Germanwings-Angehörige nehmen Abschied in den Alpen

Vier Monate nach der Germanwings-Katastrophe sind die nicht identifizierten Leichenteile der 150 Toten in den französischen Alpen beigesetzt worden. Die besinnliche Feier wird überschattet vom Streit um Entschädigungen für die Opfer-Familien.

Video «Trauerfeier für Germanwings-Opfer» abspielen

Trauerfeier für Germanwings-Opfer

1:30 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.7.2015

Zahlreiche Leichenteile der Opfer der Germanwings-Katastrophe konnten nicht zugeordnet werden. Sie sind nun deshalb in einem Gemeinschaftsgrab in den Alpen bestattet worden.

«Die Beerdigung fand in der Nacht auf dem Friedhof von Le Vernet statt, in aller Diskretion», sagte der Bürgermeister der Nachbargemeinde Prads-Haute-Bléone, Bernard Bartolini. Beigesetzt wurden die sterblichen Überreste in mehreren Urnen.

Ein Gedenkstein mit Blumen und Kerzen geschmückt.

Bildlegende: Ein Gedenkstein erinnert in Le Vernet an die 150 Opfer des Germanwings-Absturzes. Keystone

Trauerfeier mit bis zu 500 Angehörigen

Am Nachmittag wird im nahe der Absturzstelle gelegenen Le Vernet bei einer Trauerfeier der Toten gedacht. Die Zeremonie an einer Gedenktafel leitet der Bischof der Alpenstadt Digne. Anschliessend werden die Angehörigen Blumen am Gemeinschaftsgrab niederlegen. Erwartet werden Bartolini zufolge 400 bis 500 Teilnehmer.

Überschattet wird die Trauerfeier vom Streit über Entschädigungszahlungen für die Familien der Opfer. In einem diese Woche veröffentlichten Brief attackierten Angehörige Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit scharfen Worten. Sie kritisierten das Entschädigungsangebot der Fluggesellschaft als zu niedrig und warfen dem Konzernchef vor, nicht mit ihnen persönlich gesprochen zu haben.

Lufthansa-Chef bleibt der Feier fern

Spohr sagte wegen des Streits seine eigentlich geplante Reise nach Le Vernet ab. Wegen der «angespannten Atmosphäre», die durch den offenen Brief der Angehörigen entstanden sei, werde Spohr die Gedenkfeier nicht besuchen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Es gehe Spohr darum, «die würdevolle Zeremonie» nicht zu «belasten». Teilnehmen würden aber Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann und Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne.

Die Lufthansa hat die Vorwürfe der Angehörigen zurückgewiesen. Während in deren Brief von 45'000 Euro pro Opfer die Rede ist, beteuert die Fluggesellschaft, im Schnitt würden die Hinterbliebenen mehr als 100'000 Euro Entschädigung erhalten. War der Tote Hauptverdiener einer Familie, könnten es sogar mehr als eine Million Euro werden.

Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 72 Deutsche. Den Ermittlern zufolge liess der Copilot die Maschine absichtlich abstürzen, offenbar, um sich das Leben zu nehmen.