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Gewalt in Afghanistan Journalisten im Visier der Aufständischen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anschläge in Kabul haben sich in den letzten Tagen wieder gemehrt.
  • Für Beobachter wird es immer schwieriger herauszufinden, wer hinter den Anschlägen steckt oder wie viele Menschen dabei umgekommen sind.
  • Das hat damit zu tun, dass lokale Journalisten ins Visier der Aufständischen geraten.

Die Bilder von Anschlägen in Kabul sind fast alltäglich geworden. Chaos auf den Strassen, Menschen die geduckt wegrennen. Weiter weg liegen leblose Körper auf der Strasse, später tauchen Krankenwagen auf.

Diese Bilder stammen von afghanischen Journalisten und Kameramännern, die bei den Aufnahmen oft ihr Leben riskieren. Wie Ende April, als bei einem doppelten Selbstmordanschlag 25 Menschen ums Leben kamen – darunter neun Journalisten.

Als Kameramann verkleideter Attentäter

Kameramann Ayatulla Yousoufi erinnert sich: Er habe eine erste Explosion gehört, und sei darauf mit dem Motorrad zum Ort des Geschehens gefahren. Als Yousoufi Verletzte filmte, die weggetragen wurden, detonierte eine zweite Bombe. Offenbar als Kameramann verkleidet, mischte sich ein zweiter Selbstmordattentäter unter die Journalisten. Doch seine Kamera war eine Attrappe. Wäre Ayatulla Yousoufi nicht etwas weiter weg gestanden, hätte es vielleicht auch ihn erwischt, sagt er.

Die Journalisten waren das eigentliche Ziel des Anschlages, die erste Bombe diente lediglich dazu, sie anzulocken.

Wenn der Tatort abgeriegelt ist

Dieser Vorfall hat zu einem Umdenken unter den Medienschaffenden in Kabul geführt, sagt Parviz Shamal, Chefredaktor bei «Tolo News», dem grössten afghanischen Fernsehsender. «Wir schicken unsere Leute nun später los um sie besser zu schützen», verspricht Shamal.

Männer stehen auf einem Fahrzeug und blicken in die Weite. Daneben weitere Männer mit Kameras.
Legende: Wenn Recherche lebensgefährlich ist: Journalisten und Kameraleute beobachten von weitem einen Anschlagsort in Kabul. Reuters

Das Problem: wer am Schauplatz auftaucht nachdem die Polizei alles abgeriegelt hat, hat keinen Zugang mehr. Den Journalisten fehlten wichtige Informationen, meint der Chefredaktor.

«Wir müssten vor Ort Fakten sammeln können, recherchieren, um allein schon die Zahl der Toten und Verletzten herauszufinden», sagt er. Das sei nun schwieriger geworden. Ein Umstand, den die Regierung sowie die Terrorgruppen wiederum für sich nutzten, kritisiert Parwis Shamal.

Pressemitteilungen statt eigene Recherche

Schnell stünden beide Seiten zur Stelle mit Pressemitteilungen und unterschiedlichen Zahlen. Und die Medien kopierten diese. Sogar über die Urheberschaft der Anschläge gibt es oft widersprüchliche Mitteilungen. Manchmal beanspruchen verschiedene Gruppen eine Tat für sich, manchmal gar niemand.

Die Journalisten wüssten oft nicht mehr, was stimmt und was nicht. Und das dürfte wohl die Absicht des Doppelanschlags gewesen sein: Die Arbeit der Journalisten zu erschweren, sodass das Bild zur Lage in Afghanistan immer unklarer wird.

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