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Giftanschlag in Salisbury «Londongrad» im Fadenkreuz

Eine Erklärung aus Moskau ist bislang ausgeblieben. Nun drohen Strafmassnahmen gegen die Oligarchen in London.

Legende: Audio Jetzt drohen den Oligarchen in London Sanktionen abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
1:42 min, aus HeuteMorgen vom 14.03.2018.

Die britischen Hoffnungen auf eine befriedigende Erklärung aus Moskau zum Giftanschlag in Salisbury sind gering, zumal der russische Aussenminister Sergej Lawrow schon am Dienstagnachmittag abgewinkt hatte.

Ultimatum Mays abgelaufen

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Um Mitternacht britischer Zeit ist das Ultimatum an Russland ausgelaufen: Die britische Regierung wollte wissen, ob der Mordanschlag auf den Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter in Salisbury vor zehn Tagen direkt auf den russischen Staat zurückgehe oder ob dieser die Kontrolle über seine Vorräte des militärischen Nervengifts Nowichok verloren habe.

Deshalb will sich der Nationale Sicherheitsrat heute Vormittag erneut in London treffen. Später wird Premierministerin Theresa May die Konsequenzen bekanntgeben: Sanktionen, Repressalien, Ausweisungen.

Sanktionen könnten Oligarchen treffen

Besonders verletzlich für Vergeltungsmassnahmen erscheinen die überaus zahlreich vorhandenen, schwerreichen russischen Oligarchen, die sich in den letzten 20 Jahren in London niedergelassen haben. Sie haben unermesslich teure Paläste erworben, schicken ihre Kinder in englische Privatschulen und machen ihre Geschäfte in der Londoner City.

Zwei Polizisten in gelben Westen stehen vor einem Forensik-Zelt.
Legende: Der Giftanschlag von Salisbury könnte spürbare Konsequenzen für die Oligarchen in London haben. Reuters

Daran verdienen Londoner Anwälte, Makler, Vermögens- und Steuerberater natürlich gut. Die Anwesenheit der russischen Oligarchen ist mit ein Grund dafür, weshalb die City von Kritikern als die leistungsfähigste Geldwaschmaschine der Welt bezeichnet wird. 85'000 britische Immobilien gehören offiziell Briefkastenfirmen in Steueroasen – Einsicht in die Eigentumsverhältnisse ist kaum möglich.

Ein Angriff auf Putins Machtbasis

Die britischen Konservativen haben sich bisher gegen sogenannte Magnitsky-Gesetze gesträubt, die den russischen Oligarchen in Grossbritannien das Leben erschweren könnten. Das scheint sich seit dem Giftanschlag von Salisbury geändert zu haben.

Mit einem Sanktionsgesetz könnte Reichtum, der sich mutmasslich auf Menschenrechtsverletzungen oder Korruption gründet, eingefroren werden. Den Eigentümern könnten Visa entzogen werden, bis der Beweis des Gegenteils erbracht ist.

Solche Sanktionen, die London bisher ängstlich umgangen hat, würden Wladimir Putins Günstlinge in London – und damit indirekt seine Machtbasis – empfindlich treffen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die britische Regierung ist sicher, dass Russland das Attentat auf den Ex-Spion Skripal anordnete. Sie weist deshalb 23 russische Diplomaten aus und legt die bilateralen Kontakte auf Eis. Ausserdem stoppt London bilaterale Kontakte auf hoher Ebene mit Russland. Eine Einladung des russischen Aussenministers Lawrow wurde zurückgezogen. Regierungsvertreter und Mitglieder des Königshauses werden auch nicht zur Fussball-Weltmeisterschaft im Sommer nach Russland reisen.
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  • Kommentar von David Neuhaus (Um Neutralität bemüht)
    "......der sich mutmasslich....." wird jetzt der Rechtsstaat offiziell abgeschafft? Und "Wladimir Putins Günstlinge in London" könnten da bitte mindestens ein paar wenige überprüffbare Hinweise, wenn heutzutage Beweise nicht mehr nötig sind, geliefert werden? Auf was steuern wir da zu? Stellt euch mal vor jemand "mutmasst" das ihr an seinen Problemen schuld seit und dies genügt um euch ins Gefängnis zu werfen! HALLO! Aufwachen!
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Sie hat ja gestern mit Trump telefoniert. Jetzt wird der sich auch noch einmischen. Ist doch für ihn die Gelegenheit gegen Russland zu provozieren und als Fachmann für Sanktionen hat er sicher gute Ratschläge.
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