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International Gewaltspirale in Gaza dreht weiter

Der Raketenbeschuss militanter Palästinenser nimmt kein Ende. Israel rückt mit Bodentruppen weiter in den schmalen Küstenstreifen am Mittelmeer ein. Die Zahl der Toten steigt. Appelle der internationalen Gemeinschaft verhallen. Die Schweiz stockt ihre Gaza-Hilfen auf.

Legende: Video «Israel startet Bodenoffensive im Gazastreifen» abspielen. Laufzeit 3:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.07.2014.

Nach andauerndem Beschuss und einer vereitelten Kommandoaktion militanter Palästinenser hat Israel eine Bodenoffensive im Gazastreifen gestartet. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte, den Einsatz in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer auszuweiten. «Wir haben die israelischen Streitkräfte angewiesen, sich auf die Möglichkeit einer ernsthaften Ausweitung der Bodenaktivitäten einzustellen», sagte Netanjahu. Rund 70'000 Soldaten standen bereit.

Legende: Video «Gewalteskalation im Gazastreifen» abspielen. Laufzeit 0:56 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 19.07.2014.

Es ist die vierte Bodenoffensive seit Juni und November 2006 sowie Januar 2009. Die Einsätze dauerten meist rund eine Woche. Ziel der aktuellen Operation ist nach Angaben von Regierung und Armee, den ständigen Raketenbeschuss durch Milizen der radikal-islamischen Hamas zu unterbinden und deren militärische Infrastruktur zu schwächen. «Das Ziel ist es, eine Realität zu schaffen, in der israelische Bürger in Sicherheit und ohne willkürlichen Terror zu leben», teilte die Armee mit.

Auch zivile Opfer

Die Armee will in dem kleinen Palästinensergebiet ein weit verzweigtes Tunnelsystem zerstören. Bislang legte sie mindestens 13 Tunnel in Schutt und Asche. Durch einige der mehreren Hundert Tunnel sollen Waffen und Munition aus Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Durch andere Tunnel haben militante Palästinenser immer wieder versucht, nach Israel einzudringen, um Anschläge zu verüben.

Die palästinensischen Kämpfer suchen in dem Tunnelsystem Schutz vor israelischen Luftangriffen. Die gesamte Führung der Hamas versteckt sich nach israelischen Informationen seit Beginn der Gefechte am 8. Juli in unterirdischen Betonbunkern.

Tod durch «friendly fire»

In den jüngsten Gefechten zwischen Israel und den Palästinensern sind mittlerweile mehr als 300 Menschen getötet worden. Nach palästinensischen Angaben starben allein seit Beginn der israelischen Bodenoffensive am Donnerstagabend 65 Menschen, darunter 18 Kinder und Jugendliche.

Das israelische Militär erklärte in der Nacht, es seien 17 palästinensische Extremisten getötet worden. Zudem sei ein Soldat durch Beschuss aus den eigenen Reihen ums Leben gekommen.

20 Abschussrampen attackiert

Damit sind seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern am 8. Juli nach palästinensischen Angaben mindestens 299 Menschen im Gazastreifen getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite gab es bislang zwei Tote. Dabei handelt es sich neben dem Soldaten um einen Zivilisten, der beim Einschlag einer Rakete getötet wurde.

Die israelische Armee setzte ihre Bodenoffensive im Gazastreifen am frühen Samstagmorgen fort. Nach Militärangaben wurden mehr als 20 Raketenabschussrampen und zehn Tunnelanlagen angegriffen. Mehrere Soldaten wurden demnach verletzt. Mit der Bodenoffensive will Israel den Raketenbeschuss auf sein Staatsgebiet durch radikale Gruppen dauerhaft beenden.

Zahl der Flüchtlinge nahezu verdoppelt

Im Zuge der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen hat sich die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge binnen 24 Stunden fast verdoppelt. Die Zahl der Flüchtlinge in den Schutzräumen des UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) stieg von 22'000 auf 40'000.

Sie seien in 34 Schutzorten untergebracht, hiess es. Zur Finanzierung ihrer Versorgung im kommenden Monat und andere Notmassnahmen bis Ende des Jahres würden die Vereinten Nationen um 44 Millionen Euro bitten.

Internationale Gemeinschaft besorgt

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Deutschland stehe in dieser Frage an der Seite Israels. Die Türkei regt eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats an.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert derweil von den Kriegsparteien den Schutz von Zivilisten. Die Hamas müsse sofort den Beschuss Israels stoppen, sagte Ban in New York. Israel müsse dafür sorgen, dass bei der Offensive keine Zivilisten zu Schaden kämen. «Die Verschärfung der Krise wird die Lasten für die ohnehin schon leidenden Zivilisten auf beiden Seiten noch erhöhen.» Ban will sich direkt in Israel für eine Waffenruhe einsetzen.

Israel hatte elf Tage lang Ziele im Gazastreifen aus der Luft und von der See aus beschossen, bevor es die Bodenoffensive startete. Dabei setzt die Armee auch Kampfpanzer ein. Zuvor war eine Einigung mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas über eine Waffenruhe fehlgeschlagen.

66 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Maulhelden, die den Terror der Hamas verniedlichen (Steinschleudern, wirkungslose Raketen) sei geraten, sich für einige Zeit im Grenzland von Israel zum Gazastreifen niederzulassen. Bitte Pampers nicht vergessen.
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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Israel, die unkontrollierte Atommacht mit Superarmee, tötet wieder viele unschuldige Menschen und fühlt sich bedroht von palästinensischen Steinschleudern und praktisch wirkungslosen, selbstgebastelten Raketen. Und die ganze "freie" Welt schaut zu. Erbärmlich.
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    1. Antwort von Kevin Ammann, Amriswil
      Ich wusste gar nicht das eine Steinschleuder Geschosse mit einem Durchmesser von 7.9 mm verschießt. Schon mal die Wirkung auf den Menschlichen Körper eines solchen Geschoss gesehen? Machen sie doch bitte die Augen auf. Gem. Hager Konvention ist es ein Kriegsverbrechen: -die Zivilbevölkerung als Schutzschild zu gebrauchen -Waffen in Humanitären Einrichtungen zu lagern Die IDF unternimmt alles mögliche die ziv Bevölkerung zu schützen. Würde zur Lektüre das buch "Sohn der Hamas" empfehlen.
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  • Kommentar von U.Fröhlich, Herisau
    Wenn Häuser zu Militärzwecken genutzt werden, dann werden sie nach internationalem Recht legitime militärische Ziele. Auch wenn ein Haus den Status eines legitimen militärischen Zieles hat, unternimmt die ZAHAL alles in ihrer Macht stehende, um mögliches Leiden der angrenzenden Zivilbevölkerung zu verhindern: visuelle Aufklärung, um die zivile Präsenz abzuschätzen, sorgfältige Wahl der Waffen und Munition, um die möglichen Opfer gering zu halten, und zusätzlich Warnungen vorab.
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