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Giftanschlag in Salisbury Der Erfinder des Nervengiftes Nowitschok

Legende: Video Wer erfindet Nervengifte wie «Nowitschok»? abspielen. Laufzeit 5:04 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.03.2018.

Wladimir Ugljow ist 71 Jahre alt. Der pensionierte Wissenschaftler vernimmt am Schwarzen Meer vom Anschlag auf den ehemaligen russischen Geheimdienstler Sergej Skripal. Die Nachricht scheint ihn wenig zu berühren.

Legende: Video Wladimir Ugljow erhält die Nachricht vom Giftanschlag abspielen. Laufzeit 0:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.03.2018.

Es ist der erste Giftgasanschlag in Westeuropa seit dem zweiten Weltkrieg. Ugljow hat Nowitschok mitentwickelt. Er kennt seine Wirkung.

Hemmstoffe blockieren ein bestimmtes Enzym. Dadurch werden Impulse verstärkt. Sie sind nicht mehr zu stoppen. Der Körper zuckt und verkrampft. So stirbt der Mensch ganz schnell.
Autor: Wladimir UgljowChemiker

Wladimir Ugljow stammt aus einer Arbeiterfamilie. Schon in der Schule erhält er den Übernamen «Professor». Später studiert er in Moskau Chemie. Nach dem Studium wirbt ihn der Geheimdienst an, Ugljow zieht in die geheime Stadt Schichani und forscht an Nervengiften. Er erfüllt die todbringende Aufgabe seiner Vorgesetzten. Noch effektiver als gewünscht.

Legende: Video Wladimir Ugljow schildert die Entwicklung des Giftes abspielen. Laufzeit 0:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.03.2018.

Ugljow lebte und arbeitete im wissenschaftlich-militärischen Komplex Schichani. Ein geheimer Ort, der auf keiner Landkarte eingezeichnet war. Über den niemand im Westen etwas wissen sollte.

In Schichani wurde an chemischen Kampfstoffen geforscht – an Menschen und Tieren. 1994 konnte das Schweizer Fernsehen in Schichani drehen. Russland wollte zeigen, wie ernst es das Land meint – mit der Vernichtung der chemischen Kampfstoffe.

In der geheimen Stadt hat Ugljow in einem besonders gesicherten Labor gearbeitet. Nur Eingeweihte wussten von dessen Existenz und den Forschungszielen.

Der Eingang in die geschlossene Stadt war streng bewacht. Ugljow konnte nie zu Fuss an die Arbeit. Er wurde immer direkt ins Geheimlabor gefahren.

1995 sind die Kontrollen in Schichani nur noch lax. Einem Mitarbeiter gelingt es Gift aus dem Labor zu schmuggeln. Er verkauft es an die Mafia. Mit dem Gift wird der Banker Iwan Kiwilidi ermordet. Das Gift war am Telefonhörer.

Giftgasopfer Iwan Kiwilidi, Banker
Legende: Giftgasopfer Iwan Kiwilidi, Banker SRF

Auch Wladimir Ugljow bekam einschlägige Kauf-Angebote. Er lehnte jedoch ab. Nicht zuletzt aus Angst, in eine Falle des Geheimdienstes zu tappen.

Legende: Video Unbekannte haben mir bis 5000 Dollar angeboten abspielen. Laufzeit 0:19 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.03.2018.

Bei der Vergiftung des ehemaligen Geheimdienstlers Sergej Skripal kam der tödliche Stoff vermutlich aus Moskau. Unklar ist, auf welche Weise das Nervengift nach Salisbury gebracht worden ist. Transportprobleme sieht Ugljow indes keine.

Die Ermittlungen im Fall Skripal könnten noch Monate dauern. Die Experten spekulieren, ob das Nervengift an den Türgriffen oder im Lüftungssystem von Skripals Auto angebracht worden ist.

Legende: Video Der Transport des Giftes ist eine leichte Sache abspielen. Laufzeit 0:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.03.2018.

Mehrere Tausend Kilometer westlich – im englischen Salisbury versucht die Polizei fieberhaft, den Giftanschlag auf Sergej Skripal und seiner Tochter Julija aufzuklären. Eine der zentrale Fragen lautet: Wer hat ein Motiv?

Skripals Biografie könnte den Schlüssel liefern: Sergej Skripal ist ein ehemaliger Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Mitte der neunziger Jahre verriet er sein Vaterland an England. Seit 2010 lebte Skripal als unauffälliger Rentner in England.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Die Engländer verstossen hier gegen ihr eigenes Prinzip der Magna Charta Libertatum, dass Niemand ohne konkrete Beweise und ordentliches Gericht vorverurteilt werden darf. Schlimm wenn die SRF - Berichterstattung bei den Engländern mitzieht.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es gibt keine Grausamkeit die der Mensch je unterlassen hat. Da kommen noch einige Dinge die unsere Existenz in Frage stellen . Wir können nicht genug zusammen kommunizieren auch mit den Todfeinden - denn auch sie müssen wissen -dass es niemandem dient zu Töten .
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  • Kommentar von roger tiefenthaler (rotsch)
    Ich weiss nicht, wie man so ein Gift herstellen kann. Ich weiss auch nicht warum man Waffen für den Krieg produziert. Kein Wesen, ausser der Mensch ist fähig, ohne Grund zu töten, einen Menschen, den du nicht kennst, der dir nichts wegnimmt, der dich nicht bedroht...
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