig, sie werden jedoch nichts bewirken.
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  • Kommentar von CHRISTIAN ALEXANDER STAUB, CH-3613 STEFFISBURG
    @L. Duende, Mundo: Ich zitiere Sie "Die Saudis garantieren diese Arbeitsplätze. Wie einfach strukturiert Ihr Denken doch ist". Ich stelle fest: Selbst um den Preis, dass Menschen wie im tiefsten Mittelalter über Tage systematisch gefoltert und zu Tode geprügelt werden, "GELD STINKT NICHT"! Entschuldigen Sie mich bitte, Herr oder Frau Duende, dass ich (als ein Un-Rot/Grüner gottloser Nicht-Gut-Mensch) mir noch den Luxus eines persönlichen Gewissens leiste! Auf zum Unrecht-Staat per Scharia?
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