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Gewalteskalation in Nahost «Die Wut über die Bilder aus Gaza ist gross»

Legende: Audio Grenze zu Gaza: Mit Gewalt wird auch heute gerechnet abspielen. Laufzeit 01:31 Minuten.
01:31 min, aus HeuteMorgen vom 15.05.2018.

In Israel wurde gefeiert – einerseits der 70. Jahrestag der Staatsgründung, andererseits die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem. Gleichzeitig gab es im Süden, an der Grenze zu Gaza, die schlimmsten Ausschreitungen seit langem. SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner berichtet aus Jerusalem.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

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Susanne Brunner ist seit 2018 Nahostkorrespondentin für Radio SRF. Zuvor hatte sie zwölf Jahre lang die Sendung «Tagesgespräch» moderiert.

SRF News: Susanne Brunner, Sie waren am Abend in Jerusalem unterwegs. Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen?

Am Abend war es in der Stadt sehr ruhig. Die Polizei hatte die Proteste am Damaskustor – dort hatte man die schlimmsten Ausschreitungen befürchtet – frühzeitig aufgelöst. Man konnte durch die Altstadt Jerusalems gehen.

Alle redeten gestern in Jerusalem darüber, und zwar nicht nur die Palästinenser.

Die Geschäfte waren offen, als ob nichts geschehen wäre. Auch im muslimischen Viertel war alles offen. Die grössten Proteste fanden vor der neu eröffneten US-Botschaft statt – allerdings auch diese bereits am Nachmittag.

Dass es diese Woche zu Protesten kommt, hatte man erwartet. Ist man in Israel geschockt, dass die Gewalt derart eskaliert ist?

Es ist das Thema hier. Es schockiert, dass Soldaten auf einem Hügel auf Menschen hinter einem Zaun schiessen, vor allem, weil darunter auch sehr viele Junge waren. Auch 13-, 14-Jährige sind dabei umgekommen. Wirklich alle redeten gestern in Jerusalem darüber, und zwar nicht nur die Palästinenser. Heute ist es das Frontseitenthema in allen Zeitungen des Nahen Ostens.

Rechnen Sie heute mit weiteren Ausschreitungen?

Die Wut über die Bilder aus Gaza ist gross. Es ist der Nakbatag, der Tag der Katastrophe für die Palästinenser, als den sie den Tag der Staatsgründung Israels sehen. Dabei kommt es jedes Jahr zu Protesten. Mit diesen Bildern auf allen Frontseiten ist, so befürchte ich, mit noch mehr Gewalt zu rechnen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Eigentlich ist das ein Bruderkrieg.Genetisch sind Palästinenser und Juden eng verwandt Beidseits der Grenze macht eine Minderhit von Orthodoxen die Musik.Die einen mit Steinschleudern und brennenden Reifen,die anderen mit Hightechwaffen,unterstützt vom momentan schlimmsten Verbrecherstaat.Es wäre eigentlich Aufgabe des Stärkeren,dem Unterlegenen auf die Beine zu helfen.Das ist aber mit der Vision eines Grossisrael nicht vereinbar.
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  • Kommentar von Ueli Ottmar (KingJiss)
    Wie kann man ein Land verurteilen, weil es seine Grenzen schützt?! Die Schweiz würde auch nicht einfach zusehen wenn 40^000 Militante Italiener die Grenze stürmen würden- notabene bewaffnet mit Molotowcocktails und ähnlichem!
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    1. Antwort von Walter Freiburghaus (sophisticated)
      @King Der Skandal ist nicht, dass es seine Grenzen schützt, sondern dass es seine Grenzen immer weiter ausdehnt auf Kosten ihrer Nachbarn. Das tut die Schweiz nicht, wenn Sie schon hinkende Vergleiche bemühen müssen. Zudem ist das alles schreiend unverhältnismässig: Hightech Serienfeuerwaffen gegen Steine.
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  • Kommentar von Alfred Schläpfer (191.5yenokavan)
    Die israelischen Soldaten, die seit der zweiten Intifada bis heute „In breaking the silence“ klar Stellung nehmen gegen Netanjahus fragwürdige Unterdrückung der Palästinenser und der verbrecherischen Siedlungspolitik sind bestimmt eher legitimiert, sich zu diesem Drama zu äussern, als wir Weichduscher mit unseren Blogs.
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    1. Antwort von S. Bolliger (sobo)
      Interessant zu wissen, wäre wohl viel mehr, wer Breaking the Silence finanziert und am Laufen hält. Vielleicht relativiert das so einiges.
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