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International Gewaltspirale im Nahen Osten dreht immer schneller

Hunderte Tonnen Sprengstoff hat Israel seit Dienstag auf den Gazastreifen abgeworfen. Im Gegenzug feuerten radikale Palästinensergruppen fast 400 Raketen auf das Land ab. Die Zahl der Toten schnellt in die Höhe. Der UNO-Generalsekretär spricht von einem «Teufelskreis» der Gewalt.

Legende: Video Konflikt im Nahen Osten eskaliert abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.07.2014.

Seit Beginn der israelischen Offensive gegen Ziele im Gazastreifen am frühen Dienstag sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 75 Menschen getötet worden. Mehr als 500 seien verletzt worden, sagte der Ministeriumssprecher. Etwa zwei Drittel davon seien Zivilisten.

Karte von Israel und dem Gazastreifen
Legende: So weit nach Norden, 120 Kilometer bis Chadera, wurden noch nie Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. SRF

Palästinensische Extremisten schossen weiter Raketen auf Israel ab. In der Mittelmeermetropole Tel Aviv heulten am Donnerstagmorgen die Sirenen, Menschen eilten in Schutzräume. Es war eine Serie dumpfer Explosionen zu hören. Das israelische Fernsehen berichtete, fünf
Raketen seien im Umkreis von Tel Aviv von der Raketenabwehr in der Luft abgefangen worden.

Die extremistischen Al-Kassam-Brigaden erklärten, sie hätten in den vergangenen 48 Stunden 279 Raketen auf Israel abgefeuert. Andere militante Gruppen hätten mehr als 100 Raketen gestartet.

Die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen sind nach den Worten eines Armeesprechers intensiver als während des letzten Gaza-Krieges im
November 2012. Binnen 48 Stunden habe die Armee 750 Ziele angegriffen. Im Vergleich dazu seien vor knapp zwei Jahren binnen acht Tagen 1450 Ziele angegriffen worden. Bis Mittwochnachmittag seien 400 Tonnen Sprengstoff gegen den Gazastreifen eingesetzt worden.

Israels Atomanlage unter Beschuss

Am Mittwochabend feuerten Extremisten nach israelischen Armeeangaben drei Raketen auf das einzige Atomkraftwerk des Landes in Dimona, das rund 70 Kilometer südöstlich des Gazastreifens gelegen ist.

Das Abwehrsystem «Eiserner Dom» habe ein Geschoss abgefangen, die beiden anderen seien ohne Schaden anzurichten auf offenem Gelände niedergegangen, erklärte ein Armeesprecher. In Dimona befinden sich unbestätigten Vermutungen zufolge auch zentrale Teile des militärischen Nuklearprogramms Israels.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den wieder eskalierten Nahost-Konflikt als «eine der entscheidendsten Krisen der Region in den vergangenen Jahren» bezeichnet. «Gaza steht auf Messers Schneide», sagte Ban in New York. Er forderte erneut alle Seiten zu grösstmöglicher Zurückhaltung auf.

«Bodenoffensive birgt grosse Risiken»

Die israelische Armee hat bisher rund 20'000 Reservisten eingezogen. Eine Bodenoffensive im Gazastreifen sei jedoch die «letzte Option», betonte ein Armeesprecher.

Auch SRF-Korrespondent Pascal Weber geht derzeit nicht von einer Bodenoffensive aus. «Israels Premier Netanjahu weiss, dass er eine solche Bodenoffensive am Ende nicht mehr kontrollieren kann, weil sie zivile Opfer nach sich ziehen wird.»

Zudem gleiche nach der Eskalation der vergangenen Tage auch das ansonsten eher ruhige Westjordanland einem Dampfkessel, der jederzeit explodieren könne. «Das will Netanjahu nicht. Auf der anderen Seite scheint die Hamas alles daran zu setzen, Israel in eine solche Bodenoperation hineinzuziehen», meint Weber.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.07.2014.

