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Gewalteskalation in Nahost Müde vom Leben mit einer Waffe in der Hand

Die Verlegung der US-Botschaft polarisiert. Ein Israeli und eine Palästinenserin schildern ihre Gefühlslage an einem hochemotionalen Tag.

Legende: Audio Freude und Wut in Jerusalem abspielen.
42 min, aus Echo der Zeit vom 14.05.2018.

Diana Buttu ist eine palästinensische Anwältin. Sie sitzt in einem Café in Ost-Jerusalem. Die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem ist für sie schmerzhaft: «Es fühlt sich an als würde man Salz und Alkohol in eine offene Wunde schütten.»

Josi Gabai ist Geschäftsmann. Er sitzt mit seinen Freunden in einem Café in West-Jerusalem. Für ihn ist der heutige Tag ein Freudentag. Heute könnten sie nicht miteinander am gleichen Tisch sitzen und über die US-Botschaft reden. Der Tag ist für beide emotional.

Die Palästinenser müssen nur mit dem Terror aufhören und Israel als Staat anerkennen, mit der Hauptstadt Jerusalems, und dann ist alles gut.
Autor: Josi GabaiJüdischer Geschäftsmann

Diana Buttu findet der Tag sei nicht nur für die Palästinenser eine Katastrophe, sondern für die Welt. «Es gibt einen Grund, weshalb fast niemand auf der Welt Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkennt: Israel hat entgegen internationalem Recht unser Land geraubt!»

Unversöhnliche Positionen

Josi Gabai sieht das ganz anders. Die Palästinenser hätten ja ihr Land gehabt. «Aber anstatt darauf einen Staat aufzubauen, haben sie Israel lieber angegriffen, zusammen mit anderen arabischen Staaten: ein kleines Land wie Israel!»

Und sie hätten noch immer nicht damit aufgehört, fährt Gabai fort: «Die Palästinenser müssen nur mit dem Terror aufhören und Israel als Staat anerkennen, mit der Hauptstadt Jerusalems, und dann ist alles gut.»

Die Palästinenser haben kein Leben, leben unter israelischer Besatzung. Wie kann man da Friedfertigkeit erwarten?
Autor: Diana ButtuPalästinensische Anwältin

Nur zynisch findet das die palästinensische Anwältin. Die Palästinenser hätten kein Leben, lebten unter israelischer Besatzung. «Wie kann man da Friedfertigkeit erwarten?», fragt sie rhetorisch.

Palästinenserin in der Altstadt von Jerusalem, dahinter der Schatten eines Soldaten.
Legende: Jerusalem ist der Schmelztiegel der Weltregionen. Heute ist die Stadt auch Sinnbild dafür, wie unversöhnlich sich viele Israeli und Palästinenser gegenüberstehen. Reuters

Aber was sagt sie zur Kritik, die palästinensische Führung setze auf Gewalt, statt auf eine konstruktive Vision? «Ja, die Führung der Palästinenser ist schlecht», sagt Buttu. Aber: «Die israelische Besatzung hat es lange vor einer schlechten palästinensischen Führung gegeben.»

Blick in eine ungewisse Zukunft

Verständlich, warum der jüdische Geschäftsmann und die palästinensische Anwältin heute nicht zusammen am gleichen Tisch sitzen könnten. Und trotzdem sind sie sich in zwei Punkten einig: Sie finden, die Zweistaatenlösung sei tot. Man müsse auf einen Staat hinarbeiten.

Zwar sei keine palästinensische Partei für die Einstaatenlösung, sagt Diana Buttu: Aber die Bevölkerung sei in Umfragen dafür. «Warum nicht?», meint auch der Geschäftsmann. Wenn die Palästinenser friedlich seien, könnten sie doch in einem Israel leben.

Beide – die palästinensische Anwältin und der jüdische Geschäftsmann, wollen Frieden, und nicht ständig sozusagen mit gezückter Waffe leben müssen.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Handelskriegs- und Nordkoreaprobleme sind vor allem auf Trumps Mist gewachsen. Allerdings hat der amerikanische Kongress schon im Jahre 1995 mit Bruch internationalen Rechts beschlossen, die Botschaft von Israel geschenktem Gebiet in Gebiet zu verlegen, das nach internationalem Recht der direkten Verwaltung der UNO unterworfen ist. Trumps Vorgaenger haben es vorgezogen, internationales Recht zu respektieren, statt einen von fehllobierten und geschmierten Kongressern gebrunzten Bruch zu vollz
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  • Kommentar von Stephan Poetsch (StephanP)
    Seit 6 Wochen protestieren Palästinenser vor allem in Gaza gegen ihre Vertreibung. Ähnlich Gandhi. Ergebnis: Mehr als 100 Palästinenser wurden vom israelischen Militär erschossen, Tausende verletzt. Tote Israelis: 0 ! Ein israelischer Soldat wurde am Bein verletzt. Warum schauen unsere „großen“ Politiker tatenlos zu? Dieses Unrecht schreit doch zum Himmel!
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Diese Feststellung machen sehr viele "Aussenstehende", die den Dauerkrieg zwischen Israel und Palästina seit Jahren verfolgen (beobachten)! Nun, wenn es um Israel (die Juden) geht, bleiben alle still und tatenlos! Kein heutiger westlich eingestellter Politiker getraut sich eine "Schelte" auf die "falsche Seite" dieses Dauerkrieges zu erteilen! Darum stimmt Ihren Schluss-Satz, Herr Poetsch, ganz genau!
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Die Hamas "bescheisst" das eigene Volk und ist somit auch nicht bei allen Palästinensern beliebt! Die "Führung" (viele davon schwer reich) sitzt hoch und trocken im Ausland und ruft zum Sturm auf Israel auf.
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