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Giftanschlag in Salisbury Auch das weltpolitische Klima wurde vergiftet

Der Fall Skripal hat im UNO-Sicherheitsrat zu einem harten Schlagabtausch geführt. Washington unterstützt Theresa May.

Legende: Audio Giftangriff: Heftiger Schlagabtausch im Sicherheitsrat abspielen. Laufzeit 2:11 Minuten.
2:11 min, aus HeuteMorgen vom 15.03.2018.

Rund um den Giftanschlag im britischen Salisbury bleibt noch vieles vage. Sehr konkret hingegen sind bereits die Auswirkungen auf der Weltbühne. Im UNO-Sicherheitsrat lieferten sich Grossbritannien, Russland und andere Staaten an einer Dringlichkeitssitzung einen Schlagabtausch.

Der Ton wird entsprechend schärfer. Grossbritannien, das die Sondersitzung des mächtigsten UNO-Gremiums beantragt hat, spricht nun nicht mehr nur von einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass Russland hinter dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine steckt, sondern von Gewissheit. Das sagte der stellvertretende britische UNO-Botschafter Jonathan Allen.

Er spricht ausserdem von einem Chemiewaffenangriff, weshalb jetzt die internationale Chemiewaffenorganisation OPCW in die Untersuchung eingeschaltet wird. Das sei umso notwendiger, als in jüngster Zeit nun zum dritten Mal weltweit verbotene chemische Kampfstoffe eingesetzt worden sind – mehrfach in Syrien, dann durch das nordkoreanische Regime beim Giftmord von Diktator Kim Jong-Uns Halbbruder – und nun in England.

Klare Worte aus den USA

Erstmals stellt sich nun auch Washington entschieden hinter Grossbritannien. Während Präsident Donald Trump lavierte, sagt seine UNO-Botschafterin Nikki Haley nun klipp und klar, die USA seien überzeugt, dass Russland hinter der Attacke stecke.

So weit will sonst allerdings praktisch niemand gehen – weder UNO-Generalsekretär Antonio Guterres noch Grossbritanniens Nato-Verbündete und EU-Partner. Stellvertretend für viele verspricht Frankreichs Repräsentant François Delattre volle Unterstützung und grösste Solidarität. Aber er macht keinerlei klare Aussage zur Schuldfrage.

Russland kontert Vorwürfe

Russlands Botschafter Wassily Nebenzia wiederum bekräftigt, Russland habe mit all dem rein gar nichts zu tun. London reagiere hysterisch. Und er mutmasst überdies, Grossbritannien selber oder die USA hätten die ganze Sache angezettelt, um Russland zu attackieren.

Zu einem Beschluss kam der Sicherheitsrat wie erwartet nicht. Sicher ist hingegen inzwischen: Mit dem Anschlag von Salisbury wurden nicht nur Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet, sondern mindestens ebenso sehr das weltpolitische Klima.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Ich denke nicht, dass das Weltpolitische Klima vergiftet wurde. Vergiftet ist es schon lange. Es war auch nach dem Fall der Sowjetunion nie geheilt. Was wir jetzt erleben ist nur die immer klarere Sichtbarwerdung des lange unterdrückten Konfliktes zwischen den „Supermöchten“. Mit einem Unterschied: die Koalitionen haben sich geändert, auch das wird sichtbar, und auf der Weltbühne haben sich die Akteure geändert.
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  • Kommentar von Andreas Remark (andrema)
    Wie schön, dass hier so viele ehrbare Kommentator/Innen Partei für Wladimir Putin ergreifen. Der Verleumdungskampagne gegenüber diesem lupenreinen Vorzeigedemokraten, der seine Untertanen und nicht zuletzt seine politischen Gegner mit größtem Respekt und väterlichem Wohlwollen behandelt, muss mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Gell..........
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    1. Antwort von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
      Hier gehts um die Sache, nicht Personen.
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Blödsinn, andrema. Es sollen nur für alle dieselben Regeln gelten. Die letzten Kriege wurden aufgrund von Kriegslügen geführt - heute akzeptiert der mündige Bürger keine Anschuldigungen mehr ohne Beweise.
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Es ist aussergewöhnlich dass England die Unschuldsvermutung über Bord wirft und so eine gefährliche Situation herbeiführt. Die Ermittlungen laufen und alle rufen in die Runde die Russen waren es. Bis heute galt aber bis zum Berweis der Schuld ist man als Unschuldig( ausser man ist Russe). Das wäre die Beweislast doch noch hat niemand Beweise. Wer profitiert wenn es in Europa zu einer Eskalation sprich Krieg kommt. Es gilt also einen kühlen Kopf zu bewahren.
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