Bilder des Elends Gestrandet in Belgrad

Beim Belgrader Hauptbahnhof harren Hunderte Flüchtlinge aus, die auf der geschlossenen Balkanroute gestrandet sind. Sie hausen in einem wilden Camp unter katastrophalen Bedingungen. Der rumänische Fotograf George Popescu hat ihr Elend Ende Januar in Bildern eingefangen, die unter die Haut gehen.

Ein Flüchtling in einem wilden Camp am Belgrader Bahnhof wärmt sich draussen in der Kälte an einer improvisierten Feuerstelle (Eine Tonne über einem Holzfeuer)

Bildlegende: Aufwärmen am Feuer im kalten Belgrader Winter. George Popescu

Eine unwirtliche Brachlandschaft als vorläufige Endstation nach Westen:

«Neues Calais» in Belgrad?

Auf diesem Gelände beim Belgrader Bahnhof leben hunderte Migranten in den Ruinen eines verlassenen Depots. Hilfsorganisationen warnen, das wilde Camp könne zu einem ähnlichen Brennpunkt werden wie das berüchtigte Camp im nordfranzösischen Calais.

Man sieht von oben eine verschneite Brachlandschaft neben Bahngeleisen. Darauf mehrere kleine Baracken. Irgendwo steigt Rauch auf.

Bildlegende: Elend im Niemandsland: rund um den Belgrader Bahnhof harren Flüchtlinge auf dem Gelände eines ehemaligen Bahndepots aus. George Popescu

Keine Toiletten, kein fliessendes Wasser

Die sanitarischen Bedingungen sind katastrophal. Die Flüchtlinge müssen sich draussen in der Kälte waschen. Eine Glasscherbe dient als Spiegel beim Rasieren.

Ein Flüchtling mit kahlrasiertem Kopf rasiert sich draussen, mit einer Glasscherbe als Spiegel. Er hat sich an mehreren Stellen geschnitten und blutet.

Bildlegende: Ein Bild mit Symbolcharakter: Schnittwunden zeugen von der notdürftigen Rasur. George Popescu

Warmes Wasser gibt es nur über dem offenen Feuer. Die meisten Migranten stammen aus Afghanistan und sind schon seit Monaten auf der Flucht. Viele von ihnen sind minderjährig.

Junger Mann mit nacktem Oberkörper und barfuss wäscht sich draussen in der Kälte mit warmen Wasser aus einer Tonne, die über dem offenen Feuer erhitzt wird

Bildlegende: Keine Toiletten, kein fliessendes Wasser: Waschen muss man sich draussen in der Kälte. George Popescu

Ein Leben, das krank macht

Privatsphäre gibt es nicht. Die Flüchtlinge schlafen dichtgedrängt auf dem Boden im Dreck. Überall liegt Abfall. Krankheiten breiten sich aus. Laut Hilfsorganisationen erkranken hier viele an Hautkrankheiten wie Krätze.

Schlafplätze am Boden einer dreckigen, verlassenen Baracke. Man sieht Männer, die in Decken eingewickelt schlafen, Zelte und viel Abfall. Ein Mann hängt Wäsche auf.

Bildlegende: Die Flüchtlinge schlafen am Boden, in den heruntergekommenen Baracken eines verlassenen Bahndepots. George Popescu

Auch Strom gibt es nirgends. Geheizt und gekocht wird nur mit offenem Feuer. Die Migranten verbrennen, was sie finden können. In der Luft liegt der Gestank von verbranntem Plastik.

Eine verlassene Industriehalle im Rauch. An mehereren Stellen brennen Feuer, rundum sitzen jeweils ganze Menschengruppen und wärmen sich.

Bildlegende: Keine Heizung: Die Männer verbrennen, was sie finden können, um sich am Feuer zu wärmen. George Popescu

Das lange Warten auf die Weiterreise

Fast nur alleinstehende Männer leben hier. Viele haben schon für die ganze Fahrt nach Frankreich oder Finnland bezahlt. Sie warten darauf, dass ihre Schlepper den Rest der Flucht organisieren. Andere haben kein Geld mehr, um die Schlepper zu bezahlen.

Drei Männer wärmen am offenen Feuer, am Boden liegt Schnee

Bildlegende: Warten auf die Weiterreise nach Westeuropa. George Popescu

Keine Hilfe vom serbischen Staat

Serbien unterstützt nur Flüchtlinge, die in den staatlich organisierten Zentren leben. Trotzdem wollen die meisten Flüchtlinge, die hier hausen, nicht dorthin ziehen. Sie befürchten, dass sie zurückgeschafft werden könnten. Zum Beispiel nach Bulgarien, das besonders hart gegen sie vorgehen soll, wie Flüchtlinge berichten.

Unterstützung gibt es nur von Hilfsorganisationen. Zweimal am Tag wird eine warme Mahlzeit vorbeigebracht.

In Decken eingehüllte junge Männer stehen in der Kälte Schlange und warten auf die Essensausgabe

Bildlegende: Anstehen zum Essen fassen. Hilfsorganisationen bringen zweimal am Tag warme Mahlzeiten vorbei. George Popescu

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Camp Krnjaca ist eines der grössten Flüchtlingslager Serbiens. «Im Moment sind hier etwas mehr als Tausend Leute untergebracht. Die meisten von ihnen sind schon seit August im letzten Sommer hier«, sagt Vladimir Lukic von der Lager-Leitung.

    Serbien gibt sich betont flüchtlingsfreundlich

    Aus Rendez-vous vom 27.4.2017

    Die Flüchtlingsroute über den Balkan ist seit über einem Jahr offiziell geschlossen. Aus fast allen Balkanländern kommen Berichte, wonach Flüchtlinge illegal und zum Teil mit Gewalt zurückgeschoben werden. Anders in Serbien.

    Christoph Wüthrich