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Giftanschlag in Salisbury «Einzelne Nowitschok-Gifte sind zehn Mal tödlicher als VX»

Legende: Video «Die Verwendung von Nowitschok ist eine grosse Überraschung» abspielen. Laufzeit 5:05 Minuten.
Vom 13.03.2018.

Was sind Nervengifte der Serie der Nowitschok? Der Begriff Nowitschok steht für eine Klasse von Nervenkampfstoffen, über die nicht sehr viel bekannt ist. Laut Stefan Mogl vom Labor Spiez gehören die phosphor-organischen Verbindungen zu den angeblich neuen Nervengiften.

Wie giftig ist Nowitschok? VX ist – soweit heute bekannt – das giftigste Nervengift. Es hemmt den Abbau von Acetylcholin, eines der wichtigsten Neurotransmitter in vielen Organismen, auch im Menschen. Acetylcholin ist für die Übertragung der Nervensignale wichtig. Die durch den Syrienkrieg bekannt gewordenen Nervengifte Sarin und VX wirken gleich, doch die Nowitschok gelten allgemein als noch toxischer. «Man geht davon aus, dass einzelne dieser Nowitschok-Verbindungen etwa 10 Mal giftiger sind als das bekannte VX», sagt Mogl.

Woher weiss man von Nowitschok? Nowitschok wurde durch ein Buch eines russischen Wissenschaftlers 2008 bekannt. Dort wurden erstmals auch die chemischen Strukturen der Familie der Nowitschok öffentlich gemacht. Es gibt ungefähr 100 Varianten davon. Es soll in der UdSSR in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt worden sein. «Das wurde aber von Russland nie bestätigt», so Spezialist Mogl. «Meines Wissens ist das überhaupt das erste Ereignis, in dem Nowitschok in Erscheinung tritt.»

Die Vorgeschichte

In der britischen Stadt Salisbury wurden letzte Woche der ehemalige russische Spion Sergej Skripal und seine Tochter mit einer Substanz aus vermutlich russischer Produktion vergiftet. Die britische Premierministerin Theresa May beschuldigte offiziell Russland, den Anschlag ausgeführt zu haben. Russland weist die Anschuldigungen zurück. Das Verhältnis der beiden Staaten hat sich durch den Vorfall massiv verschlechtert.

Wer kann einen solchen Stoff herstellen? «Das kann ich nicht sagen», so Mogl. Es gebe aber sicher nur wenige Institute, die diese Stoffe kennten. «Es braucht zur Herstellung spezielles Wissen, Einrichtungen und Fähigkeiten.»

Kann man den Stoff leicht transportieren? «Solche Stoffe dürfen nicht über Grenzen transportiert werden, das Chemiewaffen-Übereinkommen verbietet das. Wenn jemand kleine Mengen eines solchen Stoffes transportieren möchte, kann er das aber problemlos machen. Solange der Stoff gut verpackt ist, ist das nicht sehr anspruchsvoll», so Mogl.

Gibt es internationale Bestimmungen? Das Übereinkommen der Chemiewaffen von 1993 verbietet den Einsatz jeglicher chemischer Stoffe als Waffe aufgrund ihrer giftigen Wirkung. Somit sind Nowitschok verboten. Aber sie sind im Anhang des Übereinkommens nicht spezifisch aufgelistet.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    Was Tatsache ist darf nicht sein gemäss den Putin-Trollen! Es findet sich doch immer ein Schuldiger! In diesem Fall haben die beiden das wohl selbst genommen... oder die USA die einen Weltkrieg wollen! Nemzow lässt grüssen....
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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    SRF hat bei Wiki abgeschrieben. Richtig ist, dass dieses Nervengas seit1970 produziert wurde. 2 Komponenten. Abgesehen von Jewgenia Albats hat dazu publiziert hat ebenso kommt es auch im Stimson Report 17 von 1995 - Oct. 13 vor. Einer der Publizisten war Miterfinder Vil Mirzayanov wurde 1992 in Russland ins Gefängnis gesteckt weil Russland vermutet hat, dass er mit dem Material gehandelt hat. Bewiesen konnte das aber nicht werden. Ein paar Jahre später hat man Ihn an die USA überstellt.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Ich rufe hier einfach in Erinnerung, dass Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR so eine Art Selbstbedienungsladen war. Damals wurde auch berichtet, dass die Gefahr bestehen würde, dass waffenfähiges spaltbares Material ins Ausland verkauft werden würde. Die Armee war nicht mehr in der Lage, die Stromrechnungen für Hafenanlagen zu bezahlen, in welchen Atom-U-Boote vor Anker lagen, die Soldaten erhielten ihren Sold nicht mehr. Es gab ein Zeitfenster, während welchem Vieles verkauft wurde.
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