Es gibt nach Ansicht von Weber derzeit keinen internationalen Player, der genügend Gewicht habe, um beide Seiten zu einer Waffenruhe zu zwingen. Im Gaza-Krieg Ende 2012 hatte die Regierung Mursi in Ägypten als Verbündete der Hamas genügend Einfluss, um auf sie einzuwirken.

Heute sind in Ägypten jedoch die Generäle um Präsident Sisi an der Macht. «Sie betrachten die Hamas als ihre Gegner und haben entsprechend wenig Vertrauen und wenig Einfluss.»

Ägypten öffnet Grenze

Ägypten hat seinen Grenzübergang zum Gazastreifen in Rafah für verwundete Palästinenser geöffnet. Im vergangenen Juni hatte Ägyptens Regierung die Grenze zum Gazastreifen geschlossen. Abgesehen von den Grenzübergängen zu Israel ist der Übergang in Rafah für Palästinenser die einzige Möglichkeit, den Gazastreifen zu verlassen.

32 Kommentare

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  • Kommentar von S. Bolliger, Kirchleerau
    @R.Stahn: Das mit dem Rauskicken der führenden Männer wird aber nicht funktionieren, da zumindest eine beteiligte Partei niemals ihre Frauen ans Ruder lassen wird. So viel zu Ihrer Weisheit zur Problemlösung!
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    1. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      S. Bolliger - Nun, welche beteiligte Partei Sie hier meinen, haben Sie ja nicht gesagt. Bei der jährlichen gemeinsamen Feier des Frauentags an der Stadtmauer zum Herodestor, waren ja mehr palästinensische als israelische Frauen anwesend. Seit vielen Jahren versuchen israelische Frauen diesen Frieden zu schaffen und scheinen Müde zu sein. "Wir leben hier einen Konflikt. Aber die Frauen wollen miteinander und in Frieden leben...aber nur die Frauen können dies bewirken." Sehe ich nach wie vor so.
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    2. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      @R.Stahn: Es gibt palästinensische Frauen mit verschiedenen Hintergründen! Viele der Frauen hätten sich aber nie dorthin gewagt und ihre Männer werden sie bestimmt nicht ans Ruder lassen - weder politisch noch familiär.
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    3. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Es handelt sich ja nicht um ein Konjunktiv, S. Bolliger, die arabischen Frauen sind ja da gewesen, waren in der Mehrzahl, unterstützten die israelischen Frauen (welche aus einem Grund Müde zu sein scheinen), sind immer noch aktiv in der Sache und das Zitat ist ebenso von einer arabischen Frau, welche den Willen zum gemeinsamen Frieden der aktiven arabischen, sowie israelischen Frauen/Mütter widergibt. Was meinen Sie genau mit 'Es gibt palästinensische Frauen mit verschiedenen Hintergründen!' ?
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  • Kommentar von jJosef Egger, Schweiz
    Es wird immer verschwiegen, dass ein grosser Teil der Bevoelkerung von Gaza Fluechtlinge oder ihre Nachkommen aus Gebieten sind, die seinerzeit von Israel erobert und dem Staate Israel einverleibt wurden.
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    1. Antwort von Mirjam S., Exilschweizerin in Österreich
      Leider werden auch noch ganz andere Dinge verschwiegen. So etwa die massive arabische Gegeneinwanderung nach Palästina vor 1948 oder der Umstand, dass auch Jordanien Palästina ist (aberwitzige Zeitgenossen rechnen auch die dortigen Palästinenser zu den "Flüchtlingen"). Und was heisst einverleibt? Es gab nie ein Grenzübereinkommen. Es gab immer nur Waffenstillstandslinien, mit denen die Araber nie einverstanden waren, die Kriege anzettelten und Gebiete verloren.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Antisemiten und Israelhasser, die israelische Waren boykottieren aber gerade Fussball schauen, müssen sehr tapfer sein. Ein israelisches Unternehmen ist für die Übertragung der Fussball-WM in Brasilien zuständig. Das war auch bei den Olympischen Spielen in London der Fall und wird vermutlich 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro so sein.
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