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Geschichtsforschung der FPÖ Eine «völlig unabhängige» Kommission

Die FPÖ lässt ihre Geschichte aufarbeiten. Die Zusammensetzung der Historikerkommission lässt aber Fragen aufkommen.

Nach der Affäre um rassistische und Nazi-verherrlichende Lieder von parteinahen Burschenschaften, lässt Österreich rechtsnationalistische Freiheitliche Partei (FPÖ) ihre Parteigeschichte durch eine Historikerkommission aufarbeiten – auch um den Vorwürfen entgegenzutreten, sie stehe rassistischem und extremistischem Gedankengut nahe.

Dass dabei aber Zweifel angebracht sind zeigt schon alleine die Zusammensetzung des Beirats – dem Rat, der die Prozesse der Kommission steuern soll, wie es heisst. Alle acht Mitglieder sind aktive oder verdiente Funktionäre der FPÖ, sechs davon gehören einer Burschen- oder Mädelschaft oder einem Studentencorps an.

Einige Beispiele dazu:

Andreas Mölzer: Er ist ehemaliger Chefideologe der FPÖ. Nachdem ein Audio-Mitschnitt aufgetaucht war, auf dem er die EU als «Negerkonglomerat» bezeichnete, musste er zurücktreten.

Andreas Mölzer
Legende: Hat die EU als «Negerkonglomerat» bezeichnet: Andreas Mölzer. Keystone

Harald Stefan: Er ist Parteivize und Mitglied der schlagenden Studentenverbindung Olympia, die auch schon wegen nazistischer Wiederbetätigung verboten war.

Harald Stefan
Legende: Ist Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft: Harald Stefan. Wikipedia

Hilmar Kabas: Er ist Ehrenvorsitzender der FPÖ. Der damalige Bundespräsident Thomas Klestil verwehrte ihm bei der ersten konservativ-freiheitlichen Regierung wegen Rechtslastigkeit ein Ministeramt. Kabas meinte danach öffentlich, der Präsident sei ein Lump.

Hilmar Kabas
Legende: Durfte nicht Minister werden: Hilmar Kabas. Keystone

Diese Gruppe wird nun die Historiker begleiten und für eine, wie es weiter heisst, ordnungsgemässe Aufarbeitung der Parteigeschichte sorgen.

Wilhelm Brauneder: Leiter der eigentlichen Historikerkommission wird Wilhelm Brauneder, emeritierter Professor für Rechtswissenschaft und ehemaliger FPÖ-Nationalrat. Auch er ist kein Unbekannter in deutschnationalen Kreisen.

So genehmigte er als Dekan Auftritte von deutschen und österreichischen Neonazis für Vorträge an seiner Fakultät. Österreichs Hochschülerschaft meldete denn heute auch, dass die Universität Wien Brauneder bei seiner Pensionierung deswegen das «Goldene Doktoratsdiplom» verwehrt habe. In jüngster Zeit tat sich Brauneder als Redner bei Feiern deutschnationaler Burschenschaften hervor.

Dieser Mann wird jetzt «völlig unabhängig», wie an der FPÖ-Medienkonferenz erklärt wurde, die Historikerkommission zusammenstellen.

Wilhelm Brauneder
Legende: Liess Rechtsextreme Vorlesungen halten: Wilhelm Brauneder. Keystone

Nicht ganz unabhängig ist die Gruppe jedoch bei ihrem Forschungsgegenstand: Schwerpunkt ist die FPÖ, gegründet 1956. Kein Thema ist der Verband der Unabhängigen, der Vorläufer der FPÖ, der nach dem Krieg das Sammelbecken der Nazis war. Auch nur Gegenstand am Rande sind die parteinahen deutschnationalen Burschenschaften. Das seien private Vereine, über die man kein Weisungsrecht habe, findet man.

Angekündigt wurde heute auch, dass in einer späteren Phase FPÖ-kritische Organisationen oder Forscher an Hearings eingeladen werden könnten, aber das überlasse man dem Kommissionsleiter. Man mache da keine politischen Vorgaben.

Gewiss, die FPÖ ist frei, wie sie ihre Geschichte aufarbeiten will. Unter einer unabhängigen Historikerkommission stellt man sich etwas anderes vor.

«Echo der Zeit»

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Den Radiobeitrag zu diesem Artikel hören Sie heute Abend im «Echo der Zeit» um 18 Uhr auf SRF 1, um 19 Uhr auf SRF 2 und auch auf SRF 4 News.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wer die Geschichte von Österreich kennt, der weiss , dass es immer noch Nachschmerzen der EX -Braunen Gilde gibt-die nach dem Kriege ab 1945 sich versteckten bis die Besatzer - Mächte den Staatsvertrag 1955 unterschrieben haben und abgezogen sind. Ab dann sind sie wieder aus den Verstecken gekrochen und haben erneut die Nachkriegsjugend mit Lügen unterwandert - das sind nun die letzten Nachwehen dieser Zeit- diese Nachwehen sind am absterben. Es ist gut eine Aufklärung anstreben aber Gemeinsam !
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  • Kommentar von Pascal Ringenbach (stuhlflechter)
    Das ist ja wie wenn man die Schüler die eigenen Prüfungen korrigieren lässt oder einen Kriminellen das eigene Urteil fallen lässt, sehr wahrscheinlich nicht sehr "unabhängig".
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  • Kommentar von Roman Loser (Jessica)
    Wie wäre es denn mal ALLE Parteien unabhängig durchleuchten zu lassen, mitsamt ihren staatlichen Medien?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Mit welcher Fragestellung? Was meinen Sie zu finden?Und noch wenn Sie etwas finden: was ändert das daran was bei der FPOe allenfalls gefunden wird? Wird ein Mord weniger schlimm, nur weil im Nachbardorf auch einer stattgefunden hat?
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    2. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Was sol dabei herauskommen? Dass nur rechtsextreme Parteien eine rassistische Vergangenheit haben? Abgesehen davon: Staatsmedien gehören keiner Partei an, denn Östereich ist keine Diktatur.
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