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International Glückte Air-Asia-Maschine eine Wasserlandung?

Den Passagieren wird es nicht helfen und den Angehörigen kein Trost sein: Aber Experten glauben, dass dem Piloten eine Landung auf dem Wasser geglückt ist. Viele Indizien würden dafür sprechen. Auch für das spätere Sinken des Flugzeugs haben sie eine scheinbar plausible Begründung.

Mitarbeiter der Rettungskräfte vor einer Flugkarte.
Legende: Schnell hatten Rettungskräfte das Suchgebiet eingegrenzt und Leichen gefunden. Das Wrack fanden sie aber noch nicht. Keystone

Dem Piloten der verunglückten Air-Asia-Passagiermaschine könnte nach Einschätzung von Experten eine Notlandung auf dem Wasser gelungen sein. Das Flugzeug mit 162 Menschen an Bord sei wahrscheinlich noch intakt gewesen und erst danach wegen der hohen Wellen untergegangen, sagte der frühere indonesische Verkehrsminister Jusman Syafii Djamal.

Flugkapitän Iriyanto, ein erfahrener Ex-Luftwaffenpilot, habe es geschafft, mit dem Airbus A320-200 auf der Meeresoberfläche zu landen, sagte auch der Chefredakteur des Fachblatts «Angkasa», Dudi Sudibyo. Die Notfunkbake, der sogenannte Emergency Locator Transmitter (ELT), habe offenbar kein Signal gefunkt, weil «es bei der Landung keinen grösseren Aufprall gab».

Legende: Video Air-Asia-Flugzeug weiter verschollen abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.12.2014.

Versenkten Wellen das Flugzeug?

Der frühere Luftwaffenkommandant Chappy Hakim schloss sich dieser Analyse an. Er gehe davon aus, dass «das Flugzeug nicht in der Luft explodierte». Bei der Landung sei die Maschine offenbar nicht zerstört worden. Darauf deute auch der Zustand der bislang geborgenen Leichen hin.

Ex-Verkehrsminister Djamal hält es für möglich, dass nach der Notlandung die Evakuierung der Maschine eingeleitet wurde.

Darauf könnten die Einstiegstür und eine Notrutsche hinweisen, die an der vermuteten Unglücksstelle im Meer gefunden wurden. «Womöglich haben hohe Wellen das Flugzeug und dessen Spitze erfasst und zum Sinken gebracht», erklärte Djamal.

Spezialschiff soll Blackbox finden

Flug QZ8501 war am Sonntagmorgen auf dem Weg von Surabaya auf Java nach Singapur kurz nach dem Start vom Radarschirm verschwunden. Das Flugzeug war in einer Höhe von 32'000 Fuss unterwegs, als der Pilot wegen des schlechten Wetters darum bat, seinen Kurs ändern zu dürfen. Die Flugkontrolle untersagte es dem Piloten wegen des dichten Flugverkehrs aber, seine Flughöhe anzupassen.

Einige Experten vermuteten, dass das Flugzeug abstürzte, weil es langsam flog oder zu steil aufstieg. Wieso der Pilot keinen Notruf absetzte, ist bislang ungeklärt. Erst die Flugschreiber werden wohl endgültig Aufschluss über die Unglücksursache geben können.

Die Rettungskräfte setzten am Donnerstag ihre Suche fort. «Wir setzen alles daran, die Leichen und das Flugzeugwrack zu finden», sagte einer der Einsatzleiter, Sunarbowo Sandi. Ein speziell für die Suche nach Blackboxen ausgerüstetes Schiff sei in das Absturzgebiet vor der Insel Java entsandt worden, sagte Tatang Zaenudin von der indonesischen Rettungsbehörde.

Zwei indonesische Militärmaschinen und ein südkoreanisches Flugzeug unterstützen laut Zaenudin die Suche. Insgesamt seien 19 Schiffe und 9 Flugzeuge daran beteiligt. Hoher Wellengang behinderte jedoch die Suche.

