Gerüchte sorgen unter Palästinensern für Unruhe

«Hamastina» sorgt bei den Palästinensern für Gesprächsstoff: Offenbar verhandelt die Hamas mit Israel, um eine separate Einheit im Gazastreifen zu gründen. Für Palästinenser-Präsident Abbas wäre dies eine Bedrohung, für die Israeli hätte eine Separatlösung für Gaza wohl Vorteile.

Ein Mann schaut durch ein Loch in einem zerbombte Haus.

Bildlegende: Im abgeriegelten Gazastreifen sind viele im letzten Sommer zerstörte Häuser noch immer nicht aufgebaut. Reuters

In den Palästinensergebieten machen Gerüchte die Runde, die Hamas stehe mit Israel in separaten Verhandlungen. Der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Bewegung geht es um ein Ende der israelischen Blockade, um die Öffnung der Grenzübergänge sowie um einen Flug- und einen Seehafen, wie die in Jerusalem lebende Journalistin Gisela Dachs ausführt.

Im Gegenzug biete die Hamas Israel einen Waffenstillstand für eine Zeitdauer von 5 bis 15 Jahren an. Doch: «Zugleich macht die Hamas klar, dass sie den Anspruch auf ganz Palästina nicht aufgeben würde», so Dachs.

Spannungen zwischen Hamas und Fatah

Die Hamas herrscht seit 2006 faktisch im Gazastreifen und übt an der Palästinenserbehörde von Präsident Abbas in Ramallah im Westjordanland zuweilen scharfe Kritik. Wiederholte Versöhnungsversuche in den vergangenen Jahren zwischen der Hamas und der Fatah von Abbas brachten keinen Erfolg. «Es gibt riesige Spannungen», sagt Dachs.

So habe der sogenannte Aussenminister der Hamas erst kürzlich die Legitimität von Abbas als Präsident aller Palästinenser in Frage gestellt und quasi zum Sturz der Palästinenserbehörde aufgerufen. «Man fühlt sich in Gaza völlig ab vom Schuss und vernachlässigt», so die Journalistin. Entsprechend weit sei man von einer innerpalästinensischen Aussöhnung entfernt.

Abbas sieht seine Stellung bedroht

Durch die möglichen Gespräche der Hamas mit Israel sieht sich die Palästinenserbehörde von Abbas herausgefordert. «Sie versucht jetzt, wieder Oberwasser zu gewinnen», sagt Dachs. Abbas habe immer vor einer separaten Einigung zwischen der Hamas und Israel gewarnt. Denn dann würde der Gazastreifen vom Westjordanland endgültig – nicht nur geografisch – abgetrennt.

Ausserdem, so die Befürchtung Abbas', könnte in diesem Fall eine Lösung für das Westjordanland in noch weitere Ferne rücken. Die Palästinenserbehörde betonte stets, nur unter ihren Fittichen lasse sich eine Lösung für alle Palästinenser finden. Doch nun sieht Abbas seine Leader-Stellung bedroht.

Gesamtlösung würde auf unbestimmte Zeit vertagt

Israel seinerseits würde von einer Lösung mit der Hamas profitieren. Aus dem Gazastreifen seien die israelischen Siedler und die Armee ja bereits vor Jahren abgezogen, so Dachs. Könne man hier nun mit einer Einigung Ruhe herstellen, sei das sicher im Interesse der Israeli.

Zeichen für eine mögliche Vereinbarung sieht die Journalistin etwa in der Tatsache, dass die Waffenruhe, die nach dem Gaza-Krieg im letzten Sommer vereinbart worden war, recht gut eingehalten wird. «Es sieht danach aus, dass sowohl die Hamas wie die israelische Regierung nicht an einer Neuauflage dieses Krieges interessiert sind.»

Dagegen gestaltet sich die Situation im Westjordanland sehr viel komplizierter: Hier hält Israel nach wie vor rund 60 Prozent des Gebiets besetzt, in dem 350'000 israelische Siedler leben. Sie werden von Tausenden Soldaten und Sicherheitskräften beschützt.

Eine totale Räumung des Westjordanlands – wie dies der inzwischen verstorbene damalige israelische Premierminister Ariel Scharon im Gazastreifen 2005 durchgeführt hatte – ist für die israelische Regierung ausgeschlossen.

Warnung vor Spaltung

Die «Jerusalem Post» berichtete am Wochenende von Bemühungen der im Gazastreifen herrschenden Hamas, mit Israel ein Separatabkommen abzuschliessen. Indirekt bestätigte Mahmoud Habbash, ein hoher Richter und Berater von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Westjordanland die Gerüchte. Er warnte vor einer Spaltung der Palästinenser.