Gestürzter Präsident Zentralafrikas entkommt nach Kamerun

Michel Djotodia heisst der Anführer der Rebellengruppe Seleka. Er hat sich zum neuen Präsidenten Zentralafrikas ernannt. Sein gestürzter Vorgänger ist derweil in Kamerun gesichtet worden. Die internationale Gemeinschaft verurteilt den Putsch. Die Rebellen reagieren mit vagen Demokratie-Versprechen.

Portrait des Rebellenführers und neuen Präsidenten Zentralafrikas Michel Djotodia.

Bildlegende: Neuer starker Mann in Zentralafrika: Der Rebellenführer Michel Djotodia. Keystone

Nach der Machtübernahme der zentralafrikanischen Rebellengruppe Seleka hat sich deren Anführer selbst zum neuen Präsidenten des Landes ernannt. Michel Djotodia erklärte nach Angaben des französischen Senders RFI, er wolle innerhalb von drei Jahren demokratische Wahlen ausrichten und den gebeutelten Staat zum Frieden führen.

Das gestürzte Staatsoberhaupt François Bozizé ist unterdessen mit einigen Familienmitgliedern ins benachbarte Kamerun geflohen. «Ja, er ist im Land, in Batouri», sagte ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. «Er ist gestern Abend gegen 18 Uhr angekommen.» Batouri liegt im Osten Kameruns an der Grenze zur Zentralafrikanischen Republik.

Schwere Kämpfe

Rebellenführer Michel Djotodia und das gestürzte Staatsoberhaupt François Bozizé schütteln Hände.

Bildlegende: Noch im Januar schüttelten sie Hände. Heute ist Michel Djotodia (l) neuer Präsident. Das gestürzte Staatsoberhaupt Fr... Keystone / archiv

Michel Djotodia zeigt sich konziliant. Der Anwalt und Menschenrechtler Nicolas Tiangaye soll nach seinen Wünschen Premierminister bleiben. Der 56 Jahre alte ehemalige Oppositionspolitiker war nach Friedensgesprächen mit der Regierung Mitte Januar von den Rebellen für das Amt bestimmt worden.

Bei dem Einmarsch des Rebellenbündnisses Seleka («Allianz») in Bangui war es am Freitag und Samstag zu schweren Kämpfen mit regierungsfreundlichen Truppen gekommen. Dabei seien auch 13 südafrikanische Soldaten getötet worden, teilte die Regierung in Pretoria mit. Weitere 27 wurden verletzt, erklärte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma. Ein Mann werde noch vermisst.

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Zentralafrikanische Republik ohne Staatschef

1:10 min, aus Tagesschau vom 24.3.2013

Dass Südafrika auf die gewaltsame Machtübernahme in Zentralafrika mit Protest reagiert, ist angesichts seiner getöteten Berater leicht verständlich. «Südafrika lehnt jeden Versuch ab, die Macht mit Gewalt an sich zu reissen», erklärte Präsident Jacob Zuma. «Wir werden deshalb Sanktionen und andere Massnahmen gegen die Verantwortlichen für einen verfassungswidrigen Regierungswechsel unterstützen.»

Protest aus aller Welt

Die Afrikanische Union (AU) verurteilte den Umsturz ebenfalls scharf. Die Vorsitzende des Staatenbundes, Nkosazana Dlamini-Zuma, erinnerte in einer Mitteilung daran, dass ein Land laut AU-Statut suspendiert wird, wenn es zu einer unrechtmässigen Machtübernahme kommt. Zudem müsse es isoliert und mit Sanktionen belegt werden, erklärte sie.

Der arabische Sender Al-Dschasira berichtete von schweren Plünderungen in Bangui. «Die Situation ist äusserst prekär. Die meisten Bewohner sind in ihren Häusern, weil fast alles geplündert wurde», zitierte der Sender eine UN-Mitarbeiterin vor Ort.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Machtübernahme
der Rebellen ebenfalls und forderte eine rasche Wiederherstellung der
verfassungsmässigen Ordnung. Zugleich zeigte er sich über Berichte
der Menschenrechtsverstösse besorgt, wie sein Sprecher am
Sonntagabend in New York mitteilte.