Acht Opfer bisher geborgen

Taucher konnten am Donnerstag ein in 30 bis 50 Metern Tiefe am Meeresboden entdecktes Objekt nicht näher in Augenschein nehmen, das die Maschine sein könnte. Nach Angaben der indonesischen Verkehrssicherheitsbehörde könnten aber noch Tage vergehen, bis die Maschine entdeckt werde.

Am Dienstagmorgen waren die ersten Leichen und Wrackteile in der Java-See südwestlich der Insel Borneo entdeckt worden. Zudem wurde am Meeresboden der Umriss eines Flugzeugs gesichtet. Bis zum Donnerstag wurden acht Opfer geborgen. Zwei von ihnen, ein Mann und eine Frau, wurden nach Angaben der Polizei identifiziert. Vier Särge trafen inzwischen in Surabaya ein.

Trauernde Angehörige übergaben derweil den Ermittlern Dokumente und medizinische Unterlagen, um bei der Identifizierung der übrigen Vermissten zu helfen. Dutzende Familienmitglieder gaben zudem bereits DNA-Proben ab. Die Ermittler gehen davon aus, dass niemand an Bord den Absturz überlebt hat.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Ich halte diese Theorie der Wasserung eher für schwach. Wenn dem so wäre muss der Pilot auf jeden Fall in der Lage gewesen sein - ein normales Maday abzusetzen. Warum der Pilot nicht auf einer der vielen Inseln landet und sei es nur nahe der Küste bleibt sein Geheimnis. Leider sind die Flugzeuge nur auf bestenfalls Flüsse ausgelegt um 1-4 Std. zu überleben. 2-3 Stabilisatoren an den Flügeln würden Wunder wirken - nebst 2 an Heck und Front.
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Das fehlende Mayday ist der "Störfaktor" der zum Unfall auch mich umtreibt. Trotzdem, auf eine Notwasserung deuten aktuelle Meldungen hin. Piloten sind auch nur Menschen. Tausendmal im Simulator geübt, aber man weiss, es ist nur gestellt. Kracht es, macht man einen "reset" und fängt von vorne an. In der Stunde der Wahrheit, schauen Dinge etwas anders aus. Technisch gäbe es viel zu verbessern, z.B. bei "stall", Strömungsabriss ein automatisches Positionssignal absenden. Und vieles mehr :-(
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Diese armen Passagiere. Nicht nur mussten sie den absoluten Horror eines Flugzeugabsturzes durchmachen, sondern die meisten sind wohl ertrunken, wenn es dem Captain wirklich gelang, das Flugzeug zu wassern. Was für schreckliche letzte Minuten - mögen sie alle in Frieden ruhen.
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Bin einer Meinung mit Ihnen Björn Christen. Bei diesem Wellengang (3m) und aktueller Wetterlage vor Ort, welche z.Z. weitere Bergung verhindert, gibt es keine sanfte Wasserung. Hudson River war Ars...-glatt und eine glänzende Pilotenleistung. Auf dem offenen Meer geht das kaum. Deshalb liegt der Flieger auch Kopfüber auf dem Grund. Es braucht jetzt die Bergung und Auswertung der Recorder, alles andere ist Spekulation.
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    2. Antwort von Marco Lüscher, Kreuzlingen
      Mit "den armen Passagieren" auf den sinkenden Flüchtlingsschiffen im Mittelmeer und deren schrecklichen letzten Minuten gehen Sie in Ihren diesbezüglichen Kommentare ganz anders um: Menschenverachtend und gnadenlos, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Verlogener und heuchlerischer gehts nun wirklich nicht mehr.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Genau so könnte es beim anderen Flugzeug gewesen sein, das spurlos verschwunden ist. Mit dem Unterschied, dass dort ein Notausstieg nicht mehr möglich war.
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    1. Antwort von Manfred M., Lugano
      Da muss ich @Schmidel widersprechen. Bei MH370 waren die Umstände komplett anders.
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