Gewalt gegen Polen: Warschau interveniert in London

Die teils tödlichen Attacken gegen polnische Staatsbürger in Grossbritannien haben offenbar ein politisches Nachspiel. Gleich drei Minister der nationalkonservativen Regierung in Warschau wollen kurzfristig nach London reisen, um gegen die wachsenden Ausfälle gegen Polen zu intervenieren.

Johnson und Waszczykowski

Bildlegende: Ansage in Warschau: Polens Aussenminister fordert vom britischen Amtskollegen mehr Schutz für seine Bürger. Keystone

Der gewaltsame Tod eines Polen in Grossbritannien ruft die Regierung in Warschau auf den Plan. Gleich drei Minister wollen in Kürze nach London reisen, um von der britischen Regierung ein klares Bekenntnis zum Schutz polnischer Staatsbürger zu verlangen.

Seit dem Brexit-Votum am 23. Juni häufen sich nach Einschätzung von Beobachtern fremdenfeindliche Vorfälle gegenüber polnischen Staatsbürgern.

Warschau: Fremdenfeindliche Tat

Die nationalkonservative Regierung in Warschau stuft den Mord an einem 40-jährigen Fabrikarbeiter in einem Londoner Vorort als fremdenfeindliche Tat ein. Der Sprecher des polnischen Aussenministeriums, Rafal Sobczak kündigte in polnischen Medien die Intervention in London an. Demnach sollen Aussenminister Witold Waszczykowski, Justizminister Zbigniew Ziobro und Innenminister Mariusz Blaszczak in die britische Hauptstadt reisen.

Reise am heutigen Montag?

Ein Termin für die diplomatischen Visiten stehe noch nicht fest. Aus Regierungskreisen verlautete jedoch, die Reise solle bereits am Montagnachmittag stattfinden. Die Minister wollen die Briten auffordern zu erklären, «dass für die Sicherheit polnischer Staatsbürger garantiert wird», sagte Sobczak.

Mit Blick auf den geplanten EU-Austritt Grossbritanniens wollten sie darauf hinweisen, dass dies nicht bedeuten dürfe, «dass die legal im Vereinigten Königreich arbeitenden Polen leiden werden».

Hassverbrechen vermutet

Zuvor hatte Waszczykowski Grossbritannien aufgerufen, gegen Fremdenhass im Land vorzugehen. Polen setze darauf, dass die britische Regierung und die Sicherheitskräfte jeden fremdenfeindlichen Akt unterbänden, sagte der Aussenminister am Samstag nach einem Treffen mit dem britischen Aussenminister Boris Johnson in Warschau. «Wir sind uns einig, dass es absolut gar keinen Platz für Fremdenhass in unserer Gesellschaft gibt», sagte Johnson.

Der 40-jährige polnische Fabrikarbeiter war am Samstag vor einer Woche in Harlow, einer Arbeiterstadt nordöstlich von London, getötet worden. Er wurde auf einem Markt angegriffen und erlag später seinen schweren Kopfverletzungen. Die britische Polizei ermittelt gegen sechs Jugendliche, unter anderem wegen eines Hassverbrechens. Die Teenager befinden sich unter Auflagen auf freiem Fuss. Auch die polnischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet.

Weitere Vorfälle

Am Sonntag wurden in Harlow erneut zwei Polen angegriffen. Dabei erlitt einer von ihnen einen Nasenbeinbruch, ein anderer eine Schnittwunde am Kopf, wie die Polizei mitteilte. Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden vor einem Pub der Stadt.

In Grossbritannien leben und arbeiten hunderttausende Polen, die nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt um ihre Zukunft dort bangen. Johnson war einer der Vorkämpfer für den sogenannten Brexit, mit dem dessen Anhänger auch den Zuzug von EU-Bürgern nach Grossbritannien beschränken wollen.

Demo in Paris nach Todesfall

Mehrere tausend Menschen chinesischer Herkunft haben am Sonntag in Paris gegen Rassismus demonstriert. Auslöser war die tödliche Attacke gegen einen aus China stammenden Familienvater in Aubervilliers nahe der französischen Hauptstadt. Der 49-Jährige war im August von drei jungen Männern angegriffen worden. Sie wurden inzwischen in Haft genommen.