Gerichtsmedizin: Oligarch Beresowski erhängt aufgefunden

Der russische Oligarch Boris Beresowski hat sich das Leben genommen. Eine Obduktion ergab Strangulieren als Todesursache - gleichzeitig fanden die Gerichtsmediziner keine Hinweise auf einen Kampf. Verschwörungstheorien schiessen dennoch ins Kraut.

Video «Beresowski offenbar nicht ermordet» abspielen

Beresowski offenbar nicht ermordet

0:17 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 24.3.2013

Der russische Oligarch und Kreml-Kritiker Boris Beresowski ist nach Erkenntnissen einer gerichtsmedizinischen Untersuchung durch Strangulieren gestorben.

Untersuchung auf Giftstoffe noch im Gang

Die Merkmale an der Leiche des 67-Jährigen seien «gleich dem Erhängen», heisst es in einer Pressemitteilung der Thames Valley Police vom späten Montagabend. Es seien keine Hinweise auf einen Kampf gefunden worden, teilte die Polizei weiter mit.

Bereits zuvor hatten die Untersuchungen am Fundort der Leiche im Badezimmer von Beresowskis Haus keine Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen ergeben. Die endgültige Auswertung der Untersuchungen, etwa auf Giftstoffe, werde aber noch mehrere Wochen dauern.

Freunde bezweifeln Selbstmord

Der 67-Jährige, der im Russland von Präsident Wladimir Putin als Staatsfeind Nummer eins betrachtet worden war, war am vergangenen Samstag tot im Badezimmer seines Anwesens in Ascot bei London gefunden worden. Die Untersuchungen im Haus des Toten sollen noch mehrere Tage dauern, sagte Chief Inspector Kevin Brown.

Porträt Beresowski.

Bildlegende: Beresowski soll hochverschuldet gewesen sein. Keystone

Freunde von Beresowski bezweifelten nach dem aufsehenerregenden Todesfall, dass der als kämpferisch bekannte Oligarch Selbstmord begangen haben könnte. Sein langjähriger Freund Nikolai Gluschkow sagte dem «Guardian»: «Ich bin mir sicher, dass er ermordet wurde. Ich habe andere Informationen, als die, die in den Medien veröffentlicht werden.»

Moskau greift nach dem Vermögen

Nach dem Tod des Kremlkritikers will Russland auf das Vermögen des in Moskau wegen zahlreicher Wirtschaftsverbrechen verurteilten Unternehmers zugreifen. Die Generalstaatsanwaltschaft strebe weiter eine Rückkehr von Besitztümern an, die Beresowski sich illegal angeeignet habe, teilte die Behörde nach Angaben der Agentur Interfax mit. Details wurden nicht genannt. Auch in London wurden bereits am Montag Geldforderungen an den Nachlass Beresowskis laut.

Dem 67-Jährigen Ex-Milliardär waren nach teuren Gerichtsauseinandersetzungen mit Ex-Frauen und seinem Landsmann Roman Abramowitsch zuletzt erhebliche Geldprobleme nachgesagt worden.

Depressionen oder Finanzprobleme?

Der am Samstag tot in Grossbritannien aufgefundene frühere Moskauer Machtpolitiker war nach seiner Flucht ins englische Exil von der russischen Justiz in gut einem Dutzend Verfahren in Abwesenheit verurteilt worden.

Beresowski hatte die Prozesse als politische Rache gegen ihn kritisiert. In russischen Medien stritten Experten darüber, ob sich Beresowski wegen Depressionen und finanziellen Problemen das Leben genommen haben könnte.