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International «Grexit» ist die schlechtere Option

Bereits in zwei Wochen muss Griechenland einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds ablösen. Bis zur Stunde fehlt dem Land aber das Geld dazu. Was würde also mit all den Hilfskrediten passieren, die das Land in den vergangenen Jahren bekommen hat, falls es Pleite geht?

Symbolbild: Griechenland-Fähnchen vor einem Geschäft in Athen, daneben ein Passant mit blau-weiss-gestreiftem Sweatshirt.
Legende: Für die Griechen würde es nach einem Austritt aus dem Euro noch schwieriger. Reuters

Es sei hiermit klargestellt: Griechenland hat aus dem internationalen Hilfsprogramm bis heute kaum einen Euro direkt ausbezahlt bekommen. Aber die Euroländer, der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank und ein paar Hedgefonds haben dem Land etwa 300 Milliarden Euro gewährt, um auslaufende Kredite zu refinanzieren.

So konnte der Bankrott des Landes verhindert werden. Deutschland hat mit 60 Milliarden am meisten Garantien übernommen, gefolgt von Frankreich und Italien. Aber auch klamme Länder bürgen. So zum Beispiel Portugal mit 6 Milliarden Euro.

Es droht ein 230-Milliarden-Abschreiber

Mit einem Drittel der Gesamtsumme wurden deutsche und französische Banken gerettet, die Athen jahrelang kopflos Geld ausgeliehen hatten. Mit den übrigen zwei Dritteln wurden griechische Schuldpapiere aufgekauft. Ginge Griechenland morgen bankrott, könnten wohl ein Viertel bis ein Drittel der rund 300 Milliarden Euro Schulden bedient werden, sagt Alexander Kritikos, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW. «Den Rest werden die Gläubiger abschreiben müssen.» Bis zu 230 Milliarden Euro würde ein Bankrott Griechenlands, ein sogenannter Grexit, die Geldgeber also kosten.

Aber sie haben auch profitiert: Deutschland beispielsweise muss seinen eigenen Geldgebern kaum mehr Zinsen bieten. Wegen der Griechenland-Krise sind sie froh, überhaupt einen sicheren Hafen gefunden zu haben. Verschiedene Institute haben ausgerechnet, wie viel Deutschland bis heute gespart hat: Ziemlich genau so viel, wie es bei einem Bankrott Griechenlands verlieren würde. Auch andere Grossschuldner wie etwa Italien profitieren. Rom muss für seine Schulden ebenfalls viel weniger Zins bieten als üblich.

Griechen haben nie dagewesene Rosskur hinter sich

Aus innenpolitischen Gründen weigert sich die griechische Regierung, weitere Reformen anzustossen, um im Gegenzug die letzte Tranche eines Überbrückungskredits zu bekommen. Das Land hat in den vergangenen fünf Jahren sein jährliches Budgetdefizit von 15 auf 2,5 Prozent gesenkt. Es tat dies unter anderem mit Rentenkürzungen, dem Abbau im Gesundheits- und Bildungswesen sowie der Erhöhung und Neueinführung neuer Steuern. Kein Land auf der Welt hat je so eine Rosskur gemacht. Das geben auch die grössten Kritiker Athens zu.

Was passiert, falls Griechenland demnächst zahlungsunfähig wird, weiss niemand. Es heisst, die direkten finanziellen Auswirkungen auf Europa blieben gering, da eine weitgehende Entflechtung stattgefunden habe. Mit einem Schock in Europa rechnet kaum mehr jemand. Auch nicht DIW-Forschungsdirektor Kritikos. Aber: «Was man befürchtet, sind hohe politische Kosten.» Denn falls Griechenland tatsächlich aus dem Euro ausscheidet, würde der europäische Integrationskurs zum ersten Mal überhaupt gestoppt.

Euro-Ausstieg die schlechtere Option

Bei allen Mängeln des Euro: Für Kritikos überwiegen die Vorteile der Einheitswährung. Sie seien bei einem Zusammenbruch Griechenlands aber in Gefahr. Falls Athen Bankrott ginge, müsste es möglicherweise den Euro mit einer neuen Währung ersetzen. Diese Währung verlöre sofort an Wert, da sie niemand wolle.

In Deutschland gibt es Ökonomen, die behaupten, für Griechenland sei eine schwache Währung gut. Es könnte so seine Waren und Dienstleistungen billiger exportieren. Kritikos hält nichts davon. «Ein Ausscheiden aus dem Euro würde bedeuten, dass die wenigen, in Griechenland verbliebenen innovativen Unternehmen ebenfalls ihre Koffer packen würden.» Es wäre also niemand mehr da, der Griechenland aus der Krise führen könnte. «Wir werden eine Negativ-Auslese derer sehen, die in Griechenland bleiben und mit denen einfach kein Staat mehr zu machen ist», so seine düstere Prophezeiung.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Stadler, Bussnang
    Kreditrückzahlungen zurückstellen.Die EU sollte aber in GR mehr investieren, Arbeitsstellen schaffen. Die Leute wollen arbeiten - was aber wenn es keine Arbeits-plätze gibt? GR hat fast keine Industrie, nur Tourismus, Landwirtsch. Produkte die müsste man fördern helfen. Helfen einen guten Staatsappart, Steuersysteme aufzubauen. GR ist eine Demokratie - vielleicht könnte die CH mithelfen. Anderen Ländern musste man auch helfen, bevor sie zudem wurden was sie heute sind. Mehr Verständnis für GR.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Man soll nicht immer und immer wieder gutes Geld schlechtem hinterher werfen. Genau dies wird im Fall Griechenland seit Jahren getan. NIEMAND, kein Gläubiger, wird jemals auch nur ein Cent dieses Geldes wiedersehen - es ist verbrannt. Punkt. Aus. Ende. Abschreiben. Die Griechen müssen raus aus dem destruktiven Euro-Gebilde - alles andere ist endlose Pflästerli-Politik.
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  • Kommentar von Michael Frank, Bern
    Eine Filmparaphrase, die andeutet, wohin die Reise geht: "Wieder so eine Veranstaltung, bei der reiche Leute beschliessen, dass die Erholung der Wirtschaft davon abhängt, dass sie schneller mehr Geld verdienen."
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